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Hotel-Check | Ansitz zum Löwen

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Am Dorfplatz von Burgeis im Vinschgau steht das traditionsreiche Hotel „Weisses Kreuz“. Vis-à-vis hat die Gastgeberfamilie Theiner aus einem Bau-Ensemble aus vergangenen Jahrhunderten ein architektonisches Schmuckstück geschaffen, den „Ansitz zum Löwen“

Recht weit hinten im schönen Südtiroler Vinschgau liegt am Oberlauf der Etsch und nahe dem Reschen­see der liebenswerte 850-Einwohner-Ort Burgeis, überragt vom Kloster Marienberg mit seinen bedeutenden Fresken. Nur wenige Fahrminuten entfernt, warten Waalwege auf Wanderer und das Schloss Churburg bei Schluderns auf Geschichtsinte­res­sierte. Verwinkelt ist Burgeis, bäuerlich geprägt und mit eigener Käserei.

Mittendrin thront das Hotel „Weisses Kreuz“ mit Baukörpern aus verschiedenen Epochen und seit 1871 im Besitz der Familie Theiner. Dort können wir den minimalistischen Anbau mit Panoramasuiten empfehlen, von denen der Blick auf Kloster, Berge und die Poolterrasse reicht. Doch der historische „Ansitz zum Löwen“ auf der anderen Seite des Dorfplatzes hat es uns beim Besuch besonders angetan …

Tradition und Moderne in harmonischem Zusammenspiel

Was ist das Besondere am Ansitz?

Die ebenso kreative wie behutsame Metamorphose zweier bis zu 800 Jahre alter, denkmalgeschützter Gebäude mit hypermodernem Annex. Familie Theiner hat zusammen mit den Architekten Elke Ladurner und Stefan Marx aus Schlanders eine Design-Preziose geschaffen. Lang standen die zwei Häuser leer, bis 2011 die aufwendigen Restaurierungsarbei­ten begannen.

Das gotische Pfisterhaus und den Renaissancebau des späteren Löwenwirts aus dem 16. Jahrhundert, der Händlern aus Venedig als Warenlager gedient hatte, verbindet ein massiver Sichtbetonblock rund um den Aufzugschacht. Ein ebenso brachialer wie gelungener Kontrast zum Kreuzgewölbe, alten Täfelungen, Böden und kunstvollen Holzdecken. Der Betonblock steht losgelöst im Bau, hält respektvoll Abstand zur alten Hauswand.

Die Bäder der historischen Suiten sind mit Mar­tell­taler Granit, Sarner Porphyr oder tiefschwarzem Mar­mor ausgekleidet. Im Erdgeschoss hat links vom gewölbten Mittelgang das Tourismusbüro seinen Sitz, gegenüber die kleine „Dorf-Bar“. Vor der kann man vortrefflich bei einem Glas Wein sitzen, in die Sonne blinzeln und dem Treiben rund um den Sankt-Michael-Brunnen zusehen.

Bei schönem Wetter sitzt man vor der Dorfbar des „Ansitz“ in der ersten Reihe

So schläft und wohnt man

Wer sich in den Suiten Fontauna, Pfistersuite oder Clavá einbucht (letztere in der 800 Jahre alten, go­ti­schen Stube, das Bad in der rußschwarzen früheren Rauchkuchl), wohnt in knarzigem, schief getäfeltem und unvergleichlich gemütlichen Ambiente. Mächtige Dielen, kunstvolle Kassettendecken, alte Wand­ver­täfe­lungen – dahinter und darunter versteckt sich modernste Technik.

Reduzierter Chic hinter denkmalgeschützten Mauern

Das Kontrastprogramm?

Die Arunda-Panoramasuiten im neuen Holzanbau des „Weissen Kreuz“ bieten auf 42 Quadratmetern reduzierten Schick mit viel Holz, große Balkone und Duschen.

Geschmackssache

Dass man in Südtirol gut isst, ist kein Geheimnis. Was das Team des jungen Küchenchefs Marc Bernhart, des Lebenspartners von Hotelchefin Mara Theiner, aus der Pfanne zaubert, bestätigt dieses Positilischee. Die Küche ist nicht bodenständig, bewahrt aber die Bodenhaftung. Die Bandbreite reicht weit über Schlutzkrapfen und Südtiroler Klassiker wie selbst geräucherten Speck hinaus. Auch Currys, Wag­yu aus eigener Zucht und Adlerfisch sind zu finden. Gäste mit Halbpension dürfen sich auf liebevolle Küche freuen, zu der man sich am besten aus der Weinkarte vom kundigen, freundlichen Personal die passenden Tropfen empfehlen lässt.

Was uns ausgesprochen gut gefällt

Die zauberhaften und einzigartigen Suiten im Ansitz und der weite Bergblick von der Panorama-Terrasse des „Weissen Kreuz“ bis zum Ortler.

Ideal für …

Paare, wegen der Lage auch für Mountainbiker und Wanderer. Familien, aufgepasst: Kinder sind erst ab zwölf Jahre im „Weissen Kreuz“ willkommen.
Sauna, Pool, Spa

Im Erdgeschoss des „Weissen Kreuz“ wartet ein stilvoller Wellnessbereich mit Zirben-Bio-Sauna (60 Grad), Dampfbad, Finnischer Sauna, heißem Outdoor-Whirlpool, Innen-/Außenpool. Dazu: Spa-Angebot von Maniküre über Schröpfen bis Honigmassage

Wer die Suite Clavá im „Ansitz“ bucht, hat sein Bad in der rußschwarzen früheren Rauchkuchl

Der kleine Haken?

Als sensorisches Tüpfelchen auf dem i gibt es eine Brise Kuhstallduft aus der Nachbarschaft. Das gehört zu einem Dorf, auch wenn der eine oder andere Gast die Nase rümpfen mag.

Die Preisfrage

Mit Glück bekommt man sieben Tage Halbpension in der „Ansitz“-Suite Clavá als Last-minute-Package für 1.280 Euro, eine Nacht in der Arunda-Panoramasuite mit Halbpension für zwei Personen ab 250 Euro.

Gut 800 Jahre hat der „Ansitz zum Löwen“ bereits auf dem Buckel

Raus! Vinschgau erleben!

Der , eine der sonnenscheinreichsten Regionen Europas (300 Sonnentag pro Jahr) ist immer ein lohnendes Ziel. Mit der Vinschgau Card und Bussen ist man ohne Auto mobil.

Familientipp: Nach Schluderns, um dort auf der sieben Kilometer langen Runde über den Leitenwaal und den Bergwaal zu wandern und sich das Schloss Churburg mit seiner gigantischen Sammlung an Ritterrüstungen und herrlichen Fresken anzusehen.

Sportliche nehmen den 108 Kilometer langen Vinschgauer Höhenweg in Angriff, Bergsteiger zieht es ins Ortler-Gebiet und Biker auf Montesole Trail und Holy Hansen Trail.


Info


Burgeis/Mals im Vinschgau

 

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Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „gambleinfo“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.