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Rallye European 5000 | Ähm, war da was?

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Die Rallye European 5000 führte 5.000 Kilometer quer durch Europa. Mit dabei waren im Sommer 2018 drei Teams der Mazda Garage  – und auf der dritten Etappe auch wir in einem 929 Coupé. 2.000 Kilometer in vier Tagen. Von Pamplona nach Amsterdam.

Abenteuer-Rallyes haben eine fast so lange Geschich­te wie das Auto. 1907, nur 21 Jahre nachdem der erste Benz-Patent-Motorwagen Nummer 1 losgerollt war, startete eine Handvoll knallharter, verrückter Petrol-Heads in ein kühnes Abenteuer.

Das Rennen Peking–Paris führte auf einer Länge von 16.000 Kilome­tern – ohne Teerstraßen, Tank­stellennetz und brauch­bares Kartenmaterial – mitten durch Zentralasien. Diese Tour brachte Mensch und Material an die Grenzen des Zumutbaren und darüber hinaus.

Die Mutter aller Rallyes

Als Sieger ging der italienische Fürst Scipione Bor­ghese hervor. Er fuhr einen Itala mit 7,5 Litern Hubraum und 45 PS. Auf Platz zwei landete Charles Goddard in einem Spyker. 100 Jahre später wiederholten einige Enthusiasten dieses Abenteuer bei der Rallye Bor­ghese Memorial Peking–Paris. Sie fuhren auf derselben Route wie der Fürst und seine Mitstreiter, ebenfalls ohne Mechanikerbegleitung.

Zwischen 1927 und 1957 war die Mille Miglia das Maß aller Dinge. Sie wurde 1977 wiederbelebt und sorgt seitdem vor allem durch ihre hohe VIP- und Promidichte für Furore. Zugelassen sind nur Autos, die vor 1957 gebaut wurden, die prominenten Fahrer dürfen gern auch jünger sein.

Rallye European 5000: Schlafaugen – klarer Hinweis darauf, dass der Mazda 929 Coupé aus den 1980ern stammen muss

Schlafaugen – klarer Hinweis darauf, dass unser Mazda 929 Coupé ein echtes 1980er-Kind ist

Fun statt Leistung: Die neue Rallye-Philosophie

50 Jahre später rief man Spaß- und Adventure-Rallyes ins Leben wie die Allgäu-Orient-Rallye, die spätere Eu­ropa-Orient-Rallye. Dort starten keine Blechpreziosen im Gegenwert von Reihenhäusern, sondern alte Schrottkisten. Und es geht bunt, anarchisch und fröhlich zu, keinesfalls bonzenhaft und bräsig. Die Autos dürfen nicht mehr als 1.111,11 Euro wert sein und werden nach dem Rennen verkauft, der Erlös geht an gemeinnützige Organisationen.

Rallye European 5000: Was ist das?

Ein relativer Neuling ist die Rallye European 5000. Dafür haben sich im September letzten Jahres 170 Teams in ihre Youngtimer geworfen und sind losgebraust. Zehn Länder in zwölf Tagen. Die Regeln waren klar: „No Highways. No Sat Nav. No GPS“. Teilnehmen dürfe man, so hieß es, mit Fahrzeugen, „die älter als 20 Jahre sind und mindestens ein Rad haben“.

Timmelsjoch: Auch im Wortsinn ein Höhepunkt der Rallye European 5000

Der 2.474 Meter hohe Timmelsjoch-Pass: Auch im Wortsinn ein Höhepunkt der Rallye European 5000

Auf kurvenreichen Pässen schaukeln die Fahrer des 929 Coupé in dessen flauschigen Velourssitzen hin und her: Rallye European 5000

Auf kurvenreichen Pässen schaukeln die Fahrer des 929 Coupé in dessen flauschigen Velourssitzen hin und her

Für die drei Teams der unter den Coa­ches Tobias Wolf (Influencer und Ehemann einer noch erfolgreicheren Influencerin), Miriam Höller (Stuntfrau, GRIP-Moderatorin und frühere GNTM-Kandidatin) sowie Motorjournalist Bernd Volkens wurden diese Vorschriften nicht so streng ausgelegt.

Zeitaufwendige Dreharbeiten für den Youtube-Channel machten es nötig, dass längere Etappen auf Autobahnen zurückgelegt wurden. Die teilnehmenden Journalisten durf­ten in ihren zwei Mazda-Oldies zum Glück länger über Landstraßen kurven.

European 5000 Rallye mit Mazda: Coach Bernd

Drei mal drei Teams gehen bei der European 5000 für die Mazda Garage ins Rennen

Für etwas Aufregung sorgten bei den Mazda-Garage-Teams neben der einen oder anderen Macke des 26 Jahre alten MX-5, des 36 Jahre alten 929 Kombi und des 38 Jahre alten RX-7 die Challenges. Dabei ging es nicht um Blut, Schweiß und Tränen, sondern um Jux und Tollerei.

European 5000 Rallye: Kleinere Macken des 929 Kombi hielten die Teams der Mazda Garage nicht lang auf

Da muss Bernd ran! Von kleinen Macken abgesehen schlugen sich die fünf alten Mazda wacker bei der Rallye European 5000

Auch die anderen an der European 5000 teilnehmenden Teams sammelten Punkte mit Aufgaben wie „Challenge the Billionaire: Swap rallye car with billionaire’s yacht for a glass of champagne onboard“, „Take a picture of a real chi­cken driving your car“ oder „Jacked up: A picture of your car standing on bricks. The construction needs to be at least 20 cm high“.

Durch die Alpen ans Mittelmeer, am Atlantik zurück

Neben den drei Wagen der Mazda Garage rollten ein knuffiger Kombi 818 aus den 70ern und „mein“ 929 Coupé, Baujahr 1985, über die Landstraßen. Ein Glücksfall. Nachdem wir einmal für eine Stunde den Wagen getauscht hatten und mit dem 818 scheppernd und schwänzelnd mit immer heißer werdendem Motor auf der Autobahn in Richtung Amsterdam unter-wegs waren, erschien uns der 929 mit seinem stilechten 1980er-Interieur und fluffigen Velourssitzen wie ein moderner Luxussportwagen.

Rallye European 5000: Päuschen unter Pinien für

Päuschen unter Pinien für „unseren“ Mazda 929 Coupé

Die drei Coaches der Mazda Garage nahmen auf jeder der drei Etappen einen neuen Mitfahrer mit an Bord. Von Aschau über Timmelsjoch, Splügenpass, San Bernardino, Col d’Izoard, Col de Turini und Monaco bis Nizza führte die erste berg- und kurvenreiche Teilstrecke von 1.450 Kilometern.

Die zweite Etappe brachte die Mazda-Garage-Teams auf 2.200 Kilometern über Barcelona und Valencia bis Pamplona. Die letzte Etappe tangierte auf rund 2.000 Kilometern San Sebastián, Biarritz, Bordeaux, Saint-Malo sowie den Mont-Saint-Michel und führte dann schnellstmöglich nach Amsterdam, wo bis 17 Uhr das Ziel erreicht werden musste.

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European 5.000 = Speedsightseeing

Wer in Frankreich über Landstraßen fährt, der bekommt früher oder später einen veritablen Kreisverkehrskoller. Entlang der Küste zwischen Biarritz und der Riesendüne von Pilat haben wir gefühlt 2.000 Kreisverkehre durchfahren, in Wirklichkeit waren es sicher immer noch 200 bis 300. Das senkt zusammen mit oft dichtem Stadtverkehr die Durchschnittsstrecke pro Stunde auf knapp 35 Kilometer. Da werden Tagesetappen von 400 Kilometern zur unendlichen Geschichte …

Etappe der Rallye European 5000: Dune du Pilat, die größte Wanderdüne Europas, ist ein XXL-Sandkasten für Groß und Klein

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So saßen wir also von morgens bis abends hinter dem Lenkrad – und nahmen die touristischen Hotspots vorwiegend aus dem Augenwinkel wahr, in Form von Hinweisen auf Verkehrsschildern.

Saint Malo: Historischer Kern auf einer Halbinsel und dazu ein XXL-Strand, Stopover bei der Rallye European 5000

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Rallye European 5000: Sundowner in Saint Malo: Erst schwimmen im Atlantik, dann einen Café und ein Glas Vin blanc – das spült die vielen Stunden hinterm Lenkrad aus dem Hirn

Sundowner in Saint Malo: Erst schwimmen im Atlantik, dann einen Café und ein Glas Vin blanc – das spült die vielen Stunden hinterm Lenkrad aus dem Hirn

Der Marsch auf die Sanddüne von Pilat, der Absacker in der Altstadt von Bordeaux, das erfrischende Bad im Meer und das Glas Wein zum Sonnenuntergang in Saint-Malo oder der Streif­zug durch das Kloster Mont-Saint-Michel zu früher Morgenstunde (wer sich 30 Minuten vor Klosteröffnung anstellt, kommt in den Genuss, die Räumlichkeiten in Ruhe und ohne Besuchermassen zu genießen) und die halbe Stunden bei den Kreidefelsen von Etretat waren die wenigen Momente von Entschleunigung und touristischer Teilhabe.

Le Mont Saint Michel: Wer ganz früh aufsteht, kommt in den Genuss, den grandiosen Bau fast alleine zu besichtigen Rallye European 5000

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Alabasterküste der Normandie: Landschaftlicher Höhepunkt sind die Kreidefelsen bei Etretat - lohnendes Ziel der European 5000

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Rallye European 5000: Der Mazda 929 Coupé durchfährt das Ziel in Amsterdam

Der Mazda 929 Coupé durchfährt das Ziel der Rallye European 5000 in Amsterdam

Am Ende der European 5000, bei der 167 Teams das Ziel in Amsterdam erreichten, blieben einige unwichtige, unbedeutende Erkenntnisse.

1) Europa besteht zur Hälfte aus Kreisverkehren

2) An diesen Kreisverkehren herrschen ständig andere Vorfahrtsregeln

3) Wer sich beim Fahren partout nicht von Google Maps Navigations-Tipps lösen mag, kurvt in aberwitzigen Kapriolen durch die Gegend

4) Moderatoren, die vor der Kamera supercool sind, erweisen sich in der Realität mit­unter als das totale Gegenteil.

5) Und: Influencer sind klasse Beifahrer. Sie reden nicht viel, wollen selten ans Lenkrad und senken meist andächtig das Haupt über das Smartphone.

Ähm, war da was?

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Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „gambleinfo“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.