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Hotel-Check | Nassauer Hof

Christian Haas
Geschrieben von Christian Haas

Der Nassauer Hof im Zentrum Wiesbadens lebt von seiner ehrwürdigen, über 200-jährigen Geschichte. Aber reicht das, um auch im 21. Jahrhundert gefragt zu sein?

Diese Gästeliste ist schwer zu toppen: John F. Kennedy war schon da, Kaiser Wilhelm II., Pavarotti, Hepburn, Putin, Messner, der Dalai Lama und quasi alle deutschen Bundeskanzler und Bundespräsidenten, Merkel inklusive. Fjodor Dostojewski ließ sich hier zu seinem Roman „Der Spieler“ inspirieren und Curd Jürgens verlegte zeitweise gar seinen Wohnsitz in das wuchtige Gebäude am Kaiser-Friedrich-Platz. Kurz: Seit mehr als 200 Jahren ist der „Nassauer Hof“ eine geschätzte Herberge bei Adel, Politik und sonstiger Prominenz, eine Institution, die weit über die Grenzen Wiesbadens Bekanntheit genießt.

Nicht zuletzt aufgrund seiner Lage. Aus den ostseitig gelegenen Zimmern sowie der als Hauptrestaurant und Frühstücksraum dienenden Orangerie mit Sonnenterrasse blicken Gäste auf Staatsthea­ter, Spielcasino und Kurhaus. Auf dem Bowling Green dazwischen haben schon Sting und Elton John Tausenden Fans eingeheizt. In Laufnähe befinden sich der hessische Landtag und die Fußgängerzone, in S-Bahn-Nähe die Finanzhochburg Frankfurt. Aber klar, eine wichtigere Rolle spielt(e) das in allen Belangen exzellente Angebot samt Top-Service. Nicht zufällig wurde das Grandhotel als zweites deutsches Mitglied bei den „Leading Hotels of the World“ und 2005 als erstes Hotel in die Klasse „Fünf Sterne Superior“ der Deutschen Hotelklassifizierung aufgenommen. Einmalig sind zudem der Rooftop-Pool mit Thermalwasser und das Restaurant „Ente“, das seit 1980 durchgehend mit einem Michelin-Stern geehrt wird.

Light Lunch mit Blick über Wiesbaden

„Charakterstück“ ist demzufolge auch ein zentraler Begriff des Hotels, „Wertschätzung“ und „Leidenschaft“ sind wei­­tere Leitmotive. Also kein herrisches Gehabe der Hotelleitung und Fokussieren auf Bling­-Bling, das manch einer vielleicht mit einem Grandhotel assoziiert. Im Gegenteil. Die Angestellten, darunter überdurchschnittlich viele Auszubildende, sollen sich wohlfühlen. Dabei soll ein eigener Facebook-Kanal für die Mitarbeiter helfen und erst recht der auf Vertrauen basierende Umgang auf Augenhöhe.

Das ist nicht nur als Gast spür-, sondern auch messbar: Laut anonymer Umfrage eines externen Instituts geben 93 Prozent des Personals an, ihren Job hier gern oder gar sehr gern zu machen. Dabei lockt derzeit gerade für die junge Generation viel Arbeitgeberkonkurrenz, insbesondere schicke Designhotels und auf lässig getrimmte Ver­treter wie „25hours Hotels“ und Co.

Softes Facelift statt harter Eingriff

Damit hat der 1813 eröffnete „Nassauer Hof“ so gar nichts zu tun. Das merkt man gleich, wenn man den livrierten Doorman und die Auslagen mit teuren Uhren in der verwinkelten Lobby passiert hat und mit dem gläsernen Fahrstuhl durch das XL-Treppenhaus emporgeschwebt ist. Breite Flure, alte Stiche an den Wänden, Tageszeitungstaschen an den Zimmer­türen, die noch über analoge Schließanlagen verfügen. Ähnlich nostalgisch geht es dahinter zu: hohe Räume mit Teppichen, bodenlangen Vorhängen und Sofas, die auch in Loriot-Filmen eine gute Figur machen würden. Wo Hipster ob so viel Klassik-Kult die Nase rümpfen, jubilieren Nostalgiker mit Hang zur Tradition und Etikette. Patina ohne Staub – das hat was, hat es aber auch schwer in Zeiten eines leichten Wahns zum Jugendlich-Coolen. Die entscheidende Frage also lautet: Wie stark darf man in den natürlichen Alterungsprozess eines Hotels eingreifen?

Statt einer radikalen Verjüngungskur wählte das Anfang 2017 bis Mitte 2018 aktive Hotelierspaar Constantin und Julia von Deines ein abgesoftetes Facelift, bei dem die Falten der Grande Dame nicht weggespritzt, sondern höchstens leicht geglättet werden sollen. Übersetzt: Nicht gleich alles niederdigitalisieren, sondern sorgsam vorgehen, etwa mit Tablets auf den Zimmern, die unter anderem auf Spa-Angebote samt der auf Kaviar basierenden Kosmetiklinie Zwyer hinweisen. Auch der anvisierte Umbau wird achtsam angegangen, wenn ein Teil der 159 Zimmer in Residenzen umgewandelt wird. Was aber bleiben soll, ist die Atmosphäre, die für den Hotelbeinamen „Wohnzim­mer Wiesbadens“ sorgte. Neben Gästen aus aller Welt kommen nämlich auch überdurchschnittlich viele Besucher aus der Umgebung. Allen voran wegen des Spas und einzigen Rooftop-Pools Deutschlands mit Thermalwasser – einer der größten Coups des bis Ende 2015 und damit fast vier Jahrzehnte agieren­den Hoteldirektors Karl Nüser. Damit es im Pool, auf der Dachterrasse im fünften Stock, sowie im Gym und Saunabereich nicht zu voll wird, gibt es eine Deckelung bei 220 Club-Mitgliedern. So ist auch Hotelgästen stets genügend Platz im Becken und auf den Liegen des Physiotherapeutenteams garantiert.

Playboy-Hase im Enten-Gemälde

Um einen Platz in der „Ente“ zu bekommen, sollte man reservieren. Es wäre ja ein Jammer, die von Michael Kammermeier kreierten Spezialitäten zu verpassen. Wer das Überraschungsmenü wählt, erfährt tatsächlich ein Highlight nach dem anderen: Entenleber, Rochenflügel, Hummer. Das aus über 1.800 Positionen bestehende Weinsortiment tut sein Übriges dazu. Witzig: In dem harmlos aussehenden Decken­gemälde versteckt sich neben den Enten auch ein Playboy-Hase!

In der „Ente“ wur­de eben schon ordentlich gefeiert, unter anderem fanden Partys des Herrenmagazins statt. Nicht sel­ten zog es die Gesellschaft dann noch nach nebenan, in Wiesbadens einzige Zigarren-Bar mit Kamin und Klaviermusik. Constantin von Deines schwärmt: „Hier geht manchmal richtig der Punk ab, bis spät in die Nacht!“ Auch mit 205 Jahren kann man eben noch voller Leben stecken.

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Preise ab 260 Euro pro Zimmer ohne Frühstück (32 Euro extra), Infos unter und bei

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Über diesen Autor

Christian Haas

Christian Haas

Christian Haas – Jahrgang 1974, Wirkungsstätte München – liebt seit jeher die Kombination Reisen und Schreiben. Naheliegende Konsequenz: Studium der Geographie und Kommunikationswissenschaften in Eichstätt und München. Diplomarbeit in Venezuela, Nationalparkpraktikum in Puerto Rico, Redakteursanstellung in München. Seit 2002 als Reisejournalist und Autor selbstständig, Schwerpunkt Outdoor, Familie, Kurioses. Seit 2013 gehört Christian Haas zum Redaktionsteam von gambleinfo.

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