Outdoor

Area 47 | Postenlauf für Adrenalinjunkies

Gumpensprung der besonderen Art
Christian Haas
Geschrieben von Christian Haas

Canyoning, Hochseilklettern, Blobbing: Wie viel Outdoor-Action passt in zwei Tage? Ein Selbstversuch in der Ötztaler Area 47, die sich als Europas größte Abenteuer-Spielwiese bezeichnet

Drei Männer, zwei Tage, acht Sportarten. So lautet die Mission. Und die Frage: Wie viel Adrenalin können wir produzieren? Wir wollen es wissen – von Chris Schnöller, der nach der Eröffnung der Area 47 ab 2010 erst im Marketing war und nun als Geschäftsführer agiert. Wir treffen ihn im „Lakeside“-Restaurant am Badesee, dem „Area“-Herzstück. „Ich würd’s locker angehen“, rät er, während gerade ein Mann mit Ski (!) die 17 Meter hohe Mattenschanze runterrast, durch die Luft wirbelt und ins Wasser kracht. „Vom Flying Fox“, so Chris, „habt ihr einen Top-Blick übers Gelände“. Und das sind immerhin 90.000 Quadratmeter, die 2018 rund 200.000 Gäste besuchten.

Ob mit Zipflbob, Ski oder pur: Die Mattenschanze in der Area 47 ist etwas ganz besonderes

Die Mattenschanze in der Area 47 ermöglicht kuriose Sprünge – im Hintergrund der 27 Meter hohe Sprungturm

Im Schwebezustand über das Gelände

Ein Erfolgsgrund für das laut ORF „Ballermann-Spaßzentrum“: Hier findet jeder sein Terrain und für Slacklining, Trampolinspringen oder Beachvolley­ball muss man kein Crack sein. Für den „Fox“ braucht es aber mehr Mut als gedacht. Denn der Weg zur Absprungplattform führt in rund 25 Meter Höhe über Wackelbretter. Erste Schwitzattacke, erster Pulsanstieg. Der zweite kommt beim Absprung, wobei der freie Fall nicht so lang dauert wie beim Mega-Swing nebenan. Über eine Länge von 320 Metern genieße ich den Blick über das zwischen Inn und Ötztaler Ache gelegene Areal samt Halle für Enduro-Fahrten, Lodges und unserer zweiten Station: dem Wasserparadies.

Eines der Highlights in der Area 47: die Sprungrutsche

Volles Rohr! Mutige machen beim Sprung nach der Wasserrutsche auch noch einen Salto …

Mit 80 Sachen die Rutsche runter

Während Florian die Kletterwand über dem Wasser ausprobiert, nehme ich in der „Cannonball“-Rutsche Platz, wo mich ein Wasserstoß meterweit in den See katapultiert. Vor lauter Verkrampfung verstauch’ ich mir die Finger. Halb so wild. Wild wird es oben am Rutschenturm. Es wartet die „Free Fall“, Marketingname „Die Streif unter Europas Rutschen“. Eine Idee von Chris? Na egal. In die Rutsche gesetzt, Hände an die Stange über dem Kopf und Beine baumeln lassen. Es geht locker 18 Meter runter. Dann lass’ ich los. Und heb’ ab, so steil ist der Winkel. Fünf Sekunden und eine Adrenalinexplosion später rausche ich mit Wucht in den Auslaufbereich. Angeblich wurden hier schon 80 Sachen gemessen! Ob ich auch so schnell war?

Steil, steiler, Free Fall: Von der 18 Meter hohen Area 47-Rutsche geht es fast senkrecht runter

Fünf Rutschen schlängeln sich in der Area 47 vom Rutschenturm herab. Die steilste ist die „Free Fall“, die offiziell nur für Männer erlaubt ist

Abflug in den Ötztaler Himmel

Mit stolzgeschwellter Brust geht es rüber zum Blobbing. Kenn’ ich nicht, will ich kennenlernen. Aus zwei Meter Höhe hüpfe ich auf einen Gummiberg und schleudere meinen dort sitzenden Kumpel, den Gesetzen der Luftverdrängung folgend, in die Höhe. Dann krabble ich selbst an den Rand des XXL-Gebildes und warte meinerseits darauf, den Abflug zu machen. Auch wenn die mickrigen zwei Meter weit unter dem 22-Meter-Rekord liegen, tut das Aufkommen auf dem Wasser kurz weh.

Bretter, die die Welt bedeuten

Sinkt die Anspannung? Ein Anzeichen für Hunger? Der wird bei „Pizza Area“ und Energy-Drinks (die Werbebotschaften allerorts verfehlen nicht ihre Wirkung) gestillt. Dazu gibt es gratis Freibad-TV: Blobber, Badende und Anfänger an der Little-Bro-Wakeboard-Anlage. Mehr Eindruck macht die „Pro“-Anlage fünf Gehmi­nuten weiter. Am Kunstsee zieht ein Lift Brettljünger mit 30 Sachen übers Wasser – vorbei an diversen Obstacles. Bei einem Eis im Café staunen wir über die Bunny Hops, Flips und Grabs, die manche draufhaben. Gut, es gibt auch Nichtdiekurvekrieger und Vombrettfaller. Zu denen werde ich gleich gehören und mit missglückten Versuchen zum Dauergast im Startbereich, wo man mit einem Ruck von den Planken aufs Wasser gezogen wird. Einmal aber schaffe ich einen Top-Antritt, flitze galant übers Wasser, fühle mich bestens. Bis Kurve zwei, wo die Traumfahrt abrupt endet.

Wakeboardanlage in der Area 47 im Ötztal

Brettljünger lieben die professionelle Wakeboardanlage, Novizen tun sich mit dem schnellen Lift erstmal ziemlich schwer …

Kommando Tequila!

Zum Glück hab’ ich beim Rafting mehr Erfahrung, wobei die Ötztaler Ache nicht ohne ist. „Stufe vier von sechs. Und sechs sind die Niagara-Fälle!“, witzelt Guide Dan. Als wir nach kurzer Busfahrt von der Out­door Base, der Ausrüstungszentrale für externe Trips, nach Oetz die Boote klarmachen, sprechen wir nur noch Englisch. Oder besser: hören es in Form von Kommandos wie „All forward!“ (paddeln wie die Irren), „Hold on!“ (nichts tun) oder „Get down!“ (runter und zwar rasch!). Nach einer Stunde etwa, als die wildesten Strudel hinter uns liegen, kommt das Spezialkommando „Tequila“ dazu: Dabei lehnt man sich weit aus dem Boot und bekommt in einer Welle ordentlich Achenwasser ab. Wie im Rausch sind wir ohnehin: so viel Weißwasser, so viel Gaudi!

Raftingtour auf der Ötztaler Ache

Je mehr Weiß im Wasser, desto kreisch! Bei Raftingtouren auf der Ötztaler Ache wird es gern mal lauter …

Im Außenbereich der Area 47

Der nächste Tag startet gleich mit dem nächsten Knaller: Canyoning. Bei der „Lost Valley“-Tour für Leute mit Erfahrung geht es via Klettersteig in die Auerklamm und ordentlich zur Sache. Nach ein paar Minuten der Erst mit Wasser. Hui, höchstens sieben Grad! Zu Fuß weiter an Felswänden entlang und bachabwärts. Mal über Glitschsteine, mal durch Spalten, mal über einen Trail durchs Unterholz. Wir müssen nicht nur tiefe Abgründe (springend) und Wasserfälle (rutschend) überwinden, sondern auch den inneren Schweinehund. Etwa bei einem Zwölf-Meter-Sprung in eine Gumpe samt Rutsch-Sprung-Kombi – irre und irre gut. Und irre anstrengend.

 

Canyoning in der Tiroler Auerklamm

Damit die Auerklamm nicht zur Aua-Klamm wird, geben die Guides genaue Anweisungen, wo man hinspringen soll

Die nächste Station, der Hochseilgarten Air Trail, setzt noch eins drauf. Wacklige Balken und Netze sorgen für weiche Knie. Fast muss ich die weiße Flagge hissen. Bis zu 27 Meter Höhe, brütende Hitze und die vorangegangenen Aktivitäten fordern ihren Tribut.

Finale auf zwei Rädern

Nach einer Pause wartet noch eine Tour mit dem Mountainbike. Vor allem in puncto E-MTB wird dieses Segment stark erweitert, wir jedoch steuern den idyllischen Piburger See mit „normalen“ Rädern an. Geht erst schön flach am Fluss entlang und dann schön anstrengend 200 Höhenmeter rauf. Das Beste ist das Bergab, als wir auf Straßen und Trails versuchen, geschmeidig die Kurven durch den Wald zu kratzen.

Stichwort Kurve kratzen. Die Rückreise steht an. Fazit: Unglaublich, wie viel man in zwei Tagen an bekanntem und neuem Thrill erleben kann. Und wie sehr der Spaß ins Geld geht, kostet doch fast jeder Pos­ten extra. Dennoch: Unsere Mission ist erfüllt, mehr Adrenalinausschüttung ist momentan nicht möglich. Over and out.

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Info Area 47

Mai bis Ende September geöffnet, Packages möglich, etwa zwei Ü/F, Rafting und Canyoning für 262 Euro.

Über diesen Autor

Christian Haas

Christian Haas

Christian Haas – Jahrgang 1974, Wirkungsstätte München – liebt seit jeher die Kombination Reisen und Schreiben. Naheliegende Konsequenz: Studium der Geographie und Kommunikationswissenschaften in Eichstätt und München. Diplomarbeit in Venezuela, Nationalparkpraktikum in Puerto Rico, Redakteursanstellung in München. Seit 2002 als Reisejournalist und Autor selbstständig, Schwerpunkt Outdoor, Familie, Kurioses. Seit 2013 gehört Christian Haas zum Redaktionsteam von gambleinfo.