Länderberichte

Berlin | Schmeckt mir!

Frank Schoch
Geschrieben von Frank Schoch

Die junge Gastro- und Craft-Beer-Szene in Berlin ist
dynamisch und vielfältig. Die besten, originellsten und
schmackhaftesten Adressen im Überblick.

Little Joy

Brunch ist ein Trend in Berlin. Nicht der Ich-stürz-mich-jetzt-aufs-Büffet-Brunch. Sondern genussvolles Frühstück in mehreren Gängen. Mal süß, mal herzhaft, immer inspirierend. Kathleen Bailey und ihre Damentruppe von „Little Joy“ surfen diesen Trend an der Spitze – in wechselnden Locations! Wer sie findet, hat Glück. Facebook hilft! Mittleres Preisniveau, Wechselnde Locations

Pure Morgenpower in Prenzlauer Berg bei Tugba Tanören und Simon Francis: Hier ist alles rohvegan, nicht nur die kaltgepressten Säfte zum Frühstück. Mittleres Preisniveau, Danziger Straße 16

Martin Eschenbrenner und Alexander Bellin brauen schon seit 2001 im Wedding ihr eigenes Bier, darunter 21 Saisonbiere pro Jahr. Ohne viel Getöse, ohne große Ambitionen, aber auf hohem Niveau.  Netter kleiner Biergarten. Niedriges Preisniveau, Triftstraße 67

Eschenbraeu

„Eschenbräu“: viele eigene Biere und dazu ein schnuckeliger Biergarten

 

Hipper geht’s nicht: Braugasthaus vegan

Das „Vaust“ in Charlottenburg ist Berlins einziges veganes Braugasthaus und es zeigt, wie hemdsärmelig, herzhaft und frei von jedem ChiChi veganes Essen sein kann. Und mit Wolfgang Grabolle hat es sogar einen eigenen Braumeister und selbstgebrautes Bier. Mittleres Preisniveau, Pestalozzistraße 8

Der Braukessel steht direkt neben der Bar: Im Straßenbräu am Ostkreuz fließt das Bier, das der gelernte Braumeister Seba Pfister (Mutter Belgierin, Vater Winzer) tagsüber braut, abends vorwiegend in die Kehlen der Nachbarschaft. Aber der Weg lohnt sich, die Vielfalt aus zehn Zapfhähnen ist groß und ziemlich kreativ. Mittleres Preisniveau, Neue Bahnhofstraße 30

Ja, wenn zwei Ex-Manager der Internetschmiede Rocket Internet Craft Beer brauen, dann rümpfen erst mal alle die Nase. Aber sie haben sich mit Richard Hodges eben einen sehr guten Braumeister geholt (aus München!). Und jetzt ist die Berliner Berg Brauerei samt Taproom einer der vielversprechendsten Newcomer. Mittleres Preisniveau, Kopfstraße 59

Noch ist ein Plätzchen freit in der Tap Room Bar der "Berliner Berg Brauerei"

Noch ist ein Plätzchen frei in der Tap Room Bar der „Berliner Berg Brauerei“

In Bayern würde man  „Boazn“ dazu sagen, irische Boazn. Über 30 Fassbiere und unzählige Flaschenbiere haben Benjamin und Rouven Fisher in ihrem Castle Pub am Gesundbrunnen im Wedding am Start; und mit der „Two Fellas Brewery“ jetzt auch eine eigene Hausbrauerei. Mittleres Preisniveau, Hochstraße 2

David Spengler, Tom Crozier und Matt Walthall fanden deutsches Bier langweilig. Also beschlossen die drei amerikanischen Bandkumpels 2013 selbst loszulegen: Keiner war Brauer, keiner hatte wirklich Ahnung. Aber Ihr Taproom im Weddinger Wohngebiet ist stets gut besucht. Zu Recht! Mittleres Preisniveau, Antwerpener Straße 3

Lecker Wurst, Käse und mehr im "Meisterstück"

Ganz und gar nicht vegan: Wurst, Käse und mehr im „Meisterstück“

Bierseelig: Ohrensessel und Omasofas

Eines der Wohnzimmer der Berliner Craft-Beer-Community: mit Ohrensesseln und Omasofas und einer sehr interessanten, sehr breitgefächerten Bierauswahl – wie der Name schon sagt. Und manchmal gibt es auch Live-Musik, DJs oder Spieleabende in kleiner Runde. Mittleres Preisniveau, Neue Bahnhof Straße 23

Im Kreuzberger Hopfenreich führt mit Erin Bafigo eine Frau mit Geschmack das Zapfhahnzepter: famose, ständig überraschende Bierpalette. Und weil Erin auch für den jüngsten Ableger, die IPA-Bar (über 100 verschiedene IPAs) verantwortlich zeichnet, muss man da auch unbedingt hin. Mittleres Preisniveau, Sorauer Straße 31

Craft Beer Berlin 2016

„Hopfenreich“: Überrascht mit ständig neuer Bier-Palette

Auf den ersten Blick eine klassische American Bar im Kreuzberger Souterrain. Auf den zweiten Blick (in die Karte) ein seltener Hort von Craft-Beer-Großflaschen wie dem gemeinsamen Champagnerbier „Infinium“ der Boston Beer Company und der angeblich ältesten Brauerei der Welt: Weihenstephan. Mittleres Preisniveau, Skalitzerstraße 51

Unprätentiöse Craft Beer Bar in Moabit, die vielen Lokalmatadoren eine Bühne bietet wie dem „Brewbaker“ Michael Schwab. Backsteinwände, ein Kicker, kaum Fenster: konzentrierte Genießerstimmung. Mittleres Preisniveau, Zwinglistraße 7

Craft Beer Berlin 2016

„Louis Pretty“: Die Ochsenbrust für das Pastrami-Sandwich wird vier Wochen lang gepökelt

Auf Wunsch: Vom Fass in die Flasche

Direkt nach dem Ende seines Studiums gründete der Belgier Jeroen Bosch in Prenzlauer Berg die Bierlinie, weil er seine Heimatbiere so vermisste. Das war 1991, Ewigkeiten her. Heute importiert die Bierlinie weit über 600 Sorten, nicht nur aus Belgien. Ein Craft-Beer-Füllhorn. Mittleres Preisniveau, Am Borsigturm 100

Growler-Abfüllung mag sozialromantisch sein, aber es hat was. Fast wie früher mit Opa und Enkel. Die Neuseeländer André Gifkins und Robyn Anderson beleben damit seit ein paar Monaten ihren Neuköllner Kiez und füllen Growler und sogar PET-Flaschen mit internationalen Bieren, darunter auch Exoten aus Australien und Norwegen. Das ist preislich interessant und nachhaltig ist es auch. Mittleres Preisniveau, Pflügerstraße 68

"Lager, Lager":

„Lager, Lager“: internationale Biersorten, auch aus Neuseeland und Australien

Der ehemalige Politikwissenschaftler Cihan Caglar ist ein nicht immer gut gelaunter Typ mit einem sehr geilen Laden mitten im Kreuzberger Türkenkiez: über 600 Sorten, erstklassiges Sortiment, Growler-Abfüllung. Tja, man kann nicht alles haben! Mittleres Preisniveau, Oranienstraße 19

Das ziemlich neue American Deli „Louis Pretty“ von Oskar Melzer und den Ardinast-Brüdern ist nach einem jüdischen Gangster benannt und präsentiert sich in knallpink mit hockneyblauen Tischen. Die Ochsenbrust für das Pastrami-Sandwich wird zunächst vier Wochen lang gepökelt, dann geräuchert, gegart und mariniert. Passend dazu gibt es Biere der Brooklyn Brewery. Mittleres Preisniveau, Ritterstraße 2

Craft Beer Berlin 2016

„Louis Pretty“: Die Ochsenbrust für das Pastrami-Sandwich wird vier Wochen lang gepökelt

 

Badeanzüge und Bier

2012, und damit ziemlich früh, hat sich das „Meisterstück“ nahe dem Gendarmenmarkt auf Wurst, Brot und Bier spezialisiert. Sehr witziges alpin-verkitschtes Interieur, ruhiger Innenhof bis 6 Uhr früh. Vor allem aber eine erstklassige Bratwurstauswahl über offenem Buchenholzfeuer (auch zum Mitnehmen) und wirkliche Craft-Beer-Pretiosen. Der Service? Schweigen! Gehobenes Preisniveau, Hausvogteiplatz 3 bis 4

The Pier – Badeanzüge & Bier

Des Franken Holger Grolls „The Pier“ in Mitte nennt sich im Untertitel „Badeanzüge & Bier“. Ein Coney-Island-Traum in einem ehemaligen Postamt. Tagsüber Deli, ab 17 Uhr Craft Beer Bar. Mittleres Preisniveau, Invalidenstraße 30

Küchenchef Marcus Zimmer und Barmanager Christian Gentemann heben in Charlottenburg deutsches Craft Beer in den Genießerhimmel. Mal zu kulinarischen Miniaturen wie der Eisbeinkrokette oder dem Steinplatz-Kebap aus Roastbeef, mal zu abendfüllenden Gourmetmenüs. Die beiden haben sich gefunden. Gehobenes Preisniveau, Steinplatz 4

"Hotel am Steinnplatz":

„Hotel am Steinnplatz“: Gourmet-Küche trifft auf Craft Beer

Frisches Bier zu frischem Fisch? Ja!

Wer, wie Victoria Eliasdóttir, einen weltberühmten Künstler wie Ólafur Elíasson zum Halbbruder hat und bei Alice Waters im „Chez Panisse“ in Berkeley und Alex Atala im „D.O.M.“ in São Paulo gelernt hat, bekommt auch von Berlin kein Herzrasen mehr. Kühle, filigrane, nordische Küche der erst 27-Jährigen in Mitte mit viel Fisch. Gehobenes Preisniveau, Mittelstraße 41

Die beiden Holländer Lode van Zuylen und Stijn Remi waren ein Jahrzehnt in der kulinarischen Weltgeschichte unterwegs, bis sie sich in Berlin trafen und nun in Kreuzberg ihren Restauranttraum leben: anspruchsvolles, schnörkelloses, ja geradezu liebevolles Essen (sensationelles Sauerteigbrot). Gerne kombiniert mit belgischen Bierschätzen wie dem Saison Dupont. Mitte September erstmals „Sauerbier Sunday“. Wird’s ein Erfolg, dann öfter. Gehobenes Preisniveau, Lausitzer Straße 25

"Dottor": Und nach dem Fisch – dänische Käseplatte

„Dottor“: nach dem Fisch gibt’s dänische Käseplatte

Gemüse vom eigenen Acker

„Brutal lokales“ Kreuzberger Sternerestaurant des Kult-Sommeliers Billy Wagner, der beim Bier schon mal über die Berliner Grenzen hinausgeht und Perlen wie die Tettnanger Hopfengut-Biere präsentiert. Gehobenes Preisniveau, Friedrichstraße 218

Wirklich moderne deutsche Küche und intelligent interpretierte Klassiker von Michael Köhle und Christoph Hauser in Kreuzberg: Gemüse vom eigenen Acker, Gustostücke vom ganzen Tier (nicht nur Innereien). Und dazu natürlich Bier. Gehobenes Preisniveau, Fichtestraße 31

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„Herz und Niere“: Michael Köhle und Christoph Hauser

Vild und Wegetarisch

Wild als Burger, Wild als Wurst, Wild sous-vide gegart. Und vegetarisch das Beste aus Wald und Wiese (und von der Alm). Das ist weit mehr als Fast Food. Und eine schöne Location ist der Wild-Grill in Prenzlauer Berg auch. Mittleres Preisniveau, Kollwitzstrasse 87

Zu krumme Gurken, altes Brot, Weinflaschen mit schiefem Etikett: eigentlich Wegwerfware. Doch der junge Koch Daniel Roick, der aus der Sternegastronomie kommt, macht daraus geniale Menüs – täglich neu. Restlos Glücklich ist ein Non-Profit-Restaurant in Neukölln, ein soziales Projekt, eine mutige Idee. Und es gibt dort die superleckere Potsdamer Stange der Bio-Braumanufaktur Potsdam. Mittleres Preisniveau, Kienitzer Straße 22

 

Info

Hotel-Tipps

Schick, schlicht, angenehm: Biohotel mit Vegi-Küche und teils kernigem Mobiliar in Friedrichshain. Vielfältige Zimmerauswahl bis hin zur Penthouse-Suite. Spa über den Dächern Berlins. DZ ab 90 Euro, Boxhagener Straße 83

 

Sehr schönes Hotel in Charlottenburg; aus der Autograph Collection von Marriott. In einem Jugendstilbau von August Endell, der auch die Hackeschen Höfe schuf. Angenehme Zimmer, lauschiger Innenhof, ein Spa mit Blick bis zum Teufelsberg. Tolle Bar und Gourmetmenüs mit Craft-Beer-Begleitung. DZ ab 175 Euro, Steinplatz 4

Web-Tipp


 

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Über diesen Autor

Frank Schoch

Frank Schoch

Stolzer Niederbayer, der seit zwei Jahrzehnten in München lebt. Hat schon in der Schule seine erste Zeitung gegründet. War später Radiojournalist und Marineoffizier (die Seemeilen reichen locker für eine Erdumrundung), dann Touristiker und Marketingmensch. Schreibt seit 15 Jahren über Hotels und Kreuzfahrtschiffe, Köche und Kuriositäten. Mag keine Hitze, aber Skifahren, Eishockey – und die Wüste. Liebt seine Familie, seine Podenco-Hunde, den Wald, New York und asiatische Küche. Würde gerne so schreiben wie Ford, so bauen wie Piano, so singen wie Plant und so kochen wie César Ramirez. Hat schon vor über 20 Jahren seine Diplomarbeit über Bier geschrieben – und ist dabei geblieben.

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