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Last Exit Beijing | Mitten durch Istanbul

Keno Stocks
Geschrieben von Keno Stocks

Keno Stocks ist 20 und damit  jünger als sein Peugeot 106. Mit dem will er von Oberbayern nach China. Allein. Ohne Masterplan. Aber mit viel Abenteuerlust. Wir begleiten ihn auf seinem Road Trip nach Peking. Teil 3 führt ihn durch Istanbul – ein gewagtes Manöver …

Tag 38–40: Frisch gestärkt in die Türkei

Heute habe ich eine Handvoll Studenten kennengelernt, die mich in ein türkisches Café geladen haben, um türkischen Kaffee zu trinken, welcher ja eine besondere Spezialität darstellt. Während in Deutschland, Italien, Amerika und überall sonst auf der Welt Wissenschaftler in Kooperation mit Baristas nach Möglichkeiten geforscht haben, Kaffee und Pulver voneinander zu trennen, haben sich die Türken – wie die Griechen und die Araber –  diese Frage gar nicht erst gestellt.

Willig, den letzten, sandigen Schluck tapfer zu ertragen, haben sie stattdessen frisch koffeiniert das Osmanische Reich aufgebaut. In Ehrung dieser enormen militärischen Siegesreihe und des Getränks, dass dieselbige erst ermöglicht hat, besteht Kaffee in der Türkei also bis heute aus einem kleinen Schluck Kaffee und einem großen Schluck Kaffeepulver, welches man freilich nicht trinkt, sondern auf einen Teller kippt um seine Zukunft darin zu lesen. Mangels Kreativität konnte ich keinen Sinn in meiner erkennen, rosig sieht sie allerdings nicht aus.

Mit dem Auto durch die 14-Millionen-Stadt - eine gute Idee? Noch hat Keno gut lachen …

Mit dem Auto durch die 14-Millionen-Stadt – eine gute Idee? Noch hat Keno gut lachen …

Tag 41: Eines der letzten großen Abenteuer

Es gibt heutzutage keine echten Entdecker mehr. Der Mensch war schon überall und Orte, an denen noch niemand war, zeichnen sich ausschließlich durch völlige geographische, wirtschaftliche und poetische Bedeutungslosigkeit aus. Alles, was ein Reisender heute tun kann, hat ein anderer vor ihm schon mal getan und vermutlich unter widrigeren Bedingungen und erfolgreicher. Wirklich alles? Nein! Ein Projekt steht da noch wie der heilige Gral mit jungfräulich unberührtem Kästchen auf der mittlerweile digitalisierten und in der Cloud gespeicherten To-Do-Liste aller, die sich mit unterschwelliger Arroganz als „Abenteurer“ bezeichnen:

DIE AUTOMOBILE ZENTRALPASSAGE DURCH ISTANBUL

Diese legendäre Route, die Europa auf dem kürzesten Weg, direkt durch die Altstadt Istanbuls mit Asien verbinden soll, existiert seit Jahrzehnten nur in den exzentrischen Gehirnen der verwegensten Kartographen und Navigatoren. Unzählige sind beim Versuch, die „letzte große Expedition der zivilisierten Welt“ (Freizeit-Revue) erfolgreich zu Ende zu führen, gescheitert, darunter große Namen wie Reinhold Messner, Bear Grylls, Lara Croft und Donald Trump. Heute wird es endlich Zeit, auch meinen Namen auf diese Liste illustrer Persönlichkeiten zu setzen. Nicht, weil ich plötzlich Ehrgeiz für irgendwas entwickeln könnte, sondern weil das einzige bezahlbare Hostel Istanbuls mitten in der Altstadt liegt und ich keine Lust habe, mit meinem ganzen Gepäck den Bus zu nehmen.

Wahrzeichen der türkischen Metropole: die Hagia Sophia

Nur was für Touristen, die sich nicht mit dem Auto durch Istanbuls volle Straßen quälen (oder wenn dieses mal geparkt ist): die Hagia Sophia

Tage 1–3 seit Verlassen der Zivilisation
Der epische Pathos obsiegt

In der Metropolregion, noch 15 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt: Wasser- und Benzinverbrauch wie veranschlagt. Täglich, in den frühen Abendstunden, wenn sich der morgendliche Berufsverkehr langsam beruhigt und der abendliche Berufsverkehr gerade erst einsetzt, lichtet sich das Packeis aus weißen Lieferwagen und Luxuslimousinen und ich kann bei günstigem Wind einige Kilometer zurücklegen.

Dann schließt sich der blecherne Panzer wieder hupend und unerbittlich um den Wagen. Doch noch obsiegen Optimismus und Selbstvertrauen über Angst und Ehrfurcht im Angesicht dieses Naturschauspiels und schon greift der epische Pathos dieser Unternehmung so tief in die Wortschatzkiste, dass er bis an so käsig vergilbte Worte wie „obsiegen“ reicht. Und an solche, von denen ich nicht so wirklich weiß, was sie eigentlich bedeuten, wie „episch“ und „Pathos“.

Tage 4–8 seit Verlassen der Zivilisation
Erste Wahnvorstellungen

Noch 6 Kilometer zum Stadtzentrum. Point of no return: Seit der Überquerung der Stadtgrenze und dem Erreichen der riesigen Ampelfelder stagniert unser Vorankommen. Zusätzlich hat sich das Wetter mit Windböen von bis zu 35° C deutlich verschlechtert. Der erste Maat, der mir in meinen Fieberträumen während der Rotphasen erscheint, ist heute mit sorgenvollem Gesicht in meine Kabine gekommen, um mir zu sagen, dass das Futter für die Schlittenhunde aufgebraucht ist. Er fragt, ob sie von den Mannschaftsrationen bekommen sollten …

Tage 9–11 seit Verlassen der Zivilisation
Kurz vor der Meuterei

Immer noch 6 Kilometer zum Stadtzentrum: Die Stimmung unter den Männern droht zu kippen. Zwei Tage sind wir keinen Zentimeter vorwärtsgekommen und das Trinkwasser wird knapp. Immer öfter brechen die Vorderräder durch Gullideckel. Eine kleine Gruppe um Kombüsen-Kurt zweifelt zunehmend offen am Gelingen des Projekts und an meinen Führungsqualitäten.

So frei sind die Istanbuler Straßen selten - also schnell Strecke machen!

So frei sind die Istanbuler Straßen selten – also schnell Strecke machen!

Tag 12 seit Verlassen der Zivilisation
Im Schleichgang

Noch 5 Kilometer zum Stadtzentrum: Die Nahrungsvorräte sind aufgebraucht. Ich hatte gehofft, diese Woche den Parkplatz vor dem türkischen Schnellimbiss zu erreichen, der noch etwa 500 Meter vor uns liegt, aber wir haben wieder kaum Distanz zurückgelegt. Wir werden die Hunde notschlachten müssen. Kombüsen-Kurt hat heute mit dem Vorwurf, es sei Unfug, Schlittenhunde, aber keine Schlitten zu laden, die offene Konfrontation gesucht und gefunden. Was er denn jetzt sonst essen wolle, kam mir Dr. Leighston, der Biologe, noch zu Hilfe.

Mein letzter Tag, mein letzter Döner

Die Meuterei war allerdings unvermeidbar und man hat also heute beschlossen, mich über Bord zu werfen. Der Sturz von der Planke war äußerst dramatisch, wurde von den umstehenden Passanten gedanklich mit einem nervös anschwellenden Streichorchestermotiv unterlegt und war außerdem höchstens 30 Zentimeter tief und somit nicht tödlich, streng genommen nicht einmal unangenehm.

Ich habe dennoch beschlossen zu sterben, höflichkeitshalber, der Mannschaft gegenüber, oder weil das Leben kein Disney-Film ist und wenn doch, bin ich nicht Johnny Depp. Aber erst morgen. Heute wurden schon zu viele life changing experiences gemacht, geshared und geliked, als dass es noch angemessen wäre, den Freitod aus Leutnantsromantik in die späten Abendstunden zu quetschen. Außerdem habe ich Hunger und meine Henkersmahlzeit soll ein Döner sein.

Von türkisch-deutschen Verstimmungen wie in der Politik keine Spur

Angenehm: Es gibt ein Leben nach dem Stau. Auch angenehm: Von türkisch-deutschen Verstimmungen wie in der Politik keine Spur

Mein wirklich allerletzter Tag,
mein wirklich allerletzter Wille

Wohlan denn, mein Testament: Ich vererbe nichts, mein gesamtes Hab und Gut lege man mir als Grabbeigabe mit in meine Pyramide. Außer es ist irgendwas dabei, das noch einen Wert hat und zu sperrig ist, um über den Hades geschifft zu werden. Solcherlei spende man dann bitte an eine gemeinnützige Organisation, als ein Zeichen für und einen Aufruf zu Weltoffenheit. Auf diesem kleinen gefalteten Papierkärtchen, dass man sich als entfernter Bekannter freundlicherweise für zwei Wochen mit dem Souvenirmagneten aus Teneriffa an den Kühlschrank heftet, soll unter meinem Selfie geschrieben stehen:

„Reisender aus Langeweile, Abenteurer aus Faulheit, er starb wie der Herr ihn schuf: Arm, nackt, allerdings etwas größer und schwerer.“

Außerdem möchte bitte links von meinem Namen etwas Platz auf gelassen werden, für den Fall, dass die Queen mich in Ehrung meiner Verdienste für den Müßiggang über Europas Grenzen hinaus posthum zum Ritter schlagen sollte. Und sagt meiner Frau, dass ich sie zwar noch nicht kennenlernen durfte, ich sie aber mit Sicherheit sehr geliebt hätte, wenn sie denn eine liebenswerte Frau gewesen wäre, was sie mit Sicherheit gewesen wäre, weil ich sonst, bei meinem guten Geschmack und meiner herausragenden Menschenkenntnis, nie den heiligen Bund der Ehe mit ihr geschlossen hätte. Sie möchte also bitte gebührend um mich trauern und von Zeit zu Zeit melancholisch am verregneten Fenster sinnend an all die schönen Momente zurückdenken, die womöglich hätten geschehen können. Und als Letztes möge im Polizeireport als Todesursache notiert werden: „Überdosis Konjunktiv“.

Keine Sorge: Keno Stocks hat Istanbul gut pberstanden - und weiß nach den vielen kraftzehrenden Stunden im Auto einen Spaziergang wieder verstärkt zu schätzen

Keine Sorge: Keno hat Istanbul gut überstanden – und weiß nach den vielen kraftzehrenden Stunden im Auto Spaziergänge wieder verstärkt zu schätzen

Wie es Keno Stocks überhaupt soweit schaffen konnte, lest Ihr hier und dort, wie es aus Istanbul hinaus Richtung Peking geht, in Kürze!


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Über diesen Autor

Keno Stocks

Keno Stocks

Keno Stocks hat sich schon lange dafür interessiert, was eigentlich passiert, wenn man sich in sein Auto setzt, losfährt und nicht mehr aufhört. Die ersten Experimente in diese Richtungen fanden in der Umgebung von München statt und endeten abrupt, als nach Tagen die Erkenntnis ins Bewusstsein sickerte, dass die A99 eine Ringstraße ist. Zwei wichtige Lektionen stammen aus dieser Zeit: Den besten Kaffee gibt es auf Münchens Nordhalbscheibe und jedes Schiff braucht einen Kurs! Also wurde eine vierseitige Münze geworfen und die Entscheidung getroffen, Segel zu setzen und den Bug gen Osten zu halten! Auf nach China!

(Wenn von Segel die Rede ist, ist damit freilich der 20 Jahre alte Einlitermotor des Peugeot 106 gemeint. Wenn von Schiff die Rede ist, ist darunter freilich das dazugehörige Fahrzeug zu verstehen.)

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