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Mama Thresl | Cool and the Leogang

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

„Urban soul meets the alps“ lautet der Claim des im Winter 2014 eröffneten Hotels Mama Thresl in Leogang. Muss man das als Versprechen oder als Drohung interpretieren? Wir wollten wissen, was die hippe Herberge im Salzburger Land außer lässigen Anglizismen und kreativer Namensgebung ihren Gästen zu bieten hat. 

Trendgeiles Hipster-Teil, bemüht cool! So könnte man nach Besuch der Website abwinken – wenn nicht das Power-Paar Huwi und Renate Oberlader hinter dem Projekt steckten. Die Hoteliers haben vor fünf Jahren das Konzept der luxuriösen Chalet-Resorts neu definiert und mit dem eine echte Benchmark gesetzt. Also Grund genug, trotz ein wenig Skepsis nach Leogang zu fahren.

Auf den ersten schnellen Blick

Ist das „Mama Thresl“ ein Hotel, das sich an früh arrivierte Großstadt-Hipster und an boardende Lumbersexuals wendet. An Menschen, die für den konventionellen Alpentourismus in der Seppl-Romantik-Version wie in der Luxus-Spa-Variante nichts übrig haben. Eine coole Klientel, die man urlaubenderweise vornehmlich im „25 hours Bikini Hotel“ in Berlin („open for monkey business) und Hamburg („a girl in every port“) antrifft oder im Pariser beziehungsweise Istanbuler „Mama Shelter“, die bei der Namensgebung inspiriert zu haben scheinen.

Ewigjugendliche zwischen 40 und 55

Sie dürften die zweite wichtige Zielgruppe sein. In so einem Ambiente fühlt man sich auch als von Midlife-Crisis Geplagter viel jünger, mit Sound von wechselnden DJs, in Sitzsäcken vor der grossen LED-Wand, auf der krasse GoPro-Boarder-Videos laufen. Oder abends, mit einem coolen Cocktail in der Hand, den der noch viel coolere „Icke“ aus Berlin (mit Hipster-Brille, Beanie, allerorten Tattoos) in einer hyperlässigen Show hinterm Thresl-Tresen zusammenzaubert. Und auch dank des nicht nur sehr freundlichen, sondern auch sehr gut aussehenden weiblichen Personals.

Zirbenholz ist gut für den Beat

Es senkt den Herzschlag. Also heimische Zirbe an den Zimmerwänden, dazu ein Natursteinbecken, Rainfall-Shower mit XXLFelsen sowie blitzschnelles WLAN. Und dann dieser – ja, wie nennt man das? – Holzvorhang? Schiebewand? Auf jeden Fall hat das Zimmer viel Holz vor der Scheibe, mit verstecktem Fernseher und Klapptisch. Pfiffig.

Zimmer der Kategorie „near to heaven“ haben Dachterrasse und Hotpot. Die „prices“ variieren je nach Nachfrage zwischen 190 und stolzen 360 Euro pro Tag, inklusive Frühstück. Sauna – äh, sorry „panoramic heat“ – kostet für Gäste im Standardzimmer zehn Euro extra. Ein riesiger Fels in der BarLoungeLobby dient über drei Stockwerke hinweg als Klettersteig. Diesen Weg muss auch nehmen, wer sich für „Sushi oder eine Pinzgauer Jause den Tisch im Mountain’s Peak reserviert hat“, so Hotelchefin Lisa.

An Wochenenden ist Party angesagt

Dann wird der haushohe Lichthof zur Arena. Direkt über der Bar sorgen Artistinnen am Trapez für Spannung. Am Freitag und an Wochenenden legen DJs auf. Hinter dem Mischpult ragt der Weinkühlschrank zwei Stockwerke hoch auf. Sollte ein Gast eines der edlen Gewächse ganz oben ordern, wird die Hotelchefin höchstselbst am Flaschenzug in die Höhe gezogen. Das Personal firmiert unter „brothers & sistas“, etwas frech eben. Und „auf Augenhöhe mit den Gästen“, wie es Energiebündel Lisa definiert.

Mama Thresl Burger: Durchgestyled und saftig

Mama Thresl Burger: Durchgestyled und saftig

Burger und Steaks

Ein paar Schritte von der Bar brutzelt es verführerisch auf einem mächtigen Grill, im Pizzaofen knuspert sich der Flammkuchen zurecht. Die Karte des „Mama Thresl“ ist überschaubar, das Essen gut – ohne Candle-Light und flankierende Besteckbündel. Lässig eben. Und originell dazu: Die Lampen in den Gängen liess sich Hotelbesitzer Huwi aus Ästen und LED-Elementen nach eigenen Entwürfen bauen.

Originell ist auch der Klettersteig an der Fassade und über der Bar. Auffallend ist das Cross-Marketing: Brands und Labels an allen Ecken. MyMuesli prangt über dem Frühstücksbuffet, Fatboy-Labels hängen an Kissen, Sitzecken und Lampen, GoPro ist omnipräsent. Nur bei den Kondomen auf dem Zimmer fehlt der Sponsor: Das sind „Mama Thresls Überzieher“.

An alles wird gedacht: Gebrandete Kondome

An alles wird gedacht: Gebrandete Kondome

Fassadenspiele: Wer will, steigt dem Mama Thresl aufs Dach

Fassadenspiele: Wer will, steigt dem Mama Thresl aufs Dach

Spätestens nun stellt sich die Frage

Wer ist nun Mama Thresl? Ein Fantasiegebilde? Die marktforschungsgetriebene Kreation schlauer Marketing-Fuzzis? Profanes Plagiat von Mama Shelter? Nein. Es gibt sie wirklich. Es ist die Mutter von Chefin Renate Oberlader. „Die Thresl hat elf Kinder auf die Welt gebracht, dazu einen Hof mit 40 Stück Vieh bewirtschaftet, eine Pension betrieben und ein Fuhrunternehmen gegründet und geführt“, so Huwi über seine Schwiegermutter. Und wie die Dame das nun alles so finde, will ich wissen. „Na, lustig halt, und lässig.“ Und damit ist die Mitachtzigerin wohl eh die Coolste im ganzen Pinzgau.

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Mama Thresl, Namensgeberin und Mutter der Hotelbesitzerin

Doppelzimmer „woodenstyle“ im kostet je nach Auslastung 130 bis 240 Euro, DZ „near to heaven“ 190 bis 360 Euro. Originell ist das BBQ am Tisch, das Hut-Essen in .


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Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „gambleinfo“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.

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