Länderberichte

Dänemark | Citytrip Aarhus

Sven Bremer
Geschrieben von Sven Bremer

Spannendes Ziel für einen Citytrip, auch wenn es weniger bekannt ist: Aarhus in Dänemark überrascht mit einem Mix aus avantgardistischer Architektur, sympathischer Weltoffenheit und „hyggeligen“ Lifestyle. Im Sommer locken Ostsee-Strände

Warum Aarhus?

Rund 45.000 Studenten leben in Aarhus, davon 5.000 aus dem Ausland. Das ergibt eine junge und bunte Mischung in der mit ungefähr 270.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt von Dänemark. Hier ist das hyggelige Dänemark auch ganz schön hip und multikulti. Das passt: Schließlich beschreibt „hygge“ nicht nur die gemütliche Mentalität der Dänen. Es hat auch mit dem Bewusstsein zu tun, diese Gemütlichkeit mit anderen zu teilen.

Toleranz und Gelassenheit spielen eine große Rolle. Das krie­gen sie in Aarhus, einst vor rund 1.000 Jahren von Wikingern gegründet, ziemlich gut hin. Insbesondere im Latiner­kvarteret (Latin Quarter), dem ältesten „Kiez“ der Stadt, mit seinen Sträßchen und Gassen. Tagsüber sitzt die halbe Stadt hier mit Kind und Kegel, am Abend geht man hier oder im hippen Frederiksbjerg essen.

Wenn man beim Citytrip durch die Gassen des Latin Quarter flaniert, erinnert ab und zu das Kreischen der Möwen daran, dass Aarhus am Meer liegt. Vor einigen Jahren hat die Stadt begonnen, ihre Wasserseite aufzuhübschen. Bei schönem Wetter ist einiges los an der neu gestalteten Promenade. Das Dokk 1 ist das architektonische Highlight in Zen­trums­nähe und schafft die Verbindung zwischen Meer und Stadt – ein modernes Kulturzentrum.

Witziges Detail: Immer wenn in der Stadt ein Baby zur Welt kommt, läutet im Dokk 1 ein kunstvoll gestalteter Gong. Auf einer Halbinsel etwas weiter im Norden entsteht das moderne Quartier Aarhus Ø. Beeindruckend, wenn auch eher kalt wirkt der Gebäudekomplex Isbjerget mit teuren Wohnungen.

Dänemark, Aarhus, Citytrip: Moderne Architektur: Gebäudekomplex Isbjerget

Moderne Architektur: Geplanter Gebäudekomplex Isbjerget

Muss man sehen

Das hat man davon, wenn man ein solch herausragendes architektonisches Highlight wie das ARoS schafft: Alle Welt redet nur noch von Ólafur Elíassons Regenbogen-Panorama auf dem Dach! Der dänisch-isländische Künstler installierte einen 150 Meter langen Weg, auf dem sich alle paar Meter die Farbe der Glasscheiben ändert, durch die man auf die Stadt blickt – mal erscheinen sie rosa­rot, mal eisblau oder leuchtend grün. Das ARoS selbst ist ein fantastisches Museum mit dem Fokus auf interna­tionaler Gegenwartskunst und Sonderausstellungen – provokant, witzig und zum Nach­denken (Aros Allé 2, 17 Euro).

Das Kontrastprogramm zur Avantgarde bildet das Freilichtmuseum Gamle By, quasi eine Stadt in der Stadt. Besonders spannend ist die Zeitreise durch authentische Stadtviertel aus dem19. Jahrhundert, den 1920er- oder 1970er-Jahren. Angeglie­dert ist das Dänische Plakatmuseum mit über 400.000 Exponaten aus aller Welt (Viborgvej 2, Gesamt-Eintritt 18 Euro).

Dänemark, Aarhus, Citytrip: Snack gefällig? In Dänemark natürlich Smørrebrød!

Snack gefällig? In Dänemark natürlich Smørebrød!

Versteckt hinter dem markanten Navitas-Gebäude an der Hafenfront liegt mit dem Dome of Visions seit 2014 ein modernes Gebäude: eine Glas- und Holzkonstruktion, nachhaltig und energieoptimiert. Hier kann man einfach nur ein Bier oder einen Kaffee trinken, einer Lesung, einem Konzert oder einem Vortrag lauschen – eindeutig auch ein Kandidat für den „coolest place in town“.

In der Nähe wurde 2018 das Bassin 7 eröffnet, eine moderne, urban-maritime Badeanstalt vor der Hochhauskulisse des neuen Stadtviertels Aarhus Ø. Mit mehreren Schwimm- und Sprungbecken, Promenadedecks sowie einem Aussichtsturm verlockt die Anlage dazu, sich nach dem Sightseeing zu erfrischen. |

Dänemark, Aarhus, Citytrip: Your rainbow panorama auf dem Dach des ARoS Aarhus Kunstmuseum

Your rainbow panorama auf dem Dach des ARoS Aarhus Kunstmuseums

Beste Aussicht vom Kaufhaus Salling

Das Traditionskaufhaus Salling in der Søndergade 27 hat aus seinem schnöden Kaufhausdach eine wunderbare Rooftop-Adresse gemacht, Smørrebrød und Cocktails inklusive. Vom Dach und von der darüber schwebenden Glasplattform reicht der Blick hinüber zum ARoS, dem Dom, zur Wasserseite mit dem modernen Stadtteil Aarhus Ø (und den alten Industrieanlagen) bis zu den Dünen und Sandstränden auf den Halbinseln Mols und Helgenæs. Freitags lädt die Bar von 17 bis 19 Uhr zur beliebten After-Work-Party.

Spaziergang auf der Infinite Bridge

Hippes Latinerkvarteret

Der schönste Kiez der Stadt ist das Latiner­kvarteret, also das Latin Quarter. In dem historischen Viertel mit den teils bunt getünchten Häuschen stimmt die Mischung: hippe Cafés, vegane Essbuden, Sterne-Restaurants, Eisläden (mit fantasti­schem Lakritz-Eis!) und zahlreiche andere Geschäfte, die von Mode über Möbel bis zu däni­schen Delikatessen alles verkaufen. Das Latin Quar­ter ist kein museales Vorzeigequartier, sondern ein Stadtviertel zum Leben und Lebenlassen. Hyggelig eben.

Ein absolut ange­sag­ter Ort zum Brun­chen, aber auch für mittags und abends ist das Langhoff & Juul in der Guldsmedgade (Drei-Gang-Menü am Abend rund 45 Euro). Nicht gerade idyllisch gelegen, aber ein „place to be“ ist das Aarhus Street Food am zentralen Busbahnhof (nicht zu verwechseln mit dem eher öden Central Food Mar­ket am St. Knuds Torv). An rund 30 Buden und Ständen gibt es internationale Street-Food-Spezialitäten und Nordisk Tapas, mit Liebe zubereitete Burger und Smørrebrød.

Wer ein paar mehr Euro ausgeben kann und will: Im Gastro-Himmel von Aarhus leuch­ten vier Michelin-Sterne! Prämiert wurden die Restaurants Frederikshøj, Gastromé, Substans und Domestic. Das styli­she und gemütliche Nordisk Spise­hus (M. P. Bruuns Gade 31) hat zwar kei­nen Stern, lässt sich aber oft von Sterneköchen inspirieren. Das Ergebnis ist eine modern interpretierte dänische Küche mit Schwerpunkt auf Fisch. | | | | | |

Dänemark, Aarhus, Citytrip: Pariser Flair in Dänemark: Bummeln im Latinerkverteret

Pariser Flair in Dänemark: Bummeln im Latinerkverteret

Relaxen auf der „Unendlichen Brücke“

Direkt am Meer nahe dem Schloss Marselisborg, dem Sommersitz der dänischen Königsfamilie, steht seit 2015 eine Installation namens The Infinite Bridge, bei der sich der eine oder andere fragen mag: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Nein, fanden die Aarhuser und setzten sich dafür ein, dass das eigentlich temporäre Kunstwerk bleiben darf. Die „Brücke“ ist eine kreisförmige Holzkonstruktion, die in die Ostsee hineinragt. Eine hölzerne Pier, auf der man seine Runden drehen und einen Blick hinüber zur Stadt werfen kann. Und wenn das Wetter stimmt, kann man hier auch einen ganzen Tag mit Baden und Faulenzen verbringen. Mit dem Fahrrad braucht man vom Zentrum aus nur eine Viertelstunde zur „Unendlichen Brücke“. Fahrradverleih: |

Dänemark, Aarhus, Citytrip: Kaffeepause im Kulturzentrum DOKK1

Kaffeepause im Kulturzentrum DOKK1

Shopping-Meile Søndergade

Schnäppchenjäger bekommen allenfalls Schnappatmung in Aarhus. Die Stadt ist – wie Dänemark ganz allgemein – ziemlich teuer. Haupteinkaufsstraße ist die Fußgängerzone der Søndergade, in der sich auch das Kaufhaus Salling befindet. Ein anderes traditionsreiches Kaufhaus – im Jahr 1868 gegründet – ist das Magasin (Søn­dergade 27), in dem man Mode skandinavischer Designer findet (ausländische Kunden erhalten pauschal zehn Pro­zent Rabatt). Der neueste große Konsum­tem­pel der Stadt heißt Bruun‘s Galleri und liegt nahe des Bahnhofs. Jenseits des Mainstreams shoppt man im Latin Quar­ter (Volden, Rosensgade, Guldsmedgade) und in Frederiksbjerg, dort vor allem im Viertel rund um die Jægergårdsgade und in der M. P. Bruuns Gade.

Klassisches dänisches Design bietet das Einrichtungshaus Illums Bolighus (Lille Torv 2). In dem Palais lebte bis ins 19. Jahrhundert die dänische Königsfamilie, wenn sie in der Stadt weilte. Heute ist der Möbelladen zwar königlicher Hoflieferant, hat aber durchaus auch bezahlbare Accessoires im Angebot.

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Ausgeh-Tipps

Links und rechts des Kanals Aarhus Å erstreckt sich der Åboulevarden. Hier liegt Kneipe an Kneipe. Wenn das Wetter mitspielt, tummelt sich die Szene draußen am Kanal. Angesagt ist die Bar „Herr Bartels“ mit großer Auswahl an guten Cocktails (ab 10 Euro). Am Ende des Åboule­var­den, an der Ecke Mindenbrogade geht man ein­fach fast im 180-Grad-Winkel zurück in die Skolegade und landet in der nächsten Vergnügungsstraße. Im Fatter Eskil, ei­ner alten Schmiede (Hausnummer 25), finden seit mittlerweile 40 Jahren Konzerte statt: mal funky, mal jazzy, mal gibt es richtig was auf die Ohren in dem kleinen Club (Eintritt ab 10 Euro). Folgt man der Skolegade in Richtung Norden, kommt man automatisch auf die Meljgade im Latin Quarter. Im hyggeligen Ris Ras Fil­li­on­gongong (Meljgade 24) kann man gemütlich unter der Blumentapete bis 3 Uhr nachts sitzen, benannt ist die Kneipe nach einem alten dänischen Kinderreim (0,2 Liter Bier ab 4 Euro). |

Dänemark, Aarhus, Citytrip: Aarhus zeigt sich modern an der Hafenpromenade

Die Stadt zeigt sich modern an der Hafenpromenade

Schön schlafen

Der Name Ritz verpflichtet eigentlich zu Prunk und Luxus. Ganz anders in Aarhus: Im zentral am Bahnhof gelegenen „Milling Hotel Ritz“ gibt es für relativ wenig Geld (Standard-DZ ab 120 Euro) eine gehörige Por­tion Wohlfühlatmosphäre. Das große Hotel aus den 1930er-Jahren wurde unlängst im modernen Art-déco-Stil renoviert, nur der Fahrstuhl rumpelt noch immer so wie vor ungefähr 100 Jahren.

Nicht verpassen: Aarhus Festuge

Alljährlich Ende August/Anfang September (2019 vom 30. August bis 8. September) finden die Aarhus Festuge statt, eines der größten Kunst- und Kulturfestivals Skandinaviens. Seit 2015 ist Rikke Øxner, die vorher das legendäre Roskilde-Festival organisierte, künstlerische Leiterin.

Dänemark, Aarhus, Citytrip: Aarhus Festuge, das Kunst- und Kulturfestival der Stadt

Aarhus Festuge, das Kunst- und Kulturfestival der Stadt

Raus aus der Stadt

Glücklich sind die Großstädter, die mal eben zu Fuß oder mit dem Rad zum nächsten Strand fahren und im Meer baden können. Die Aarhuser gehören zu diesen Glücklichen. Das Strandbad Den Permanente liegt nur rund vier Kilo­me­ter vom Dom entfernt am Rand des Wald­gebiets Riis Skov. Entweder man chillt auf den Stegen des altehrwürdigen Strand­bads, das schon 1933 angelegt wurde, oder man badet an den angrenzenden, feinen Sand­stränden. In beiden Fällen blickt man beim Plätschern der Ostsee auf die „Skyline“ von Aarhus in der Ferne.

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Info Citytrip Aarhus in Dänemark

Anreise

Von Hamburg aus fahren Intercity-Züge im besten Fall ohne Umsteigen in viereinhalb Stunden (hin und zurück ab 60 Euro). Einzige Flugverbindung aus Deutschland: ab München in knapp zwei Stunden mit der SAS (ab 250 Euro). |

Spartipp

Die Aarhus Card ermöglicht den kostenlosen Besuch von mehr als 25 Museen sowie die Nutzung von Bussen und Bahnen. 24 Stunden rund 40 Euro, 48 Stunden 60 Euro.

Mehr im Web

Infos, Unterkünfte, Events und Anregungen unter


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Über diesen Autor

Sven Bremer

Sven Bremer

Sven Bremer, Jahrgang 1963, lebt und arbeitet – kein Scherz, kein Pseudonym – in Bremen, wenn er nicht unter anderem für "gambleinfo" durch die Weltgeschichte reisen darf. Weil das mit dem Profifußball damals nichts geworden ist und man als ausgebildeter Tischler mit zwei linken Händen auch nicht gerade begehrt ist, wurde Sven Bremer zunächst Sportredakteur in seiner Heimatstadt, wo er für den "Weser Kurier" und die "Bremer Nachrichten" über Werder Bremen berichtet hat. Seit 2003 arbeitet er wieder als Freelancer für verschiedene Tageszeitungen und Magazine, schreibt Geschichten über Fußball, Reisereportagen und Reiseführer. Für den Verlag "Die Werkstatt" hat er mehrere Fußballbücher geschrieben, für "Delius Klasing" zwei Bücher über den Radsport.