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Harmony G | Kreuzfahrt reloaded

Peggy Günther
Geschrieben von Peggy Günther

Gegessen wird an Land statt auf dem Schiff und die Ausflüge sind auch alles andere als von der Stange: Intrepid, weltgrößtes Unternehmen für Erlebnis­reisen, geht auch auf dem Wasser neue Wege. Wie viel Abenteuer tatsächlich in der angekündigten  Adventure Cruise steckt, testete unsere Autorin auf der „Harmony G“

Junge Gesichter lachen von der Intrepid-Website, der potenzielle Kunde wird geduzt. „Als Alleinreisender teilst du dir die Unterkunft mit einer Person gleichen Geschlechts.“ Das wäre für mich eine innovative Premiere. Das durchschnittliche Kreuzfahreralter liegt bei knapp 60 Jahren. Ob man in diesem Alter wirklich noch seine Kabine teilen möchte? Oder werden die Passagiere der „Adventure Cruise“ tatsächlich jünger sein? Und was bedeutet in diesem Fall eigentlich „Adventure“?

Adventure Cruise nach australischer Art: die "Harmony G" ist etwas für jüngere und abenteuerorientierte Zielgruppen

Die „Harmony G“ ist ein kleines, feines Schiff. Entertainment steht nicht im Vordergrund

Gemeinsam mit Heidi und Phil aus Utah suche ich im Hafen von Málaga zwischen großen Cruiselinern die griechische Jacht für maximal 42 Passagiere. Die beiden Mittzwanziger reisen mit Trekkingrucksäcken und sagen: „Auf unserer ersten Kreuzfahrt könnten wir niemals auf ein großes Schiff gehen.“ Aber mit dem australischen Veranstalter Intrepid haben sie bisher nur gute Erfahrungen gemacht.

Geht die Landphilosophie auch auf dem Wasser?

Authentische Erlebnisse in nachhaltig reisenden Kleingruppen – so lautet das Ziel des weltgrößten „Adventure Travel“-Unternehmens. Das Abenteuer besteht darin, auf Vollpension zu verzichten, möglichst oft die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen und in kleinen Herbergen oder sogar bei Privatfamilien zu schlafen. Auf ihrem Weg begleiten Tourleader die Kleingruppen, wobei ihre Aufgabe mehr organisatorischer Natur ist.

Jetzt soll die Firmenphilosophie auch aufs Wasser übertragen werden. „Adventure Cruising“ heißt der jüngste Coup des Unternehmens, das mit diesem Angebot auch mehr Urlauber aus Europa ansprechen möchte. Das Prinzip der kleinen Gruppen greift hier ebenfalls: Intrepid chartert Schiffe für maximal 50 Passagiere und bietet im Gegensatz zu allen anderen Kreuzfahrtveranstaltern keine Vollverpflegung an Bord an. Die Gäste sollen in den Destina­tio­nen essen, auch das ist, so Intrepid, eine Form der Nachhaltigkeit.

Der „Harmony G“-Törn ist Abenteuer light

Der Salon an Bord füllt sich lang­sam. Eine Kabine muss sich niemand teilen, obwohl das sicherlich spannend geworden wäre. Es gibt überdurchschnittlich viele alleinreisende Frauen. Eine 33-jährige Mexikanerin feiert gleich drei Premieren: Sie reist zum ersten Mal alleine, in Europa und auf einem Schiff. Und eine 44-jährige frisch geschiedene Australierin bezwingt ihre Angst vor der Schiffsbewegung, um eine neue Erfahrung zu machen. Für sie ist der Trip vermutlich wirklich ein Abenteuer.

Keep smiling: Auf der Harmony G fällt das nicht schwer

Das Alter der Passagiere auf der Harmony G ist deutlich niedriger als auf anderen Kreuzfahrtschiffen

Objektiv betrachtet ist jedoch auch die sogenannte Adventure Cruise von Intrepid eine sehr behütete Reiseform. Die Passagiere sind in fast allen Häfen mit eigenem Reisebus unterwegs, der an Land parallel zum Schiff mitfährt. Und bevor sie sich in einer Stadt alleine auf die Jagd nach ihrem Mittagessen machen, bieten die Tourleader einen „Orientation Walk“ an.

Nachhaltigkeit als Leitmotiv

„Bitte denkt daran: Wir sind ein nachhaltiges Reiseunternehmen. Kauft eure Souvenirs bei kleinen lokalen Shops und nicht bei großen Ketten“, erinnert Tourleaderin Fatima ihre Gäste, bevor sie sich in alle Richtungen zerstreuen. Als die vom Veranstalter gestellte Aluminium-Wasserflasche leer ist, beschleicht mich ein schlechtes Gewissen, während ich sie mit dem Inhalt einer Plastikflasche wieder auffülle. Plastikmüll zu vermeiden gehört ebenso zu den Intrepid-Prinzipien wie eine 100-prozentige Klimakompensation aller Reisen und auch der Büros an Land.

Cheers: Cocktails fallen auf der Harmony G-Tour eher in die Rubrik "leichte Abenteuer"

Eine Mahlzeit am Tag wird an Land – und nicht auf dem Schiff – genossen

Und während große Schiffe ihre Vorräte per Lkw an die Pier liefern lassen, kauft Hotelmanager Yannis die Lebensmittel für die „Harmony G“ frisch im Hafen. Bei 22 Passagieren und 17 Crewmitgliedern schafft er das gerade noch selbst. Das langfristige Ziel ist der Bau von eigenen Schiffen, die erneuerbare Energien wie beispielsweise Solarkraft nutzen.

Ziele aus der zweiten Reihe

Nachhaltigkeit beinhaltet auch die Suche nach Zie­len abseits vom Kreuzfahrtrummel. Von Huelva aus begeben sich die Passagiere auf die Spuren von Christoph Kolumbus. Das Kloster Santa Clara in Moguer öffnet exklusiv für Intrepid seine Türen. Hier bat der Seefahrer vor der Entdeckung Amerikas einst um Bei­stand. Gebannt lauschen die Gäste dem Klostervorsteher im Originalambiente der Küche, wie sie schon 1492 existierte, und staunen in der Kirche über das weltälteste Chorgestühl. Danach klettern sie am „Kai der Karavellen“ in Palos auf die 1:1-Nachbauten der drei erstaunlich kleinen Schiffe, mit denen Kolumbus aufbrach, um den Seeweg nach Indien zu finden.

Schließlich wird es auch für die Intrepid-Gäste noch abenteuerlich. Das Mittelmeer zeigt sich von seiner rauen Seite. Das Schiff tanzt vor der Hafeneinfahrt von Marbella auf den Wellen, es ist unmöglich, uns Ausflügler wie geplant mit dem Beiboot überzusetzen. Nach einigen Gesprächen bekommt Kapitän Nikolaos Karagiannis doch noch die Erlaubnis, zumindest für eine Viertelstunde anzulegen. Geschickt manövriert er das Heck des Schiffes zwischen die Superjachten der Reichen und Schönen, denen sie erstaunlich ähnlich sieht. Neugierige Blicke von der Pier verfolgen das aufgeregte Wiedersehen. Und während die Intrepid-Passagiere „ihr“ Schiff zurückerobern, dürfen auch sie sich für wenige Augenblicke wie Millionäre fühlen.

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Info „Harmony G“

Die achttägige, von Málaga über Marokko nach Lissabon führende Kreuzfahrt auf der „Harmony G“ kostet ohne An- und Abreise ab 2.359 Euro pro Person.


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Über diesen Autor

Peggy Günther

Peggy Günther

Am Rhein großgeworden, am Aasee studiert, aber erst an der Elbe kam die Faszination für kleine und große Schiffe. Seit zehn Jahren am liebsten auf dem Wasser unterwegs – vom Hausboot über den Segler bis hin zum größten Kreuzfahrtschiff der Welt. Und nach mehr als 100 Schiffen und fünf Jahren Selbstständigkeit ist sie überzeugt: Es gibt für jeden das richtige Schiff und Seekrankheit ist Kopfsache – Tipps zu beiden Themen sind in ihrem Buch „Kreuzfahrt-Knigge für die Frau von Welt“ zu finden. Ansonsten liest man sie in vielen verschiedenen Medien – von der Fachzeitschrift für Kreuzfahrtliebhaber bis zur FAZ.