Reisen

Karibik | Beach-Check Kuba

Martina Miethig
Geschrieben von Martina Miethig

Als Kuba-Urlauber habt Ihr die Qual der Wahl. 5.700 Kilometer Küste. 4.000 große und kleine Cayos. 300 Strände! Der Beach-Check Kuba leistet Entscheidungshilfe.

Die drei Pärchen drehen sich im Sand, die Mädels im Bikini, die Jungs mit Baseballcap, lachend und jauchzend. Die Hüften schwingen, als wären Wirbelsäule und Gelenke aus Gummi. Auf der Karibik-Insel bekommen anatomische Begriffe wie „Wirbel(!)säule“ beim Tanzen einen ganz neuen Dreh. Es wird eben viel herumgewirbelt. Doch wo ist die Musik?

Ausnahmsweise herrscht Ruhe in Kuba. Keine Salsa dringt aus dem alten Ghettoblaster auf dem Badehandtuch. „Wir haben keine Batterien mehr …“, sagt Yohan schulterzuckend und wirbelt seine Freundin weiter im Kreis herum, bis einem ganz schwindelig wird – allein vom Zugucken.

Wir sind in Guanabo, keine 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, in der „Badewanne der Habaneros“. Jedes Sommerwochenende setzt in Havanna eine Völkerwanderung gen Osten ein: Pärchen auf Fahrrädern, ganze Familien auf qualmenden Mofas, eine Armada aus Pferdekutschen und Traktoren, vor Fahrgästen überquellende Busse und Laster.

Wellenrauschen und Salsa-Rhythmen

Alle wollen an die Playas del Este, einen neun Kilometer langen Küstenstreifen. Im wohl schönsten Abschnitt bei Santa María del Mar lockt der ein Kilometer lange Strand unter Palmen, im Hintergrund türmt sich der goldgelbe Sand zu Dünen. Das kubanische Flair ist unverkennbar und ganz anders als an den reinen Touristenstränden: Wellenrauschen mit Salsa- und Reggaeton-Rhythmen, eine Flasche Rum macht immer irgendwo die Runde und „Béisbol“-Schläger schwingen durch die Luft.

Getränkebuden versorgen die Sonnenanbeter mit „Cristal“-Bier und Cocktails in dünnen Plastikbechern, es gibt Grillfisch am Strand und kubanische Fast-Food-Restaurants im Hinterland. Für ein Wochenende unter Kubanern der geeignete Platz an der Sonne.

Palmen prägen die üppige Vegetation der kubanischen Landschaft

Palmen prägen die üppige Vegetation der kubanischen Landschaft

Varadero: der feinste Sand auf Kuba

Nicht weit entfernt hält der frühere Polizei-Checkpoint am Eingang zur Península Varadero heutzutage keine Kubaner mehr fern von ihrem Lieblingsstrand: Seit den Reformen von 2008 dürfen selbst die (wohlgemerkt: betuchten) Kubaner hier Urlaub machen. Mittlerweile muss man sich als ausländischer Gast in einer der Privat-Casas im Ortskern auch nicht mehr heimlich im Dunklen durch den Garten schleichen.

Erst seit wenigen Jahren dürfen die Hausbesitzer unter den 20.000 Varadero-Bewohnern ihre Zimmer privat vermieten – einige verlockend nah am Strand. Nirgendwo ist der Sand feiner, keine Playa in Kuba länger. Kurz: Die 20 Kilometer sind unschlagbar!

Pelikan beim Aus-Flug an der Playa de Varadero

Pelikan beim Aus-Flug an der Playa de Varadero

Auch das gibt’s: Luxus-Anlagen

Die über 100 „Todo incluido“-Hotels bieten für jeden etwas: Happy-Hour-Cocktail mit Sunset-Panorama, Animation rund um die Uhr und Tanzshows in bunten Kostümen, Wellenreiten mit Delfinen, Katamaran-Ausflüge zu einsamen Cayos und Korallenrif­fen. Praktisch für alle „Zwei-Wochen-Pauschalisten“, die auch was vom Land sehen wollen: Von hier geht es im Rahmen von Tagesausflügen in fast alle Landesecken.

Inzwischen haben selbst in Kuba einige Luxus-Anlagen eröffnet, die den Namen verdienen, etwa am Ostende Varaderos. Eines der mit weitem Abstand inselbesten Hotels ist das „Paradisus Río de Oro“ im Osten des Landes bei Guardalavaca: In der Top-Herberge gibt es zur Begrüßung Champagner statt Plastikarmbänder und statt Buffet-Schlangen hat der Gast die Wahl zwischen Pizza bis Sushi in sieben Restaurants.

Paradisus Rio De Oro: die Fünf-Sterne-Herberge liegt in einem Tropengarten

Paradisus Rio De Oro: die Fünf-Sterne-Herberge liegt in einem Tropengarten

Ein Mallorca für Kanadier

Eines sollte klar sein: Wer in Kuba fünf Sterne bucht oder „alles inklusive“ auf den Trauminseln, der ist vom kubanischen Alltag so weit entfernt wie der Durchschnittskubaner vom Kauf eines Porsches. In der zuletzt erschlossenen Inselkette von Cayo Santa María mit ihren riesigen Hotelsiedlungen (1.000 Zimmer!) tummeln sich vor allem Kanadier.

Drei Stunden dauert für sie der Flug in ihr Mallorca. Unerlässliches Utensil: der Alles-inklusive-Trinkbecher, in den am Morgen der Kaffee passt und ab mittags das Bier. Den nahe­gelegenen Flughafen bei Santa Clara steuern auch Direktflüge aus Deutschland an.

Traumstrand Playa Pilar

Und der schönste Strand, der im Beach-Check Kuba nicht fehlen darf? Zweifellos die Playa Pilar! Die liegt zwischen Dünen auf Cayo Guillermo (Cayo Coco) und wurde nach Ernest Hemingways Jacht „Pilar“ benannt. Der US-Schriftsteller trieb sich auf seiner Pirsch nach deutschen Spionage-U-Booten im Zweiten Weltkrieg an Kubas Nordküste zwischen den Cayos herum. Nebenbei angelte er und schwärmte „vom besten und fischreichsten Gewässer, das man überhaupt in seinem Leben entdecken kann“.

Bunte wimmelnde Korallenwelt vor Cayo Largo

Bunte wimmelnde Korallenwelt vor Cayo Largo

Keine Butter, kein Internet

Ob Hemingway heutzutage „todo incluido“ buchen würde? Keine Sorge, ein typisch kubanischer All-inclusive-Tag fängt durchaus schön an: Das Meer lockt in den schillerndsten Blautönen und der weiß leuchtende Strand blendet, die Palmen rascheln. Diese paradiesische Kulisse sollte man im Laufe eines Alles-inklusive-Daseins in Kuba nie aus dem Auge verlieren. Erst recht, wenn schon vor dem Frühstück die Dusch­Armatur abbricht, die WC-Spülung streikt und die Terrassentür sich nicht mehr schließen lässt. „Ay mi madre“, möchte man ausrufen – und weit und breit kein Zimmermädchen oder Manager in Sicht. Kleiner Trost: Selbst im allerbesten Fünf-Sterne-Hotel können schon mal tagelang Butter und Internet fehlen …

Venceremos!

„Alle anderen Sterne“ in Kuba glänzen nicht selten durch Verfall, Mangel und freundlichen Anti-Service. Die in den Hotels arbeitenden Kubaner leben von Trinkgeldern (offizieller Monatslohn: etwa 20 Euro). Wer sich als Gast nicht von Anfang an regelmäßig freigebig zeigt, geht leer aus, bekommt keine sauberen Handtücher und an den Bars nicht mal den Nationaldrink Mojito, weil angeblich die Minze fehlt. Abends in der Schlange vor dem Buffet empfiehlt sich ein solidarischer „Venceremos!“-Gedanke („Wir werden siegen!“) – an ein Elf-Millionen-Volk, das sein Leben lang schon Schlange steht …

Feinsandiger Guardalavaca Beach

Feinsandiger Guardalavaca Beach

Ohropax gegen extreme Pool-Beschallung

Die meisten Buffets der besseren Hotels sind heutzutage reichhaltig und abwechslungsreich, selbst Speiseeis findet sich immer – und wenn man sich beeilt, lässt es sich mangels Löffel auch gut mit der Gabel konsumieren. Ach, und nicht vergessen: Ohropax einpacken! Denn wer nicht spontan am dauerbeschallten Pool mittanzen möchte, der kann schnell eine ganze Familienpackung in drei Wochen aufbrauchen – oder besser gleich einen Bogen um alle Animationshotels der Kategorien 1 bis 4 machen.

Geheimtipps mit Macken

Fehlen die „Geheimtipps“! Die einsamen Preziosen ohne Tanzshows und Animation, gut versteckt im Niemandsland. Geeignet für Ruhe suchende Individualisten mit Zeit, Geduld und starken Nerven (und noch stärkeren Stoßstangen).

Doch leider verfallen Kubas idyllisch-abgelegene Oasen zunehmend: etwa auf der naturgeschützten Halbinsel Guanahacabibes, wo Mexiko näher ist als Havanna (das Taucherhotel „Maria La Gorda“ und die Blockhütten am Cabo de San Anto­nio, letztere stark abgewrackt), das mit einem Bilderbuchstrand aufwartende „Playa Covarrubias“, wo das Essen nur dem Sattwerden dient, die winzige, immer wieder hurrikangepeinigte Cayo Levisa (mit nagelneuen Hütten – bis zum nächsten Wirbelsturm), die schwarzsandigen Playas an der Südostküste bei Santiago samt tief gebräunter kanadischer Pensionäre.

Wer abseits der Pauschalpfade übernachtet, sollte Humor mitbringen oder in die Natur oder den Barkeeper verliebt sein, am besten beides. Lediglich die familiäre Wohlfühl-Enklave Don Lino bei Guardalavaca scheint jedes Jahr besser zu werden …

Das Gute liegt so nah! Die Playas del Este beginnen nur 18 Kilometer östlich von Havanna

Das Gute liegt so nah! Die Playas del Este beginnen nur 18 Kilometer östlich von Havanna

Tauchen oder Tanzen? Aber wieso oder?

Noch eine gute Nachricht für alle Spezialisten: Viele Taucher zieht es in den Süden, wo der kubanische Inselsockel auf mehr als 1.000 Meter abbricht und sich 500 tropische Fischarten tummeln, etwa auf die wenig touristische Isla de la Juventud (Taucherho „El Colony“) und die Meeresschildkröten-Insel Cayo Largo (fest in der Hand von FKK-Kanadiern und ein paar Italienern).

Salseros, aufgepasst: In Trinidad liegen die Tanzclubs, Bars und Musikläden nur wenige Tanzschritte auseinander, und einen schönen Strand zum Erholen vom Salsa-Stress gibt es auch hier. Oder man macht’s wie die Profis: ganz ohne Musik.


Hotel-Tipps

Die Villa der Schwestern May und Ada ist tiptop sauber, schick und bestens ausgestattet, direkt am Meer, sehr privat und: Man spricht Deutsch. Hängematten im Garten, Pool auf dem Dach, den Koch kann man mitmieten, und Ehemann Alex kutschiert die Gäste herum. Haus 120 bis 150 Euro (zwei bis vier Personen, ohne Frühstück).

Für Genügsame: 44 rustikal einfache Cabanas und 56 neuere doppelstöckige Bungalows der Zwei-Sterne-Kategorie, teils mit Meerblick, Swimmingpool an einer mit Sand aufgeschütteten Felsbucht. DZ all inclusive ab 60 Euro.

Web


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Über diesen Autor

Martina Miethig

Martina Miethig

Seit mehr als 20 Jahren bereist die Journalistin und Buchautorin die Welt. Sie knatterte auf Enduros durchs Goldene Dreieck, stand ehrfürchtig mit fünf (!) anderen Besuchern im Angkor Wat, traf Aung San Suu Kyi im Hausarrest in Rangun und lebte eine Weile in Peking – als es dort noch mehr Radler-Staus als Smog und Wolkenkratzer gab.

Ob stumm im Meditationskloster oder Kommandos brüllend beim Elefantentrek – die frühere ARD-Radio-Reporterin hat sich seit ihrer Weltreise 1994 einen Namen als ASIEN-Expertin gemacht. Aber auch als ausgewiesene KUBA-Kennerin mit Familie in Havanna-Provinz: Der von ihr belächelte Wahrsager in Phnom Penh sollte tatsächlich Recht behalten – ein fremder Mann auf einer fernen Insel! Kuba ist heute die zweite Heimat der gebürtigen Berlinerin - und claro que sí - natürlich tanzt sie Salsa und kennt sich bestens aus im »socialismo tropical«.

Rund 30 Bücher in bis zu vier Sprachen bei renommierten Verlagen hat sie verfasst – Reiseführer, Bildbände, Länderporträts zu Kuba, Thailand, Vietnam, Kambodscha, Sri Lanka, Mauritius.

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