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Botswana | Fairtreter-Reise

Frank Heuer
Geschrieben von Frank Heuer

Die Tour de Tuli lockt seit 13 Jahren Mountainbiker in das Naturreservat zwischen Botswana, Simbabwe und Südafrika. Dort warten grandiose Landschaften, sportliche Abenteuer und Übernachtungen in Zeltcamps. Mit etwas Glück sieht man vom Sattel aus wilde Tiere. Die Erlöse des Benefiz-Events kommen Kindern vor Ort zugute

Die erste Begegnung mit der Magie und der unendlichen Weite der afrikanischen Savanne habe ich auf einem exponierten Sandsteinkamm. An seiner Westspitze ein uralter Affenbrotbaum. Unter dessen Ästen, die wie zwei Arme in den Himmel ragen, betrachte ich eine Szenerie voller Anmut. Schier endlos zerfließt die epische Graslandschaft des Tuli Block in weiten Wellen und goldenen Tönen.

Nur ein paar hingetupfte Bäume, Dornsträucher und ein unwirklicher Sonnenstrahl unterbrechen die einsame Weite. Archaisch ist die Landschaft entlang des Limpopo-Flusses. Für einen Moment habe ich das Gefühl, der Seele Afrikas zu begegnen. Dabei waren es nur ein paar steinige Stufen Aufstieg, um den Niederungen der Steppe zu entfliehen und den Göttern an diesem spirituellen Platz näherzukommen.

Mashatu Game Reserve: Abendlicher Game Drive, bevor es auf die Räder geht

Vollgefressen und schläfrig beobachtet dieser Leopard die Teilnehmer des Game Drive

Durch das Land der Riesen

Mashatu, das wegen seiner hohen Elefantenpopulation und den markanten Baobab-Bäumen „Land der Riesen“ genannt wird, ist ein wilder Landstrich. Durch dieses wilde Land führen die ersten beiden Etappen der Tour de Tuli. Einen Tag zuvor erhebt sich orange glühend die Sonne über dem Limpopo Valley Airport. Auf dem Rollfeld steht eine alte DC 3 als perfekte Kulisse für unser Camp. In den Zeltgassen herrscht trotz der frühen Stunde emsige Aktivität. Schlafsäcke werden verpackt, Camelbags und Wasserflaschen gefüllt, Taschen verschnürt und zum Sammelplatz gebracht. Es ist der Moment der Entscheidung, wie viel Tagesgepäck man sich zumuten möchte. Jedes weitere Gramm auf dem Rücken neben der vom Veranstalter vorgeschriebenen Drei-Liter-Wasserblase bremst den Fahrspaß.

In vielen ausgetrockneten Bachbetten hilft nur noch Schieben

Ein Höhepunkt des Game Drive vor der Tour waren diese drei jungen Geparden

Nach einer Tasse Kaffee schwingen wir uns in die Sättel. Im Fünf-Minuten-Takt starten die 19 Fahrerteams in die erhabene Weite des Tuli Block. Das 760 Quadratkilometer große Naturschutzgebiet ist eine Spielwiese für Mountainbiker. Schon die ersten Meter sind ein Traum. Über einen flachen, von Elefanten ausgetretenen Single Trail gleiten wir leicht und mühelos in der kühlen Morgenluft durch die Wildnis.

Mmamagwa Hill: Blick vom Cecil John Rhodes Baobab über das Tuli-Areal

Mashatu Game Reserve: 29.000 Hektar Wildnis in Botswana

Mit Rückenwind durch den Busch

Der Trail windet sich über ein felsiges Sandsteinplateau. Die Mutigen in meinem Team aus Deutschen und Österreichern, das unter „wild & lässig“ agiert, lassen die Gelegenheit nicht aus, einen steilen Felsgrat abzufahren. Die Passage ist kein Muss, man darf auch ohne Gesichtsverlust das Rad schieben. Die technisch anspruchsvolle Fahrt durch den folgenden Irrgarten aus verwitterten Felsplatten macht riesigen Spaß und kräftiger Rückenwind hilft uns über das Mopane Bushveld.

Zwei der 270 MTB-Fahrer

Dann wird der Trail sandig und die Tritte werden schwerer. Nur mühsam kommen wir voran. Spätnachmittags erreichen wir das zwischen Felsen errichtete Amphitheatre Bush Camp mit grandioser Optik. 66 Kilometer haben wir abgestrampelt. Der erste Gang führt an die Bar, wo wir mit einem eiskalten India Pale Ale die Kehlen entstauben.

Kinder aus dem Dorf Lentswe-le-Moriti spornen die Biker an, die kurz danach auf eine Herde Elefanten stoßen

Selten tat eine Dusche besser als heute. Das sonnenenergetisch erhitzte Wasser ist perfekt temperiert. Wie neugeboren liege ich kurz darauf unter den Ästen eines gewaltigen Mashatu-Baums.

Austoben und Gutes tun

Die Tour de Tuli ist kein Radrennen. Schneller oder besser zu sein – darum geht es nicht, auch wenn einige Teams die Etappen durchaus sportlich anpacken. Es geht mehr um genussvolles Mountainbiken für einen guten Zweck. Die 270 Teilnehmer können sich in entlegenen Gebieten vier Tage lang austoben und checken jeden Abend in einem nicht luxuriösen, aber komfortablem Zeltcamp mit erstklassiger Küche ein.

Dazu kommt die Unterstützung für „Children in the Wilderness“. Dieses  Programm hat sich zum Ziel gesetzt, Kindern, die im Tuli Block aufwachsen, neue Möglichkeiten und Perspektiven aufzuzeigen, und unterstützt damit den Aufbau einer neuen Generation von umweltbewusst und nachhaltig denkenden Führungspersönlichkeiten.

Mapungubwe Camp: Sunset in Perfektion mit Blick auf den Limpopo River

Höhepunkt der zweiten Etappe ist die Begegnung mit einer Elefantenfamilie. Kurz nach der Fahrt durch das kleine Dorf Lentswe-le-Moriti, wo uns Kinder rührend begrüßen, versetzt uns ein Funkruf in Aufregung. Elefanten voraus, zum Greifen nah! Team 17 mahnt zur Vorsicht.

Nervös scharen wir uns um die beiden Guides und starren angestrengt in die Richtung, in der sich die Dickhäuter tummeln sollen. Aber noch ist kein Rüssel zu sehen. 50 Kilometer stecken in den Beinen. Haut und Trikot sind von einer schmierigen Schicht aus Schweiß, Sonnencreme und Savannenfeinstaub überzogen. Aber alles, was jetzt zählt, ist dieser Moment.

„Ungünstig nur, dass der Wind von hinten weht“, flüstert Natur-Guide Bruce Simpson. Die Tiere würden eine direkte Annäherung sehr bald wahrnehmen. Wir beschließen, die Herde in großem Bogen zu umfahren, um uns gegen den Wind anzupirschen. Aufgescheuchte Impalas kreuzen unsere Route. In der Ferne hören wir Äste krachen.

Aufregend: Die Biker treffen beim Dorf Lentswe-le-Moriti auf eine Elefantenherde

Verräterischer „Biker-Duft“

Dann stehen die majestätischen Tiere am gegenüberliegenden Ufer eines vertrockneten Flusslaufs vor uns. Wir beobachten die Szenerie aus sicherer Distanz. Es sind an die zwölf Tiere, einige von ihnen höchstens ein paar Wochen alt. Geführt werden die Babys von ihren Müttern und Schwestern.

Der Wind dreht sich und trägt unseren Geruch zu den Tieren. Plötzlich steht die Herde mucksmäuschenstill und eine  Elefantendame streckt ihren Rüssel in die Höhe. Sie scheint das Familienoberhaupt zu sein. Ohne zu zögern stampft sie ein paar Schritte in unsere Richtung, breitet ihre riesigen Ohren aus und schüttelt energisch den Kopf. Klar, wir sind hier unerwünscht. Die Guides winken schweigend zum Rückzug.

Als die Elefantenherde aufgrund des drehenden Windes die Biker witterte, war es Zeit für eine klare Drohgebärde

Haltungsnoten für Stürze

Mystischer Nebel verhüllt am nächsten Morgen die Felskulisse, durchbrochen von goldenen Sonnenstrahlen. Es duftet intensiv nach Salbei und Stroh. Imposant ist die steile Uferrampe des Flusses Majale. Kaum ein Fahrer, der auf dem heimtückischen Untergrund nicht mal die Kontrolle verliert, was in spektakulären Stürzen endet. Sehr zum Amüsement der Zuschauer, die sich auf der Anhöhe scharen und wie beim Eiskunstlauf Haltungsnoten vergeben.

Kurz darauf erreichen wir den botswanischen Grenzposten. Die Beamten haben es sich extra für uns unter einer afrikanischen Steinfeige gemütlich eingerichtet. Entspannt werden die Reisepässe gestempelt, dann ist Schieben angesagt: Das einen Kilometer breite, versandete Bett des Shashe River, der die Grenze zu Simbabwe bildet, ist definitiv unbefahrbar.

Die Zelte der Teilnehmer stehen dicht an dicht – das muss man mögen. Die Küche der Camps aber ist Tag für Tag großartig

Unsere Stippvisite an der Shashi Pry School verdeutlicht Erfolge des Hilfsprojekts. Kindern mit langen Schulwegen spendete „Children in the Wilderness“ Fahrräder. Außerdem erhielten die Schulkinder Ranzen und Lernmaterialien. Die talentiertesten Schüler bekommen sogar die Chance auf einen Arbeitsplatz beim Safariveranstalter „Wilderness Safaris“.

Provisorischer Grenzübergang im Schatten

Endspurt

Der letzte Tag entpuppt sich mit über 500 Höhenmetern und einigen knackigen Anstiegen wieder als körperliche Herausforderung. Aber inzwischen haben wir den inneren Schweinehund so im Griff, dass uns das nur anspornt. Einmal noch über den Limpopo und wir stehen auf südafrikanischem Boden. Die letzte Steigung rückt näher, dann ist es vollbracht! In luftiger Höhe auf einem Felsplateau erreichen wir Mapungubwe. Glückliche Gesichter. Endlich die müden Beine baumeln lassen!

Ein letzter Sonnenuntergang auf den Aussichtsterrassen des Mapungubwe Hill mit Blick über das Tal des Limpopo und Shashe. Offene Feuer brennen vor dem Gemeinschaftspavillon. Die Stimmung ist ausgelassen und die Küche übertrifft sich an diesem Abend wieder selbst: Rindsfilet-Tranchen, Tigergarnelen und Schweinespießchen an mit Vanille aromatisiertem Kürbis und Zuckerschoten. Das regt den Appetit an … und schmeckt exzellent. Doch zunächst ergreift Moderator Miles Crisp das Mikrofon, um im Rahmen mehrerer Versteigerungen noch weitere Spendengelder einzusammeln für die Kinder der Wildnis. Danach wird gefeiert bis tief in die Nacht. Die Worte zum Abschied klingen wie ein Mantra: „See you next year!“


Info Tour de Tuli

Anreise

Am besten Direktflug von Frankfurt nach Johannesburg mit oder mit dem Star-Alliance-Partner ab 1.030 Euro

Übernachten in Johannesburg

: Ein exklusives Luxusrefugium mit stilvollen Suiten und afrikanisch inspiriertem Interieur. Ü/F in einer 80-Quadratmeter-Suite ab 540 Euro.

Nedbank Tour de Tuli 2018

Vom 2. bis 7. August 2018 findet der statt. Start der MTB-Tour ist am Limpopo Valley Airfield nahe des Grenzübergangs Pont Drift, rund sechs Autostunden von Johannesburg entfernt. Der Mindestspendenbetrag pro Fahrer beträgt 1.264 Euro. Darin enthalten sind fünf Mahlzeiten pro Tag, fünf Übernachtungen im Zwei-Mann-Zelt zur Einzelnutzung, Matratze und vier 20-Minuten-Massagen. Auf Anfrage stehen auch Leihmountainbikes zur Verfügung.

Jedes Jahr schließen einige der Camps von „“ für eine Woche und laden Hunderte Kinder aus benachteiligtem Umfeld ein, fördern sie und bringen sie spielerisch der Natur und ihrem Land näher. „Wilderness Safaris“, ein nachhaltiges Tourismusunternehmen und zugleich Umweltschutzorganisation, betreibt insgesamt rund 50 Camps und Lodges in acht afrikanischen Ländern.


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Über diesen Autor

Frank Heuer

Frank Heuer

ist freier Fotograf und Autor. Er lebt mit seiner Familie in Dießen am Ammersee. Ausgebildet wurde er an der Fachakademie für Fotodesign in München. Zunächst arbeitete er als freischaffender Künstler, bis er Mitte der 90er Jahre auf zwei längeren Südamerikareisen die Reisefotografie für sich entdeckte. Die erste Auftragsarbeit für unser Magazin führte ihn 1996 nach Baja California. Es folgten Werbeaufträge aus der Outdoor- und Hotelbranche. In den letzten 20 Jahren bereiste er weltweit nahezu 70 Länder. Mit seiner ausdrucksstarken Reisefotografie wurde er 2001 Mitglied der renommierten Kölner Bildagentur laif. Heute werden seine Fotos und Reportagen in zahlreichen namhaften deutschen und internationalen Zeitschriften und Magazinen publiziert.

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