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Made in Minnesota | Red Wing Style #9013

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Die Schuhe von Red Wing in Minnesota sind Kult „made in USA“. Und super bequeme, unkaputtbare Reise-Treter mit einer langen Tradition

Hinter der schnöden Zahlenfolge 9013 verbirgt sich das Heritage-Modell „Round Boot Beckman“. Es ehrt den deutschen Firmengründer von Red Wing Shoes, Karl (aka Charles) H. Beckman.

Blick auf die Fabrik im Jahr 1900: Beckman's setzt auf große Werbung und Qualität

Blick auf die Fabrik im Jahr 1900: Beckman’s setzt auf große Werbung und Qualität

Beckmann verlangte für sein erstes Paar Schuhe keine zwei Dollar, machte aber wenige Jahre später als Lieferant der US Army und Hersteller von Arbeitsschuhen für Ölarbeiter, „Iron Worker“ (siehe Bild unten) Farmer und Holzfäller gute Umsätze. Seit einigen Jahren sind die Red Wings hip – Lumbersexuals und Hipster haben sie in die Großstädte gebracht, wo sie eigentlich am wenigsten zu suchen haben.

1025: Stahlbauer in Minneapolis, mit die beste Kundschaft von Red Wings

1925: Stahlbauer in Minneapolis, mit die beste Kundschaft von Red Wings

Der  #9013 ist ein schickes Mittelding aus Arbeits- und Business-Schuh im Stil der 1920er. Als die Company 1905 gegründet wurde, waren die Straßen des 7.500-Einwohner zählenden Städtchens Red Wing im Goodhue County noch nicht geteert. Oft stapfte Charles H. Beckman durch Schlamm und Dreck zum nächsten Geschäftstermin. Also entwarf er dieses robust-elegante Modell.

Der rahmengenähte Schuh ist leicht und damit auch büro- und alltagstauglich. Er war nach extrem kurzer Eintragezeit schon sehr komfortabel: Ich marschierte in meinem nagelneuen Paar Tag für Tag 10,15 Kilometer durch Tokio – ohne Blessuren. Nur die schwergängigen gewachsten Schnürsenkel erwiesen sich beim in Japan häufigen „Schuhe aus, Schuhe an“ als ein wenig hinderlich.

Handmade in USA: läuft und läuft und läuft. Nach 10 oder 15 Jahren ist vielleicht mal ne neue Sohle fällig

Handmade in USA: läuft und läuft und läuft. Nach 10 oder 15 Jahren ist vielleicht mal ne neue Sohle fällig

Der enorme Komfort ist dem Leisten Nummer 8 zu verdanken, dem „meistbenutzten und bekanntesten des Herstellers“. Besonders  schön ist der #9013 im hellbraunen, sehr feinen Chestnut-Featherstone-Leder.

Es stammt von der ebenfalls in Red Wing ansässigen S.B. Foot Tanning Company. Es ist wasserfest, vegetabil gegerbt und lässt sich schön auf Hochglanz polieren. An der Lederherstellung bei Red Wing und seinen Lieferanten hat sich seit 100 Jahren nicht viel geändert. Schön, dass diese Old-School-Herstellung so eine spürbare Qualität des Leder ermöglicht.

 

Stabil muss es sein, das Leder. Nach der Ölgerbung prüfen Fachleute das Material

„Alle guten Dinge im Leben kommen aus Holzfässern: Leder, Bier, Whiskey und Wein“, dieser Spruch wird einem der Gerbmeister von Red Wings Shoes nachgesagt

Die 9013er sind wie alle Red Wings „goodyear welted“, also rahmengenäht. Diese Technik bürgt seit 1872 für hohe Qualität: Mit der Sohle vernähte Schuhschäfte sind verklebten weit überlegen. Klebstoff verringert zudem die Atmungsaktivität der Schuhe. Bei goodyear-welted-Schuhen kann der Fuß atmen, was ein bequemes Tragegefühl garantiert.

Sollte die Sohle nach vielen Jahren mal schlappmachen, kann man die Boots im Red Wing Store oder bei jedem richtigen Schuster neu besohlen lassen. Die Entstehung der Roccia-Sohle  ist eine Legende für sich: Der Italiener Vitale Bramani erlebte 1935 einen schweren Bergunfall, bei dem sechs Freunde ums Leben kamen. Damals ging man in schweren, genagelten Schuhen bis zum Einstieg in die Wand, zum Klettern zog man dann leichte Schuhen mit Hanfsohle und aus Leinen an. Genau das wurde der Gruppe im Gewittersturm zum Verhägnis. Vor dieser schlimmen Erfahrung entwickelte Vitale Bramani eine griffige und flexible Sohle aus Kautschuk – seine Firma nannte er VIBRAM und die Sohle Roccia.

Nicht wenige Besitzer von Red-Wing-Schuhen tragen diese  15, 20 und mehr Jahre – das ist echte Nachhaltigkeit. Unbedingt eine Nummer kleiner als üblich bestellen, am besten aber im Red Wing Store anpassen und vermessen lassen. Preis: ab 329 Euro

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Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „gambleinfo“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.