Länderberichte

Frankreich | Atlantische Hochgefühle

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Warum immer Balearen, Adria, Kanaren? Gehen Sie doch mal fremd bei unserem französischen Nachbarn. Besonders genussvoll ist das in der Aquitaine

Wer gern gut isst, Wein mag und 08/15-Camping nicht ausstehen kann, findet an an der Atlantikküste zwischen La Rochelle und Bordeaux sein Glück. Hier kommen einige gute Gründe für einen Urlaub in den Départements Charente-Maritime und Gironde.

Austern! Austern! Austern!

Sie mögen diese gesunden, mineralstoffreichen Schalentiere? Dann sind Sie in der Charente-Maritime goldrichtig. Überall an der Küste und im Hinterland stehen die Hütten und Verkaufsstände der Austernzüchter. Das Dutzend bekommt man dort frisch für 10 bis 15 Euro. Austern mögen bei uns als Bonzen-Kost gelten, in der Charente-Maritime sind sie einfach gutes, gesundes Essen. Punkt. Die roh zu genießenden Schalentiere sind voller Omega-3-Fettsäuren, reich an den Vitaminen A, B1, B2, B3, C, D und an so wichtigen Mineralien wie Zink, Magnesium, Kalzium und Eisen.

Typische Austernzüchterhütten in Marennes-Olé­ron zwischen der Mündung des Flusses Charente und der Insel Oléron

Austernliebhaber aus aller Welt schätzen die Schalentiere aus der . Dort, zwischen der Mündung des Flusses Charente, der Insel Olé­ron, welche die nährstoffreiche Bucht vor Wind und Wellen schützt, und der Mündung der Gironde erstreckt sich eine einzigartige amphibi­sche Landschaft, durchzogen von Hunderten Kanälen, in de­ren leicht salzigem Wasser wunderbare Austern reifen.

Die schmecken so markant und mineralisch, dass es eine Sünde wäre, sie mit Zitronensaft zu betreufeln. Der einzige akzeptable Begleiter? Champagner oder ein leichter Weißwein.

Um die 60.000 Tonnen Austern werden jährlich in den Becken rund um Marennes produziert. Güns­tig sind die Huîtres de Parc direkt aus dem Meer, teurer, geschmacklich breiter gefächert und raf­fi­nier­ter sind die in früheren Salzgärten oder in künstlichen Klärbecken (claires) veredelten Austern, die sogenannten Fines de Claire.

Sie werden in nährstoffreichen und jährlich gereinigten Becken gemästet und geschmacklich verfeinert – und verlieren dabei etwas vom meerig-algigen Geschmack. Je nach Qualitätslabel bleiben die Austern 14 Tage bis acht Monate (Label Rouge) in den Becken. Ein Besuch der empfiehlt sich für alle, die wissen wollen, wie Austern gezüchtet werden.

Muscheln! Fisch! Krebse!

In der Charente-Maritime und Gironde kommt selbst in normalpreisigen Restaurants kein Tiefkühlfisch auf den Tisch, am Ende noch überteuert, wie es am heillos überfischten Mittelmeer häufig der Fall ist. Die Muscheln kann man bedenkenlos genießen, stammt die Hauptzutat der mit reichlich Butter und Crême fraiche aus sauberem Wasser.

Einige „Aqua-Bauern“ der Region haben sich auf die Züchtung von Garnelen spezialisiert, vor allem der nachtaktiven Yamatonuma-Garnelen. Die werden in klei­nen Mengen und ohne den Einsatz von Antibiotika pro­du­ziert und können daher – anders als die asiatische Exportware – bedenkenlos auch in großen Mengen genossen werden.

360-Grad-Panorama eines Strands auf der Insel Oléron

Wellen statt Plätschern

Ja, der Atlantik ist wild. Fast immer. Lange, hohe Wellen für Surfer und Bodysurfer wälzen sich verlässlich auf die langen, weißen Strände zu. Wer nur schwimmen oder ein wenig herumplanschen will, sollte seinen Strand mit Bedacht wählen und die Hinweise zu Badeverboten beachten: Blaue Flaggen markieren sichere Strandbereiche, abseits können gefährliche Strömungen lauern. Mit etwas Umsicht steht einem wellenwilden Badevergnügen im erfrischenden Atlantik aber nichts im Wege.

Einen Abstecher zur Dune du Pilat, Europas größter Wanderdüne, sollte man auf jeden Fall einplanen. Bis zu 115 Meter hoch und fast drei Kilometer lang ist dieses Prachtstück, das sich bis zu fünf Meter pro Jahr landeinwärts bewegt. Wer die Düne besteigen und dabei nicht außer Puste geraten will, tut dies von der weniger steilen Landseite aus: Die Meerseite hat Steigungen von bis zu 55 Prozent.

Sand, Meer und Sonne. Ohne Tausende von Sonnenschirmen und Strandliegen

Urbane Überraschung: La Rochelle

Was für ein , vor allem im Frühsommer vor der turbulenten Hochsaison im Juli und August. Drei Kilometer Arkadengänge säumen die Straßen der Altstadt, sie sind voll kleiner, netter Geschäfte und Kneipen. Sie spenden Schatten und bieten Schutz vor Regengüssen. Die üblichen Ketten-Shops aus aller Welt sucht man vergebens.

Dafür lädt das „Café de la Paix“, ein klassisches Kaffeehaus im Belle-Époque-Stil, zur Bummelpause ein, bevor es zurück zum Alten Hafen mit seinen wuchtigen Wehrtürmen und weiter zum sehenswerten Aquarium geht. Ein perfektes Nahverkehrsystem ermöglicht Busausflüge auf die Badeinsel Oléron – so kann man den Strandnachmittag dann getrost bei zwei, drei Gläsern kühlen Wein, beispielsweise einem Perles blan­ches, ausklingen lassen.

La Rochelle: Alter Hafen, schöne Altstadtgassen und ein tolles Aquarium

Inselglück: Île de Ré und Île d’Oléron

Die beiden ungleichen Inseln liegen vor der Küste der Charente-Maritime auf der Höhe von La Ro­chelle. Das etwas größere Oléron, übrigens Festlandfrankreichs zweitgrößte Insel, lockt mit schönen, langen Stränden an der Ostküste, der Zitadelle Château d’Oléron, dem umtriebigen Fischerhafen La Co­tinière mit  Cafés und Fischlokalen so­wie dem schwarz-weiß gestreiften Leuchtturm Phare de Chas­siron und der unter Napoleon mitten im Meer errichteten Festung Fort Boyard, die nur vom Schiff aus besichtigt werden kann.

Die kleinere Île de Ré ist ein beliebtes Sommerrefugium der Franzosen und trotz eines gewissen Sylt-Charakters – inklusive der Tendenz zur Gentrifizierung – noch geprägt von Austernzucht, Weinbau und Fischerei. Viele Sonnenstunden, 100 Kilometer Radwege und ein paar schmucke Strände machen die Insel zum idealen Familienreiseziel.

Glamping für Campingmuffel

Der Campingplatz „“ in Soulac hat neue, große Canvaszelte auf Plattformen unter hohen, duftenden Pinien zu vermieten. Boden, Möbel, Küche und die Ter­ras­se sind geprägt von rustikalem Holz. Eine große, of­fe­ne Küche, zwei getrennte Schlafbereiche, ein eigenes, luxuriöses Bad sowie Bettwäsche- und Handtuch-Service sor­gen dafür, dass sich auch Camping-skeptiker wohlfühlen. Die rund 45 Quadratmeter großen Zelte bieten Platz für vier Personen, die Woche gibt es ab 540 Euro in der Vorsaison.

Nicht so konsequent und weniger wertig, was die Materialien angeht, hat der Fünf-Sterne-Campingplatz das Glampingkonzept bei den VIP Chalets Bora Bora und Bali umgesetzt(Woche ab 780 Euro). Dort ist Kunststoff das vorherrschende Material und das Wohnklima nicht mit dem in Safarizelten zu vergleichen, die dort auch vermietet werden. Die Küche im Restaurant „Le Caroussel“ ist gut und hat für die Fisch-, Fleisch- und Seafood-Gerichte ein dickes Lob verdient. Und seit 2018 steht auch ein großer, neue SPA- und Wellnesskomplex zur Verfügung.

Wine & Dine

Man kann auch an der Atlantikküste viel Geld für gutes Essen ausgeben. Muss man aber nicht. Wer mittags im Restaurant isst, der bekommt fast überall dreigängige Menüs zu einem Preis von 15 bis 20 Euro angeboten, keine Touristenabzocke, sondern gute und seriöse Angebote.

Besonders authentisch und fröhlich geht es im Hafen von Saint-Vivien und am gleichnamigen Kanal mit rustikalen Fischerhütten wie der „Cabane du Port“ (Tel. +33/ 556 09 20 26) oder dem „ zu. Beides entspannte Tipps für Schlemmer, dort warten frische Genüsse aus den Austernbecken und dem Meer. Auch einen Besuch wert: „La Cabane d’Edouard“ in Cap Ferret, rund eine Fahrstunde von der famosen Dune du Pilat.

Phare de Cordouan: König der Leuchttürme

Einer der ältesten noch aktiven Leuchttürme der Welt ist der . Der prächtig ver­zier­te „König der Leuchttürme“, der im Innern auf den ersten beiden Etagen eine große Kapelle und einen herrschaftlichen Saal birgt, wurde im Jahr 1611 mitten in der über zwölf Kilometer breiten Mündung der Gironde in Betrieb genommen und erst 400 Jah­re später automatisiert.

360-Grad-Panorama von der Spitze des Phare de Corduan

Man besichtigt ihn in Rahmen von . Das letzte Stück legen die Besucher in einem Amphibienfahrzeug und dann barfuß durch den Schlamm zurück. Die salzige Meerluft nagt wild am Kalkstein der fast 70 Meter hohen Fassaden und der Reliefs, ständig müssen Teile er­setzt werden. Der Weg hinauf lohnt sich, der Aus­blick vom Balkon ist umwerfend.

Einen technischen Meilenstein setzte der Turm auch: Hier testete 1823 der junge Physiker Augustin Jean Fresnel erstmals die von ihm entworfene Fresnel-Linse, die heute noch weltweit im Einsatz ist. Erwachsene 44 Euro.

Radeln zwischen Pinien und Brandung

La Vélodysée heißt ein von Roscoff in der Bretagne bis Hendaye. Er verläuft zu drei Vierteln auf autofreien Wegen. Eine der schönsten Etappen führt von Marennes entlang der Côte Sauvage bis Royan. Diese Etappe sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Dich­te Pinienwälder auf der einen Seite, Dünen und das Meer auf der anderen verheißen ungetrübtes Radelvergnügen für die Familien, da dieser Abschnitt auf Waldwegen und geteerten Radwegen ohne jeden Autoverkehr verläuft. Zudem wartet dort mit dem Leuchtturm Phare de la Coubre noch ein Höhepunkt für Landschaftsbestauner.

Leihräder guter Qualität, auch die massigen Fat Bikes (ideal für Abstecher über den Sand), gibt es bei ab 11 Euro/ Tag. Empfehlenswert ist die 125-Kilometer-Etappe von La Rochelle bis Royan, für Familien empfiehlt sich der anstiegsfreie, sehr kurze Abschnitt zwischen Marennes und La Palmyre.

Historie und Seefahrt in Rochefort

liegt 23 Kilometer vom Atlantik entfernt im Landesinnern, an der schlammigen Charente. Die Stadt hat sich in den letzten 20 Jahren vom hässlichen Entlein zur schmucken Erscheinung gemausert und ist einen längeren Besuch wert.

Das Museumsschiff „Hermione“ ist ein detailgetreuer Nachbau jener Fregatte, mit der im Jahr 1780 der Mar­quis de La Fayette nach Amerika gesegelt war, um im Freiheitskampf gegen die Briten mitzumischen. Das Schiff liegt die meiste Zeit im Hafen, segelt aber alle Jahre über den Atlantik.

Hier kann man Segelmachern, Schmieden, Zimmerleuten und anderen Gewerken des alten Schiffbaus zusehen. Die Ausstellungen beim Schiff und im Museum der alten Seilerei „Corderie Royale“ widmen sich der Seefahrt des 16. und 17. Jahrhunderts. Geführte Touren gewähren Einblick in das Schiff bis hinunter zu den Mannschaftsunterkünften.

Das Restaurant „Les Longitudes“ im früheren Wärterhaus der ist sehr zu empfehlen. Nicht nur wegen des schönen Ambientes. Es gibt Austern (zwölf Stück für 18 Euro), Mouclade (Muscheln mit Sahnesoße und Pineau), aber auch Rinder-Tartar und Entrecôte.


INFOS

Hinkommen

Fluganreise nach La Rochelle ist keine wirklich gute Option. Von Deutschland aus steigt man zwei- bis dreimal um. Mit dem Pkw sind es ab München 2.800 Kilometer hin und zurück, ab Frankfurt 2.100 Kilometer. Dabei fallen 120 bis 150 Euro Maut- und Vignettenkosten an. Beste Option für Famili­en – und günstiger: Bahnanreise und Leihauto. für einen der Schnellzüge von München nach La Rochelle (zehn Stunden Fahrt, hin und zurück für zwei Erwachsene, ein Kind) kostet ab 180 Euro, in der Ersten Klasse ab 270 Euro. Bei gibt es einen Mittelklassewagen ab La Rochelle für 270 Euro/Woche.  |

 

Weitere Auskünfte

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Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „gambleinfo“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.

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