Länderberichte

Indien | 15 Alleinreise-Tipps für Frauen

Dagmar Gehm
Geschrieben von Dagmar Gehm

Können Frauen ohne Probleme allein durch Indien reisen? Ja, findet unsere langjährige Indien-Expertin Dagmar Gehm. Hier sind ihre 15 Dos and Don’ts.

Generell ist es für Frauen in den letzten zehn, 15 Jahren entspannter geworden, allein den indischen Subkontinent zu reisen. Besonders in den Großstädten hat man sich an indische Ladys mit Laptop und Smartphone gewöhnt, die statt im Sari im weltweit üblichen Business-Look Restaurants, Hotels und Airports bevölkern. Trotzdem gelten gerade für ausländische Besucherinnen – insbesondere abseits großer Städte – ein paar Verhaltensregeln, die Ärger, Stress und Belästigungen vermeiden helfen. Hier die wichtigsten Alleinreise-Tipps für Frauen, die in Indien beachtet werden sollten.

#Richtig kleiden

Abgesehen davon, dass er unheimlich bequem ist, bedeutet ein Salwar Kameez oder Punjabi Suit, eine Kombi aus oben sehr weiten und ab dem Knie sehr engen Hosen mit einem wadenlangen Oberteil aus dem gleichen Stoff und Muster, dass die Trägerin keine Newcomerin mehr ist.

#Bitte nicht oben ohne

FKK ist offiziell verboten, trotzdem legen viele Touristinnen vor allem in Goa ihr Oberteil am Strand und am Hotelpool ab. Über Scharen neugieriger Gaffer brauchen sie sich dann nicht zu wundern. Und über Belästigungen auch nicht, denn sich „nackig machen“ bedeutet für die meisten eben eine „Aufforderung zum Tanz“. Das Gleiche gilt für knallenge Miniröcke.

Frau in indischem Palast

Wenn sie jetzt noch einen Schal über die Schultern legen würde, wäre sie im Tempel perfekt gekleidet

#Tempel-Knigge achten

Wer in Tempeln oder anderen heiligen Stätten (Ashram, Schreine etc.) zu offenherzig erscheint, wird entweder nicht eingelassen oder bekommt ein unförmiges Tuch umgehängt. Besser, Frauen drapieren vorab einen breiten Schal über Brust und Schultern (dafür tut es auch das lange Ende vom Sari) und ziehen einen wadenlangen Rock oder Pareo respektive lange Hosen an.

#„Lass mich in Ruhe!“ signalisieren

Inderinnen, die nicht angesprochen werden möchten, ziehen den langen Zipfel ihres Saris vors  Gesicht. Bei einer Europäerin sendet ein Schal das gleiche Signal.

#Sich fahren lassen statt fahren

Macht Spaß und ist so gut wie sicher: in Goa als Sozia auf einem Motorroller oder Motorrad zum günstigen Festpreis von A nach B gefahren werden oder sich die Highlights zeigen lassen. Die Fahrer warten geduldig während der Besichtigungen. Man findet sie überall an Ständen mit der Aufschrift „Two Wheeler Taxi Stand“. Für normale Taxis gilt: nur in autorisierte Wagen steigen!

Pause vor Palast

Wenn frau keine Lust hat, abends allein im Hotel rumzusitzen, empfiehlt sich ein Homestay. So kann man tiefer in die indische Kultur eintauchen, hat Familienanschluss und erfährt viel über den indischen Alltag

#„Fragen Sie meinen Mann!“

„Wie spät ist es?“ Kommt diese Frage, etwa am Strand, von einem Mann, von dem ich annehme, dass er mehr von mir will als nur die Uhrzeit, zeige ich in eine diffuse Richtung und sage: „Fragen Sie bitte meinen Mann dort hinten auf der Liege. Seine Uhr geht viel genauer als meine.“ Es ist bemerkenswert, wie wenig den Fragenden plötzlich die Antwort interessiert.

#Das Ding mit dem Solo

Ich selbst habe es nie gemacht, aber manche Alleinreisende schwört darauf: Einen Fake-Ehering tragen, der vor lästiger Anmache schützen soll. In der Tat werden alleinreisende Frauen immer nach Mann und Kindern gefragt. Die Antwort, man sei solo, stößt bei den meisten – egal ob Mann oder Frau – auf Unverständnis, da es der üblichen Gesellschaftsstruktur immer noch nicht entspricht. Zumindest lästig wird es unter Umständen, allein am Strand zu liegen. Oft ist es zwar nur reine Neugier, wenn Sie angesprochen werden, aber zur Ruhe kommt frau selten. Besser am Pool sonnen, da passt auch die Security auf die Sachen auf, wenn man ins Wasser geht.

#Nie ins Gedränge!

Unbedingt meiden: Events, auf denen es starkes Gedränge gibt. Dann sind weder Wertsachen noch bestimmte Körperteile vor Berührungen sicher. Im Kino immer neben eine andere Frau setzen. In der Dunkelheit nicht allein unterwegs sein.

#Keine Nummer unter dieser Nummer

Passiert zwar kaum noch, aber man weiß ja nie: Manchmal betrachten Kellner in Hotelrestaurants lonely ladies als Freiwild und belästigen sie telefonisch auf ihren Zimmern. Besser: Bei der Bezahlung nichts auf die Zimmernummer schreiben lassen, sondern lieber bar bezahlen. Ich habe in einem 5-Sterne-Hotel mal erlebt, dass der Portier dem vorbestellten Taxi quer über den Parkplatz entgegen posaunt hat: „Die Lady von Zimmer xy ist jetzt abholbereit.“ Somit kannte nun auch der Rest der Wartenden meine Zimmernummer. Da hilft nur eins und zwar sofort: um einen anderen Raum bitten und künftige lautstarke Mitteilungen untersagen.

#Nicht küssen, bitte!

Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit sind verpönt. Auf dem Land gilt sogar Händchenhalten als Stein des Anstoßes. Selbst wer mit seinem deutschen Freund vor allen Leuten knutscht, wird als schamlos bezeichnet.

#Richtig buchen und Augen auf!

Wenn frau einen Schlafplatz im Nachtzug bucht, sollte sie bei der Bestellung vorher angeben, dass sie in einem reinen Frauen- oder Familienabteil übernachten möchte. Schon bei der Hotelreservierung darauf hinweisen, dass man weder am Ende eines dunklen Flurs noch in einem abgelegenen Gebäudetrakt untergebracht sein möchte. Aber schon am Airport gilt: Augen auf! Dort bieten völlig unbekannte Männer an, den Koffer zu tragen, um damit vielleicht auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Immer nach der offiziellen Porternumber schauen. Alle selbst ernannten Reiseleiter und Stadtführer abwimmeln, im harmlosesten Fall werden Sie überall dorthin geschleppt, wo er Provision kassiert. Besser: Im lokalen Tourist Office nach einem offiziellen Guide fragen.

#Fragt Frauen!

Hat eine Inderin die Wahl , würde sie nie einen Mann nach dem Weg oder der Uhrzeit fragen. Sind Frauen in der Nähe, wäre der Befragte zumindest verblüfft, wird am Ende sogar aufdringlich, weil er dieses Ansprechen falsch deutet.

#Starker Auftritt

Wenn Sie aus Versehen mal in einer einsamen Gegend landen oder durch die Dunkelheit gehen müssen, versuchen Sie, möglichst selbstbewusst zu wirken. Wer große Ängstlichkeit ausstrahlt, ist ein leichteres Opfer. Das gilt natürlich überall auf der Welt. Die meisten Täter werden von dieser „starken Haltung“ abgeschreckt.

#Tasche schlägt Koffer

Je kleiner das Gepäck, desto unabhängiger sind Sie von unerwünschten Hilfsangeboten. Andererseits sollten Sie aber noch nicht mal den Rucksack selber aufs Zimmer tragen, für viele Bedienstete ist das Trinkgeld die einzige Einnahmequelle. Außerdem gilt es einfach nicht als ladylike, sein Gepäck selber zu schleppen.

#Homestay statt Hotel

Wer gern etwas tiefer in die indische Kultur eintauchen und sich abends nicht allein auf dem Zimmer langweilen möchte, bucht am besten ein Homestay. Dort hat frau gleich Familienanschluss und erfährt viel über den indischen Alltag. Man kann mit der Hausfrau einkaufen gehen und in die Töpfe schauen. Manche bieten sogar Kochkurse oder Ayurveda an. Da die Homestays über den Anbieter registriert sind, kann sich frau dort auf der sicheren Seite fühlen.

 

PS zum Thema „ich muss mal schnell…“

Der WC-Besuch in Indien kann zu einer Spritztour ausarten. In öffentlichen Toiletten sind europäische Sitzklos die Ausnahme. Normalerweise dominiert die Variante „Loch in Beton“ und kein Klopapier. Also immer etwas in petto haben. In diesem Zusammenhang: Niemals die linke Hand zur Begrüßung reichen, auch kein Geschenk damit überreichen. Denn die Linke ist dem Waschen mit Wasser vorbehalten und zwar jener Körperteile, für die wir Papier benutzen. Deshalb gilt die linke Hand – wie im islamischen Kulturkreis übrigens auch – als unrein.


Weitere Beiträge zum Thema alleinreisende Frauen

 

 

 

 



Über diesen Autor

Dagmar Gehm

Dagmar Gehm

Dagmar Gehm ist freie Journalistin, ihr Heimathafen ist Hamburg. Von hier aus startet sie zu Reisen oft abenteuerlicher Natur rund um den Globus. Jedes Jahr treibt sie als Hilfshirtin 2.000 Schafe über den Similaun-Gletscher, im Herbst war sie mit 17 Harley-Fahrern 3.300 Kilometer in China unterwegs. Zu ihren Lieblingsplätzen zählen Sri Lanka und Indien. Auf Sri Lanka war sie lange als Korrespondentin im Einsatz, mitten im Bürgerkrieg suchte sie die tamilischen Rebellen im umkämpften Norden auf. Den indischen Subkontinent hat sie so häufig bereist, dass sie tiefe Einblicke gewinnen konnte in Politik, Kultur, Wirtschaft, Spiritualität und die oft krassen Gegensätze: "Doch um das Mysterium Indiens ganz zu enträtseln, bedarf es wohl vieler Wiedergeburten!" Eines steht auf jeden Fall für die Vielreisende fest: Nirgendwo sind die Farben leuchtender, die Gerüche intensiver, ist die Sinnlichkeit spürbarer. Zuletzt erschien von ihr der Marco Polo-Reiseführer über Indiens Süden – auch mit vielen Tipps für Frauen.

Katalog-Service

Nice 'n' easy

Holen Sie sich für Ihre Reiseplanung die Kataloge renommierter Spezialveranstalter gratis ins Haus