Länderberichte

Musandam | Omans Geheimtipp

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Jenseits von Dubais oder Abu Dhabis Glitzerwelten:
Omans Halbinsel Musandam: an Bord einer Dhau,
unter Wasser und zu Fuß.

Schleudergang! Die „Perle des Arabischen Golfs“ vibriert und zittert. Strudel greifen nach dem hölzernen Rumpf der gedrungenen Dhau, die mit kehligem Dieselbariton durch die 400 Meter breite Meerenge des Bab Musandam tuckert. Links buckelt der nackte Fels der Insel Jazirat Musandam aus dem Meer. Rechts ragen die steilen Felsklippen der schroff gefurchten, hitzestarrenden Landzunge Ras al-Bab empor. Dahinter brodelt, gurgelt und wirbelt das Meer.

Diese Stelle, an der die Wassermassen des Arabischen Golfs und des Indischen Ozeans aufeinanderprallen, muss für die Mannschaften der alten Waren-Segler der blanke Horror gewesen sein. Wer in den Sog kam, war schnell verloren. Zum Glück hat unsere Dhau einen kräftigen Diesel und Kapitän Abd al-Aziz, der souverän am Heck unserer Dhau thront, die gewaltige Ruderpinne fest im Griff.

Wer hier über Bord geht, plumpst übrigens in eine der größten Walhai-Kinderstuben der Welt. Lieber tauchen wir kontrolliert ab. Vier Stunden zuvor ankerten wir in der Bucht von Furta. Zeit für eine Schnorchelpartie, lobt man doch die fischreichen Gewässer rund um Omans Halbinsel Musandam für den größten maritimen Artenreichtum der Welt.

Submariner Paradiesgarten

Verschwenderisch in seinen Farben und Formen: rund und plump, lang und schlank, glupschäugig, starrblickig, knallbunt und getarnt, niedlich und furchterregend. Eine Karett-Meeresschildkröte, erkennbar am sehr schmalen, fast greifvogelähnlichen Kopf, starrt mich eine Minute regungslos an, um dann blitzschnell zwischen gewaltigen Geweihkorallen zu verschwinden.

Schwebend durch einen famosen Korallen-Wald. Vorbei an Korallen, die an Blumenkohl und Mega-Boviste erinnern oder die Form von Tischen und Satellitenschüsseln haben. Dicht an dicht stehen diese Kunstwerke der Natur – und in voller Farbenpracht. Besonders auffällig sind die verschlungenen Hirnkorallen von bis zu einem Meter Durchmesser.

Lichteffekte aus der Tiefe des Meers

Später lässt Abd al-Aziz im karg-schönen Fjord Khor Najd im fahlen Licht des Sternenhimmels Anker werfen. Das Wasser brodelt und blitzt, als habe Neptun ein Schwarzlicht-Stroboskop angeworfen. Hunderte Fische springen über die Meeresoberfläche und setzen so eine kuriose Sound-and-Light-Show in Gang. Regie führen sogenannte Dinoflagellaten, bis zu zwei Millimeter große „Meeresleuchttierchen“.

Sie sorgen dafür, dass bewegte Teile der Wasseroberfläche, also Spritzer, Wellenkämme oder die Heckwellen von Booten, phosphoreszieren. Während Noctiluca das Meer leuchten lässt, grillt die Crew an Bord ein paar saftige Riesenbarsche (Hammour), die wir in reichlich Whisky planschen lassen.

Keine Nacht unserer Reise sollte so entspannend und erholsam sein wie diese. Lang gestreckt auf den Sitzkissen, an der frischen Luft, über uns ein grandioses Sternenfunkeln – um uns totale Stille.

Luxushotel vor karger Kulisse

33 Grad und bis zu 95 Prozent Luftfeuchtigkeit sind  es  am folgenden Morgen. Wir brechen um 7 Uhr „Zighy ­Time“ (eigene Zeitrechnung ist ein Spleen, den sich das „Six Senses Zighy Bay“ gönnt), also 6 Uhr Ortszeit, auf. Ziel unserer Wanderung ist besagte so paradiesisch wirkende Smuggler’s Bay.

Schnell läuft der Schweiß in Rinnsalen über Stirn und Rücken. Hinter der Mole der Marina geht es direttissima den steilen Bergrücken hinauf. „Wir marschieren auf alten Ziegenpfaden“, antwortet Guide Ishanga auf unsere Frage nach der Beschaffenheit des Wegs. Die Topografie hatte uns gleich zu Beginn der Tour misstrauisch gestimmt. Vor uns ein vom Nachtnebel glitschiges Geröllfeld, ein steiler Abhang und kein Pfad weit und breit. Was hilft es – der Name „gambleinfo“ scheint die Outdoor-Planer des Luxushotels beflügelt zu haben.

Saustall am „Traumstrand“

Beim Abstieg zur Smuggler’s Bay  der Schock. Zentnerweise angeschwemmter Plastikmüll und Teer, der den Brandungssaum braunschwarz färbt und an den Füßen klebt, verunstalten die vermeintliche Traumbucht. Engagement über den Tellerrand der eigenen Bucht hinaus zeigt das „Six Senses Zighy Bay“-Resort.  Man reinigt nicht nur regelmäßig den eigenen Strand, sondern mit Freiwilligen auch die benachbarte Smuggler’s Bay.

„Da tragen wir jedes Mal containerweise Plastikmüll und Teerreste weg. Das alles verdanken wir den Tanker-Crews, die Müll über Bord werfen und die Tanks mit Meerwasser reinigen!“, so der Umwelt- und Sozialbeauftragte. „Nach zwei Wochen ist alles wieder verdreckt,“ brummt er resigniert.


INFO

Veranstalter

Der hat unter seinen vielen schönen Rundreisen auch eine „Reise auf Sindbads Spuren“ im Programm, bei der die Gäste an Bord einer Luxus-Dhow drei Nächte rund um Musandam unterwegs sind.

Reisewetter

Beste Reisezeit für den Oman ist von November bis April mit moderaten Temperaturen, die übrige Zeit ist sehr heiß und sehr schwül. In dieser heißen Zeit sind Hotels aber in der Regel sehr günstig!

Touren-Tipp: Wadis und wilde Gipfel

Diese Tour mit dem Miet-Geländewagen durch den Jabal Hajjar kann ab Muskat als Selbstfahrer in Angriff genommen werden. Auf dem Highway geht es nordwärts > Richtung ar-Rustaq > dann auf einer Schotterpiste > Richtung Bilad Sayt. Scharf gezackte Bergsilhouetten ragen in Dutzenden von Grautönen gestaffelt aus dem Dunst des > Wadi Bani Awf empor. In der Schlucht von Bilad Sait und bei Wadi Sahtan ruft die Frühgeschichte zur Vernissage. Die Felsritzungen zeigen Raubkatzen im Sprung, Büffel, Kampfszenen und sogar (gute 1.800 Höhenmeter über dem Ozean und vier Tagesmärsche entfernt) Segelboote und Schildkröten! > Jabal Shams („Sonnenberg“) mit seinem schönen und schwindelerregend tiefen Canyon > Nizwa, der Hauptort der Bergregion, lockt mit gewaltiger Festung und einem kleinen, bunten Suk > Palmenhaine um Bahla und al-Hamra > auf gut ausgebauter Straße wieder zurück nach Muskat.

Hotel-Tipp

Ausflugstipp für Muskat-Besucher ist dieses Luxuscamp mit klimatisierten Zeltdach-Bungalows zwischen hohen Dünen 10 Pisten-Kilometer vom Ort al-Wasil. Organisiert längere Durchquerungen der Wahiba Sands Desert und Dune-Bashing. Bungalow mit Halbpension für zwei Personen ab 240 Euro.


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Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „gambleinfo“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.