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Abzocke | Hier droht Aderlass

Markus Stein
Geschrieben von Markus Stein

Da sage noch mal einer, Fremdenverkehrsämtern,
Hoteliers, Airlines und Reedereien mangle es an
Kreativität – die fünf nervigsten Abzockereien!

„Denk’ ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“, dieser Satz Heinrich Heines könnte auch so manchem Touristen in den Sinn kommen, wenn er sich in ein Hotelbett legt. Denn in zahlreichen Städten wird für jede Person pro Übernachtung eine „Matratzen-Maut“ erhoben.

Dauerbrenner Matratzen-Maut

In Berlin beträgt diese „Steuer“ beispielsweise fünf Prozent des Netto-Übernachtungspreises, begrenzt auf einen zusammenhängenden Übernachtungszeitraum von 21 Tagen.

In Köln nennt man die Zwangsabgabe zwar verschämt „Kulturförderabgabe“, fordert aber nichtsdestotrotz ebenfalls fünf Prozent vom Übernachtungspreis. Ähnliche Abgaben wurden beschlossen in Erfurt, Weimar, Dortmund und weiteren Kommunen. Hamburg erhebt eine Kultur- und Tourismustaxe pro Person und Übernachtung, beispielsweise zwei Euro bei einem Netto-Entgelt von 100 Euro.

Ebenso vergällen internationale Städte-Klassiker wie Barcelona, Rom, Paris oder London ihren Gästen die Nachtruhe mit einer „Bettensteuer“.

Und täglich kassiert der Kurort

Eine weitere Schröpfmethode ist die „Kurtaxe“, wie sie in den Bädern an Nord- oder Ostsee und vielen anderen Ferienorten erhoben wird. Die Kurtaxe ist eine Gebühr, deren Existenz in das 19. Jahrhundert zurückreicht und die vor Ort vom Gast gezahlt wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob er im Hotel oder in einer Ferienwohnung übernachtet.

Spitzenreiter sind in Deutschland Juist, Langeoog, Wangerooge, Bad Kissingen und Baden-Baden – dort muss man satte 3,50 Euro berappen. Pro Tag, versteht sich. Bei sieben Tagen macht das 24.50 Euro!

Weitere Beispiele: Berchtesgaden-Königssee 2,30 Euro oder Tegernsee zwei Euro. Immerhin sind darin, je nach Gemeinde, Vergünstigungen enthalten wie die kostenlose Busbenutzung oder die „kostenfreie Bereitstellung von Hundetüten“ (Heringsdorf) … Die Kurtaxe findet man auch in anderen Ländern wie in Österreich (in Wien etwa drei Prozent Ge­bühr auf den Preis der Unterkunft) oder in der Schweiz.

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Abwiegeln und Mogeln statt Entschädigen

Manche Fluggesellschaft neigt bei Entschädigungszahlungen, etwa im Falle von Verspätungen, oder bei Rückzahlungen im Fall einer Stornierung, dazu, den Kunden erstaml für dumm zu verkaufen. Laut Gesetz wird bei einer Stornierung durch den Kunden zwar nicht der Flugpreis ersetzt, wohl aber bezahlte Steuern und Gebühren. Und da beim Verkauf von Tickets häufig der Flug verbilligt und der Gewinn mit Kerosinzuschlägen, Gepäckgebühren und Taxes erzielt wird, machen diese auch den Löwenanteil des Ticketpreises aus.

Genau mitrechnen und wehren!

Beispiel: Ein Ticket kostet insgesamt 65 Euro, dabei belaufen sich ausweislich der Rechnung der Kerosinzuschlag auf 20 Euro und die Gebühren und Taxes auf 35 Euro. Bei Stornierung müssten also 55 Euro erstattet werden! Nur den reinen Ticketpreis von 10 Euro darf der Carrier behalten.

Laut einer Reportage des WDR („Aufgedeckt“) würden bestimmte Airlines dieses Recht dem Kunden jedoch häufig verschweigen oder bewusst Falschaussagen machen. Nach Berechnungen der Allianz für Fluggastrechte (Zusammen­schluss von Portalen, die stellvertretend für Passagiere deren Forderungen gegenüber den Airlines geltend machen) fechten nur drei Prozent der Kunden ihre Ansprüche bis zum Ende durch.

Laut dem Portal Fairplane verzichten die Flugpassagiere in Deutschland insgesamt auf 720 Millionen Euro Entschädigung.

Fieser Ideenreichtum: Es leben die Service Fee

Zu den Kosten, die die Airlines gern vor ihren Kunden verstecken, zählen auch Gebühren, die bei Bezahlung der Flugtickets mit Mastercard oder Visa & Co. eingestrichen werden. So tauchten beispielsweise bei einem Flug von München nach Hamburg hin und zurück, den die Redaktion bei der Lufthansa für diesen Mai per Kreditkartenzahlung gebucht hatte, bei einem Grundpreis von 50 Euro zusätzlich Steuern und Gebühren in Höhe von stattlichen 114,75 Euro auf – das ist mehr als doppelt so viel wie der Grund­preis! Außerdem kamen noch einmal ominöse „Airline Service Fees“ von fünf Euro hinzu.

Viele Kunden buchen einen Mietwagen, meist unwissentlich, mit einer sogenannten „Voll-Leer“-Tankregelung. Das heißt: den Pkw mit vollem Tank abholen und mit leerem Tank zurückgeben. Möglicherweise müssen dann Servicegebühren für das Wiederbetanken gezahlt werden.

Zudem bleibt bei der Rückgabe des Wagens häufig noch Benzin im Tank – wer kann schon sein Auto wirklich ohne Benzin abgeben? Besser kommt man in jedem Fall weg mit der „Full-Full“-Option, bei der Mietwagen-Kunden ein vollgetanktes Ferienauto erhalten und es vollgetankt zurückbringen. Sie wird in aller Regel von seriösen Vermietern angeboten.

Freiwilliger Zwang: Obligates Trinkgeld

Auch auf hoher See greift man dem Gast gern in die Tasche. Beliebte Masche: ein obligatorisches Trinkgeld, das nicht in den offiziellen Reisepreis eingerechnet, sondern im Kleingedruckten versteckt wird. Deutsche Gerichte hatten mehrfach festgestellt, dass verpflichtende Service-Entgelte als fester Bestandteil des Reisepreises zu sehen seien oder zumindest so prominent dargestellt werden müssen wie der eigentliche Reisepreis.

Einige Beispiele:

Bei Royal Caribbean International zahlt man „ein marktübliches Trinkgeld“ von bis zu 13 Euro – pro Person und Reisetag – für Kabinenservice und Bedienung „auf Wunsch vor Reiseantritt“ oder erst an Bord

Auch bei MSC Kreuzfahrten gibt es eine „Trinkgeldempfehlung“,  abhängig von Reisedauer und Reiseziel

Hapag-Lloyd setzt auf Freiwilligkeit.

Bei Aida oder TUI Cruises ist das Trinkgeld im regulären Preis inkludiert.

Norwegian Cruise Line hat für den deutschen Markt reagiert und inkludiert Trinkgelder im Reisepreis. (Das betrifft „alle Trinkgelder auf alle aufgeführten All Inclusive-Leistungen sowie das empfohlene Crew Trinkgeld“.)

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Über diesen Autor

Markus Stein

Markus Stein

Wenn Markus mal nicht vor dem Computer sitzt – das ist leider immer öfter immer weniger der Fall ... –, macht er mit Vorliebe die Bergwelt vor der oberbayerischen Redaktions-Haustür unsicher. Sei es mit dem Mountainbike oder Wanderschuh in der schneefreien Zeit, mit Touren- oder Alpinski im Winter. Bleibt dann noch Puste übrig, stürzt er sich auch gern mal in Münchens Kulturleben, mit Vorliebe in die Jodel-Hochburg Bayerische Staatoper. Die absoluten Reise-Highlights im Dienste der Redaktion: eine Rundreise durch Neuseeland („Der Hammer“) und Tiefschnee-Tauchgänge in Kanada („Auch nicht schlecht“).