Länderberichte

Alpen | Kurvenwunder

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Diese Tour verbindet einige der landschaftlich
und fahrerisch schönsten Alpenpässe. Sie kann
von sportlichen Serpentinenfressern in drei Tagen
bis Nizza gefahren werden – oder ganz entspannt
in neun, zehn Tagen mit Abstechern am Comer See
und Finale an Liguriens Palmenriviera abgecruist werden.

Wir haben Ende September die sehr flotte Version mit Tagesetappen von um die 400 Kilometern absolviert, da alle Teilnehmer des Events #kurvedeineslebens nicht nur als erste den neuen Roadster MX-5 von Mazda fahren, sondern dies auch möglichst flott und mit vielen Drifts durch viele Serpentinen absolvieren wollten.

Von München geht es zunächst unspektakulär über Garmisch-Partenkirchen und Seefeld vorbei am Outdoor-Spielplatz Area 47 durch das Ötztal bis Sölden. Dann beginnt die Fahrt auf das Timmelsjoch, einen der schönsten aller Alpenpässe.

Timmelsjoch. Kunst am Wegrand

Neben den im MX-5 besonders schnittig zu nehmenden Kurven sollte man auch den Gebäuden entlang der Pass-Straße Aufmerksamkeit schenken. Hinter der „Timmelsjoch Erfahrung“, die von der Timmelsjoch Hochalpenstraßen AG und der Passeier Gemeinde Moos auf der Südtiroler Seite initiiert wurde, verbergen sich fünf markante Architekturskulpturen mit kleinen Ausstellungen und tollen Ausblicken.

Von 2.474 Meter Höhe hat man einen fulminanten Blick über 30 Dreitausender hinweg. Davor liegen aber 1.800 genuss- und kurvenreiche Höhenmeter, ehe man sich auf der Südseite des „Passo Rombo“ die SS 45bis schmal und eng hinunter ins Südtiroler Passeiertal und nach Meran zirkelt. Für die gemütliche Variante empfiehlt sich hier oder im nahen Lana eine Zwischenübernachtung inklusive Besuch der modernen Meraner Therme. Unser Tipp: Das mit modernen Zimmern und viel gelobter Spitzenküche.

Von Meran führt die Fahrt wahlweise über Italiens Pass-Giganten, das 2.757 Meter hohe Stilfserjoch mit seinen 63 Kehren, oder –  vielleicht noch spannender, weil unbekannt – über das Schweizer Münstertal mit seinen schmucken Dörfern und den Umbrail-Pass (2.503 Meter) mit über 60 teils sehr engen und steilen Kurven nach Bormio, wo Fahrer auf  der schnelleren Variante die erste Nacht einlegen sollten, etwa im .

St. Moritz. Rolex und Driften

Am zweiten Tag geht es früh morgens weiter Richtung Schweiz. Von Bormio führt die Fahrt über 14 Kehren auf den 72 Kilometer entfernten, 2.328 Meter hohen Bernina-Pass im schweizerischen Graubünden. Er verbindet Tirano und Pontresina, von dort es geht weiter durch das im Sommer nicht sonderlich glamourös wirkende St. Moritz mit zahllosen Edelboutiquen und viel unschönem Beton. Dafür ist die Engadiner Seenplatte mit ihren funkelnden Juwelen umso schöner. Ein weiterer Tipp: Die Standseilbahn-Fahrt hinauf auf den 2.456 Meter hohen Muottas Muragl mit grandioser Panoramaterrasse.

Lago di Como. Pitstop all ‚italiana

Vorbei am Silvaplanersee und Silsersee geht es weiter über den 2.115 Meter hohen Splügenpass und den wunderbaren San-Bernardino-Pass (möglichst früh runter von der  Schnellstraße auf die alte Passstraße, sonst landet man im langen Tunnel) an den Comer See, der sich für zwei Zwischenübernachtungen und die Erkundung der Nachbarseen anbietet, zu empfehlen ist hier das in Bellagio. Abends gibt es dort garantiert fangfrischen Fisch und das Haus ist Mitglied von Slow Food.

Der Lago di Como ist bis zu 425 Meter tief und damit einer der tiefsten Seen Europas. Aus der Luft erinnert er an ein kopfstehendes Ypsilon. Der nördliche Arm ist das Revier der Camper und Surfer, die Ufer sind dort aber nicht so malerisch wie im Süden. Steile Bergflanken, schmale Ufer und Spuren der Belle Epoque finden sich am Westarm, während der Lecco-Arm im Osten wilder ist. Der dortige Monte Resegone weist die höchste Klettersteigdichte Italiens auf.

Route des Grandes Alpes. Très bien!

Nach zwei Tagen an Comer See, Luganer See sowie Lago Maggiore geht es über Turin – auch diese Stadt ist einen Zwischenstopp mit Übernachtung wert – nach Briançon im Département Hautes-Alpes. Von dort zieht sich die Straße durch eine Landschaft mit teils bizarrsten Gipfelformationen hinauf auf den Col d’Izoard. Der 2.361 Meter hohe Pass ist aus vielen Tour-de-France-Etappen bekannt und einer der höchsten der Route des Grandes Alpes. Hinter der Passhöhe geht es sehr wild zu, von allen Hängen ziehen sich riesige Geröllschutthalden die Hänge hinab und ragen kantige Felsnadeln in den knallblauen Himmel über der „Casse Déserte“.

Über den etwas mehr als 2.109 Meter hohen Col du Vars und über Jausiers, wo sich eine Nacht in der stilvollen empfiehlt (ab 150 Euro), sausen wir mit unseren MX-5 hinauf auf den selbsternannten König der Alpenpässe, den Col de la Bonette. Der Übergang liegt auf 2.715 Metern Höhe – die französischen Schilder am Straßenrand verkaufen ihn ebenso großspurig wie unberechtigt als höchsten Pass der Alpen. Selbst die teils gesperrte Ringstraße Cime de la Bonette rund um den Gipfel kommt nicht auf mehr als 2.802 Meter. Ohne Zweifel aber zählen Auf- und Abfahrt zu den schönsten der Alpen, ist doch das karge Hochgebirge der Seealpen eine Welt für sich.

Riviera. Wo Röhrl entlangröhrte

Die nächste Etappe führt hinauf auf eine Pass-Legende, den Col de Turini im Hinterland der Riviera, seit Jahrzehnten aus der Rallye Monte Carlo bekannt. Die Fahrer heizen ihn aber nicht bei Sonnenschein hinauf wie wir, sondern im Winter, bei Nacht und auf vereisten Straßen. Rallye-Legende gewann die „Monte“ in den 1980, 1982, 1983 und 1984. Der Weg zur Passhöhe auf 1.607 Meter führt durch 33 Haarnadelkurven über die Westrampe. Vor der Fahrt empfiehlt sich ein Café im Bergörtchen La Bollène-Vésubie – und während der Fahrt auf der insgesamt 25 Kilometer langen Strecke äußerste Vorsicht. Zu leicht kann einem in den scharfen, engen Kurven ein Fahrzeug entgegenkommen. Driften sollte man besser unterlassen, da links steiler Fels aufragt und es rechts in die Tiefe geht.

Der Rest dieser Etappe führt über Monte Carlo nach Nizza. Wer im Mietwagen unterwegs ist, tritt von dort den Rückflug an. Alternativ bieten sich eine Rückreise via Ligurien mit Meer und Gourmandise an der italienischen Riviera an, wo sich die reizenden Küstenorte Noli oder Varigotti (ca. 135 Kilometer) als Zwischenstopp anbieten. Wer eine  dicke Brieftasche hat, mietet sich in Varigottis 5-Sterne-Hotel direkt am Sandstrand ein. Generell ist die zweite Septemberhälfte die beste Reisezeit für diese Küste, dann sind auch die letzten der Abertausend Touristen längst wieder weg, das Wetter ist meist gut und das Meer noch mehr als badewarm.

Das Kurvenwunder geht am Meer weiter. Zwischen Finale Ligure und Noli ist die Fahrt besonders schön

Ligurien. Borgi, Pasta und Cicciarelli

Dem geschichtsträchtigen Noli mit seinen freskogeschmückten Palazzi und stattlichen Kirchen sieht man die kurze Glanzzeit (im 12. und 13. Jahrhundert) als eigenständige Seerepublik an. Immerhin blieb es bis ins 19. Jahrhundert hinein Sitz eines Bischofs. Die Altstadt zeigt auf den Strand mit seinen bunten Booten, mit denen die Fischer eine besonders schmackhafte Sardinensorte fischen: die „cicciarelli“. Luxus und Gourmetküche in alten Gemäuern genießen die Gäste des 

Wer noch Zeit hat, zieht noch ein paar Extrarunden durch das Hinterland der Palmenriviera. Etwa hinauf ins Burgdorf Castelvecchio di Rocca Barbena. Die Burg aus dem 11. Jahrhundert ragt auf dem immerhin 1.142 Meter hohen Rocca Barbena in den blauen Himmel über Ligurien. Als wollten die grauen Steinhäuser der Burg nachklettern, stuft sich der Borgo um die Anhöhe hinauf. Frisch strahlen die fürs ligurische Bergland typischen weißen Fensterumrandungen im Fassadengrau der Häuser.

Dann geht es über Genua und den Brenner 670 Kilometer weit zurück nach München.

Massive Fundamente schützen Varigottis Häuser in der ersten Strandlinie

Massive Fundamente schützen Varigottis Häuser in der ersten Strandlinie


Mazda MX-5 im Check

Der auf der Tour #kurvedeineslebens vorgestellte  ist ein waschechter, leichter und in der stärkeren Version mit 160 PS bestens bestückter Roadster. Die vierte Generation verlor – entgegen dem branchenweiten Trend des DickerBreiterSchwerer – gegenüber dem Vorgänger an Gewicht und zehn Zentimeter Länge. Das macht den Wagen zum idealen Serpentinenfresser mit Fahrspaßgarantie. Das leer unter 1.000 Kilo schwere Basismodell (mit Klimaanlage, elektrischen Fensterhebern und LED-Leuchten) mit 131 PS gibt es zum Preis eines Golf, ab 22.990 Euro.

MAZDAMX-5

 


Ihr wollt jeden Monat informative, reich bebilderte Reportagen aus aller Welt lesen und von vielen vor Ort recherchierten Tipps profitieren? Dann  jederzeit kündbares Zeitlos-Abo abschließen, eine ältere nachbestellen oder auf dem Tablet-PC lesen



Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „gambleinfo“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.