Länderberichte

Griechenland | Sieben Inseltipps

Klaus Bötig
Geschrieben von Klaus Bötig

Zeit für Sommergefühle: Ab in den Süden! Griechenland-Kenner Klaus Bötig verrät Inseln mit dem gewissen Etwas: Chios, Delos, Kastellorizo, Korfu, Lefkas, Nisyros und Poros

In den Kafenia am Dorfplatz von Pyrgi schlürfen die Bauern und Rentner den Mokka inmitten purer Geometrie: Dreiecke, Rhomben, Rechtecke und Ellipsen zieren alle Gebäudefassaden. Fleißige Hände haben sie erst grau, dann weiß gestrichen und schließlich aus dem weißen Putz die Muster ausgekratzt. Die Technik haben die Chioten vor über 500 Jahren von den Genuesern erlernt.

Dafür haben die einen Sohn des Dorfes mit nach Genua genommen: Christoph Columbus. Seinem angeblichen Geburtshaus gegenüber sitzen alte Leute und reinigen die Harztränen des Mastix-Baums. Die haben Pyrgi und anderen Dörfer im Süden von ihr mittelalterliches Gepräge bewahrt.

Als die Truppen des Sultans im 19. Jahrhundert auf der Insel wüteten, blieben die Mastix produzierenden Orte unversehrt. Mastix war der Kaugummi seiner Haremsdamen – und die wollte er nicht verärgern.

 

Kastellorizo: Der ferne Osten

Das Eiland mit 400 Bewohnern versteckt sich 130 Kilometer östlich von Rhodos vor der Küste des türkischen Ferienorts Kas. Reize: Ein historisches Städtchen mit Minarett, Burg und stattlichen Häusern für einstmals 14.000 Insulaner, dazu Einsamkeit und ein faszinierender Rundblick über einen Archipel von 23 unbewohnten Felsinselchen vor dem über 1.000 Meter hohen Taurus-Gebirge. Da lohnt ein Zwei-Tages-Ausflug vom gänzlich anderen Rhodos. Flüge einmal täglich mit ab Rhodos (einfach ab 44 Euro). Fähren dreimal wöchentlich ab Rhodos (ab 22 Euro), einmal pro Woche ab Piräus (23 Stunden, ab 60 Euro).

Insel Delos: Die antike Großstadt wurde nie überbaut. Ein tolles Ausflugsziel für Mykonosurlauber.

Insel Delos: Die antike Großstadt wurde nie überbaut. Ein tolles Ausflugsziel für Mykonosurlauber.

Delos: Großstadt in Ruinen

Selbst Ruinenmuffel werden begeistert sein! Heute lebt nur noch eine Handvoll Museumswärter auf dem Felseiland bei Mykonos, aber vor 2.000 Jahren stand dort eine Großstadt. Sie wurde nie überbaut, sodass Archäologen ungehindert graben können. Sie legten Häuser und Paläste, Bordelle und ein Theater frei, dazu Marktplätze und enge Gassen, Tempel und Heiligtümer.

Übernachten kann man auf der nicht, doch gern zweimal kommen. Dann reicht die Zeit, alles zu sehen und auch den 104 Meter hohen Inselgipfel zu erklimmen. Täglich Bootsverbindung mit Mykonos, im Sommer ab Paros und Naxos

 

Insel Korfu: Blick über die Agni Bay, der Strand ist auf weiten Strecken schmal und kieselig.

Insel Korfu: Blick über die Agni Bay, der Strand ist auf weiten Strecken schmal und kieselig.

Korfu: Durch den Zauberwald

Die Olivenbäume zwischen Pentati und dem Korrission-See an der Westküste von bilden einen Zauberwald, durch den sich nahe des Meeres eine Straße schlängelt. Knorrige Stämme erinnern an Greisengesichter und nur wenige Sonnenstrahlen dringen durchs Geäst.

Hungrige Griechenland-Reisende steuern am Ende der Tour am besten den paradiesischen Garten der Taverne „Alonaki“ an (vermietet auch Zimmer, Website aber nur auf Griechisch) – wegen der leckersten Kohlrouladen (sieben Euro) in ganz Griechenland und der korfiotischen Fischsuppe „Bourdetto“ (40 Euro für zwei bis drei Personen).

Lefkas: Porto Katsiki gilt als einer der schönsten Strände des Landes und liegt knapp 40 km von Lefkada-Stadt.

Lefkas: Porto Katsiki gilt als einer der schönsten Strände des Landes und liegt knapp 40 km von Lefkada-Stadt.

Lefkas: Schnell erreicht

Mit Auto, Motorrad oder Wohnmobil unterwegs? Dann ist Lefkas das ideale Inselziel. Eine Brücke führt vom Festland hinüber, Fahrten auf Fähren bleiben den Gästen erspart. bietet alles, was für eine griechische Insel typisch ist: Stille Bergdörfer und traumhafte Strände, eine urgriechische Stadt mit über 100 Cafés und Tavernen, über 1.000 Meter hohe Berge, Klöster, weiße Steilküsten, Rebgärten und Olivenhaine – und noch einen Wasserfall bei Nydri, unter dem man baden kann. Kitesurfer bleiben am Milos Beach, Windsurfer tummeln sich eher an der Bucht von Vassiliki.

Nisyros: Leben auf dem Vulkan

Die Insel südlich von Kos ist ein Vulkan. Vom Meer steigen die grünen Hänge bis auf 900 Meter Höhe an. An der Küste liegen zwei Dörfer, auf dem Kraterrand stehen zwei weitere. Von dort blickt man auf der einen Seite auf die Ägäis, auf der anderen Seite in eine riesige Caldera.

Der Hafenort Mandraki wartet – wie aus einem Griechenland Werbespot – mit Tavernen unter alten Ficus-Bäumen auf, Emporio am Kraterrand mit einer Natursauna in einer Felsgrotte – und baden kann man im Küstenort Pali. Touristen kommen als Tagesausflügler von Kos nach – doch das Bleiben lohnt. Vor allem, wenn man im Hotel „“ mit kleinem Pool in Mandraki Quartier bezieht. DZ ab 45 Euro.

Insel Poros: Nur 300 Meter Wasser trennen die Insel von den Zitronenhainen des Peloponnes.

Insel Poros: Nur 300 Meter Wasser trennen die Insel von den Zitronenhainen des Peloponnes.

Poros: Griechenland für unruhige Geister

Langsam durch die Meerenge von Poros zu segeln, das sei so, als erlebe man noch einmal die Freude, den Gebärmutterhals zu passieren – meint Henry Miller im „Koloss von Maroussi“. Nur 300 Meter breit, trennt die Enge die Insel von den Zitronenhainen des Peloponnes. Personenfähren pendeln rund um die Uhr hin und her.

Wer sich einen Mietwagen nimmt, kann in Tagesausflügen auf dem Festland historische Stätten wie Mykene, Tiryns, Korinth und Nauplia besuchen oder über die Lava-Felder von Methana wandern, per Linienschiff nach Athen aufbrechen – und in den Cafés an der Uferpromenade Inselatmosphäre genießen. Das ist Griechenland vom Feinsten.


Reise-Check

  • Die griechischen Inseln empfehlen sich hauptsächlich in den Sommermonaten als Urlaubsziel. Viele Hotels, Restaurants und Geschäfte haben von November bis April geschlossen.
  • Flug- und Fährverbindungen sind im Herbst und Winter eingeschränkt, außerdem kann das Wetter stürmisch und regnerisch sein. Im Meer baden kann man von Mai bis Oktober, die Wassertemperaturen liegen dann ab 18 Grad aufwärts. Die Tagestemperaturen im Sommer steigen im Schnitt bis auf 30 Grad und es fällt kaum Regen.
  • Die Mehrzahl der Inseln wird im Sommer ab Deutschland angeflogen von Air Berlin, Tuifly, Condor, Germanwings, Ryanair sowie Easyjet und Aegean.
  • Von Athen aus sind zahlreiche Inseln gut mit dem Flugzeug zu erreichen – etwa mit Olympic Air oder mit Aegean Air, auch e. Meist verkehren Fähren. Tickets erhält man bei den Reederei-Agenturen in Hafennähe, nicht an Bord. Fahrpläne je nach Jahreszeit unterschiedlich. Die Schnellfähre von Piräus nach Mykonos etwa kostet 58 Euro einfach, von Santorin nach Kreta 60 Euro.

Sie wollen jeden Monat informative, reich bebilderte Reportagen aus aller Welt lesen und von vielen vor Ort recherchierten Tipps profitieren? Dann  jederzeit kündbares Zeitlos-Abo abschließen, eine ältere   nachbestellen  oder auf dem Tablet-PC lesen

 



Über diesen Autor

Klaus Bötig

Klaus Bötig

Klaus Bötig, zufällig in Bayreuth geboren und in Kassel aufgewachsen, arbeitet seit 1972 als Reisejournalist. Seine Themenschwerpunkte sind seit vielen Jahren Griechenland, Zypern, Malta und Deutschlands Norden von Ostfriesland bis zur Lüneburger Heide. Er ist Mitglied der Vereinigung deutscher Reisejournalisten (VdRJ). Angefangen hat alles während des Studiums der Germanistik und der Politischen Wissenschaften mit einem ersten Reiseführer über Island. Am 24.12.1972 ging es erstmals nach Hellas – daraus wurde eine Dauerbeziehung, aus der über 75 Griechenland-Reiseführer und zahlreiche andere Veröffentlichungen zu Griechenland entstanden sind.

Katalog-Service

Nice 'n' easy

Holen Sie sich für Ihre Reiseplanung die Kataloge renommierter Spezialveranstalter gratis ins Haus