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Whisky-Cruise | Alle Schotten dicht!

Stefan Nink
Geschrieben von Stefan Nink

Was ist Schottland? Castles, Lochs, Haggis, Dudelsack, Regen. Und viel Single Malt Whisky natürlich. Unser Autor schipperte für diesen Bericht an Bord der „Azamara Journey“ auch abgelegenere Häfen an.

Es regnet in Edinburgh. Natürlich regnet es, schließlich ist Hochsommer. Ende Juli kann man in Schottland nicht viel anderes erwarten. Eisregen vielleicht. Oder leichten Schneefall. Ist aber nur ganz normaler schottischer Dauerregen, er fällt stetig, pausenlos, mit verbissener Hartnäckigkeit. Die Tropfen machen auf der Reling kleine Trampolinsprünge, wenn sie aufschlagen.

Selbst Nordseemöwen lieben schottischen Regen nicht wirklich: Die Vögel hocken mit eingezogenen Köpfen auf Stuhllehnen und Vorsprüngen. Sie sehen aus, als hätten sie ganz miese Laune. Die haben wir nicht. Überhaupt nicht. Wir sitzen an der Bar und trinken neuseeländischen Sauvignon Blanc. Morgens um elf Uhr. Kapitän Johannes erklärt gerade, was so alles geplant ist für die kommenden Tage. Und mit welcher Philosophie die „Azamara Journey“ auf den Meeren unterwegs ist.

Klein und fein: Zwei Schiffe bilden die Azamara-Flotte

Klein und fein: Zwei Schiffe bilden die Azamara-Flotte

Das Schiff, die Whisky-Cruise

Also, das Wichtigste schnell zusammengefasst: Dieses ist mit 347 Kabinen für maximal 694 Passagiere kein großes. Kleine Größen haben aber auch Vorteile! Die „Journey“ passt in Häfen, die größere Schiffe nicht anlaufen können, und von diesen werden wir bei unserer Fahrt um die Nordspitze Großbritanniens einige sehen.

Außerdem wichtig: Wir legen grundsätzlich nicht schon am späten Nachmittag ab wie viele andere. Weil das Leben in einer Stadt erst beginne, wenn die anderen Kreuzfahrtschiffe weg sind, so der Kapitän. Deshalb bleiben wir. Bis nachts. Oder bis zum nächsten Morgen, damit man abends auch mal länger unterwegs sein kann. Sehr nett ist das. Der Barkeeper bringt Whisky aus Glenkinchie gleich um die Ecke. Das ist noch netter. Auf die Reise! Auf den Regen! Auf Schottland!

Landgang in Invergordon

Hatte ich schon erwähnt, dass unsere Kreuzfahrt ein Motto hat? „Burgen, Pubs und Destillerien“. Ich muss zugeben, dass ich solche roten Fäden mag. Und natürlich besuche ich Whisky-Destillerien grundsätzlich auch schon am frühen Morgen. Wir sind kurz nach dem Frühstück in der weltberühmten Glenmorangie Distillery. Der Rest der schottischen Highlands mag sich um diese Uhrzeit noch so ganz allmählich aus Morgendunst und Wattebausch-Nebel schälen. Hier aber ist man schon hellwach – anders lässt sich das Tempo nicht erklären, in dem eine junge Angestellte die Unternehmensgeschichte herunterrattert.

Urquhart: mickrige Schlossreste

Anschließend geht es gut gelaunt zum Urquhart Castle, auf dem heute mehr Leute herumklettern als damals, als der Clan der MacDonalds es eroberte. Die Ruine ist – salopp gesagt – mickriger als jede verfallene Burg am Mittelrhein. Aber: Sie liegt direkt am Loch Ness. Deswegen schauen wir uns auch nicht diese zerbröckelnden Mauern an, sondern setzen uns auf eine Wiese mit Seeblick. Ist dank unserer Destillerie-Einkäufe auch gar nicht zu kalt.

Next Stop: Orkneys

Wie ein Stein geschlafen. Und nach dem Aufwachen völlig begeistert auf dem Balkon gestanden und in einen blitzebank geschrubbten, wolkenlosen, stürmischen Himmel geblinzelt: Sonne! Frischluft! Was steht auf den Orkneys als Erstes auf dem Programm? Keine Burg, kein Pub, sondern: die nächste Brennerei. Bei den Whisky-Machern von „Highland Park“ sieht es aus, als werde hier geschuftet – die Gebäude haben jenen grauen Überzug, den man von Gemälden der industriellen Ära Londons kennt. Zur besten Frühstückszeit gibt es drei ordentliche Probiergläser Single Malt. 12, 15 und alt.

Weil wir uns nicht sicher sind, ob wir die graduellen Unterschiede der drei Jahrgänge herausgeschmeckt haben, schenkt man eine zweite Vergleichsrunde in die Gläser. Anschließend ist uns dann trotz steifer Brise wunderbar warm. Da wundert man sich nicht, dass die britischen Gäste das Schiff vorsorglich in Badeschlappen und kurzen Hosen verlassen haben. In der Sonne sind es ja auch acht Grad, mindestens.

The Ring of Brodgar, eine der größten Stone Henges der britischen Inseln

The Ring of Brodgar, eine der größten Stone Henges der britischen Inseln

Wow-Effekt am Ring of Brodgar

Am frühen Abend stehen wir sprachlos vor dem Ring of Brodgar. Das Stonehenge der Orkneys liegt in einer Landschaft, die nur aus Himmel und Horizonten zu bestehen scheint. Uns bleibt nichts, als zu staunen und ausnahmsweise mal zu schweigen, so beeindruckt sind wir. Weil uns niemand beaufsichtigt, lehnen wir uns mit dem Ohr an diese 5.000 Jahre alten Steine und versuchen, das Raunen der Vergangenheit zu hören.

Die Weinkarte ist ein Gedicht

An Bord beim Abendessen werden über nichts anderes reden. Und später werden wir uns dabei ertappen, dass wir unabhängig voneinander in die Bibliothek gegangen sind (die – wie die Weinkarte – auf der „Journey“ größer ist als auf vielen anderen Schiffen). Dort sitzen wir dann in unseren Ohrensesseln und lesen alles über diesen Steinkreis, was wir finden können.

Next Stop auf der Isle of Skye

Warum wohnen wir nicht alle auf dieser Insel? Ist das schön hier! Ein sympathisches Hafenstädtchen namens Portree, dramatische Landschaft, sattes Grün, schroffe Berge, alles da. Der Guide für den heutigen Tag, George Munro, erwartet uns im Kilt seines Clans.

Leider ist George ein Fremdenführer mit lediglich geringem erzählerischem Talent. Noch beängstigender ist, dass er jeden Begriff am Ende eines Satzes wiederholt, „von hier sind es noch sieben Meilen bis Kyle of Lochalsh, Kyle of Lochalsh“. Nach einer Weile ist das ermüdend, später dann nur noch nervend und am Nachmittag möchte man gern den Kopf mit viel Schwung gegen die Lehne des Sitzes vor sich schmettern.

Last Stop in Dublin

Das „Castle of the Day“ ist heute Eilean Donan, dank Hollywood und „Highlander“ die berühmteste Burg Schottlands. George Munro verfügt über beste Kenntnisse darüber, wer wann und wie lange in der Burg lebte. Er schreit sie heraus, während der Dudelsackmann an der Zugbrücke mit einer Auswahl quengelnder Hochland-Gassenhauer dagegenhält.

Zuflucht im Pub „Isle of Sky“

Zurück in Portree können wir George abschütteln: um zwei Ecken, dann schnell in den „Isle of Sky“-Pub mit seiner „Best selection of fine Ales“. Und schon hat er unsere Spur verloren, unsere Spur verloren. Next Stop: Dublin, Irland Wir müssen doch noch mal über das Wetter reden: Von wegen Dauerregen, Wellengang und Sturmgebraus! Ein super Wetter ist das hier.

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INFOS

Die „Azamara Journey“ ist eines von zwei Schiffen der kleinen, aber sehr feinen Flotte von Azamara Club Cruises. 2016 fährt die „Azamara Quest“ 11 Tage Häfen in Irland, Schottland, Wales und Belfast an.

Achttägige Single Malt Sailing Cruises ab 800 Euro mit , angefahren werden etwa Mull (Tobermory Whisky), Islay (mehrere Destillerien) und Skye.

 


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Über diesen Autor

Stefan Nink

Stefan Nink

wurde 1965 geboren und wuchs in einer Schule auf: Sein Vater war Lehrer in Neuwied am Rhein. Stefan wollte deswegen lange Zeit ebenfalls Lehrer werden. Frühere Berufswünsche waren u.a. „Taktstocker“ (Dirigent ist ein kompliziertes Wort, wenn man drei Jahre alt ist). Er hat stattdessen Politikwissenschaften studiert, Schwerpunkt Internationales Krisenmanagement. Damit war er prädestiniert für eine Laufbahn in der siebten oder achten diplomatischen Reihe. Oder der neunten. Stattdessen volontierte er beim SWR (damals noch SWF) und schrieb lange ausschließlich über Musik, beim „Musikexpress“ und für die „Welt“. Später gehörte er zum Gründungsteam des deutschen „Rolling Stone“ und interviewte Musiker für die ARD und das FAZ-Magazin. Größter Beinahe-Flop: Nach einem Spaghettikochabend bei Lenny Kravitz in NYC verzottelte er ein DAT-Band mit einer Gesangsspur von Kravitz, das er zwei Tage später Mick Jagger in London überreichen sollte. Glücklicherweise tauchte das Band wieder auf und das Duett der beiden dann auf Jaggers nächstem Soloalbum. Stefan begann 1991, Reisegeschichten zu schreiben. Und macht das bis heute. Zum Beispiel für „gambleinfo“. Seine Reportagen wurden in 17 Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet. Im Oktober erschein sein neuer Roman „Sonntags im Maskierten Waschbär“. Wie schon „Donnerstags im Fetten Hecht“ und „Freitags in der Faulen Kobra“ trägt auch das neue Buch starke autobiographische Züge.