Länderberichte

Zweite Reihe, erste Wahl | Detroit … statt Chicago

Manuela Imre
Geschrieben von Manuela Imre

Unsere Serie „Zweite Reihe, erste Wahl“ stellt attraktive Alternativen zu überlaufenen City-Zielen vor. Statt der Skyscraper-Stadt Chicago empfiehlt sich Detroit in Michigan mit Shabby-Chic, spannender Kunst, cooler Architektur, lebendiger Motown-Music-Szene und lohnenden Ausflugszielen zwischen Lake St. Clair und Lake Erie

Warum Detroit?

Motor City, Motown-Music, Michigans Problem-Metropole – Detroit ist ein bisschen wie ein verzogenes Wunderkind. Man ahnt, dass hinter dem raubeinigen, herben Äußeren ein lebendi­ger und vibrierender Kern steckt. Der will sich nur nicht auf den ersten Blick preisgeben. Aber genau das macht Detroit so spannend. Unter der Oberfläche brodelt es gewaltig. Hier bewegt sich etwas! Und Amerikaner lieben bekanntlich ein gutes Comeback. Das bietet Detroit mit Shabby-Charme und viel junger Entrepreneur-Euphorie. Die Stadt ist seit ihrem Bankrott 2013 das Stehaufmännchen des industriellen amerikanischen Rust Belt, Viertel wie Corktown sind wahre Zukunftsschmieden.

Nein, geleckt sind die Straßen nicht, dafür hat man aber ständig das Gefühl, etwas Neues, Authentisches zu entdecken und Zeuge dabei zu werden, wie eine Stadt durch die Zähigkeit ihrer Bürger wieder auflebt. Eines hat Detroit niemals verloren: seinen Stolz. Wer also eine mittlere Apokalypse erwartet, wird von den unzähligen Projekten, Renovierungen und Visionen überrascht sein, die seit dem Kniefall der Stadt aus dem Boden sprießen. Künstler, Designer und Restaurant-Neulinge profitieren von den – noch – relativ günstigen Mieten.

Zugegeben, die futuristische Architektur von Chicago fehlt. Dafür muss man in Detroit weniger den Hals für Skyscraper verrenken. Man ist umgeben von faszinierenden Motor-City- und Motown-Zeitzeugen: Art-déco-Architektur, Backsteinhäuser, Industriehallen mit riesigen Fensterfronten. Dazu mischt sich die „Wir haben alles gesehen und überstanden“-Atmosphäre einer Metropole, die ihren Retro-Vibe gerade euphorisch zu einem Markenzeichen entwickelt.

Muss man sehen

Ist die Skyline der „Windy City“ Chicago für ihre Glasfassaden bekannt, so schwelgt Detroit stattdessen in einer Retro-Renaissance aus gusseisernem Charme und Art déco. Eines der Wahrzeichen der Stadt ist das fotogene (kurz für „Grand Army of the Republic“). Im Jahr 1898 gebaut als Club für Civil-War-Soldaten, beherbergt der neugotische Schlossbau heute ein Restaurant und ein Café. Detroits Geschichte ist so eng verwoben mit der Automobilindustrie wie die keiner anderen US-Metropole: Packard Plant (10 Euro) ist das faszinierende Monument einer goldenen Ära. Designed 1903 von Albert Kahn, wurden hier einst Luxuskarossen und Flugzeuge produziert.

Diese sind heute im Museum zu besichtigen. Besonders spannend sind die Touren von Pure Detroit, auf denen man die Anlage besichtigt. Bankrott hin oder her – die „Kathedrale der Finanzwelt“, das , schwelgt in den schönsten Gold- und Pastellfarben in der dreistöckigen Säulen-Promenade (500 Griswold Street, Eintritt frei). Vor dem Detroit-Besuch sollte man einen Motown-Ohrwurm als Trip-Soundtrack auswendig lernen. Auf einer Bühne des (2648 W Grand Boulevard, 13 Euro) darf dann jeder seine ganz eigene Temptations-Version schmettern. Der Musikpuls der Stadt schlägt auch heute noch im Motown-Beat. Berry Gordy hat das Label am 12. Januar 1959 gegründet, der Rest – mit Namen von Stevie Wonder über The Jackson Five bis Marvin Gaye – ist Geschichte.

Auch wenn sie bei der Enthüllung 1933 als marxistisches Bollwerk verunglimpft wurde: Diego Riveras „Detroit Industry“-Fresken sind eine Hommage an die industriellen Wurzeln der Stadt. Heute ist der Rivera Court das Highlight im (DIA, 520 Woodward Avenue, rund 10 Euro).

Einsteigen, hinsetzen und Detroit erleben: Die fährt zwischen Congress Street und West Grand Boulevard entlang der Woodward Avenue und ermöglicht City-Sightseeing für nicht viel mehr als einen Euro.

Bummeln und Schlemmen

Corktown ist „the place to be“, wenn man die neue urbane Energie der Stadt erleben will. Star-Köchin Kate Williams kredenzt in ihrem Restaurant (1426 Bagley Avenue) deftig-delikate Gerichte, die glücklich und satt machen, wie etwa die kalte Kürbiscremesuppe mit Lachskaviar für rund 10 Euro oder das Prime Rib für etwas mehr als 21 Euro. Vor jedem Essen gibt es ein kostenloses Tee-Tasting – zum Dinner passt dann eher der aromatische Gin des Hauses.

Das (2124 Michigan Avenue) ist perfekt für Koffein-Fix und Snack-Gelüste. Die Backwaren des Cafés sind die besten der Stadt. Tipp: Das Avocado Sandwich (5,50 Euro) legt die energiereiche Basis für die City-Erkundung.

Auf ins „Astro Coffee“: Hier gibt es die besten Backwaren der Stadt

Aussicht

Auf der „“ (350 Madison Street) trifft sich abends halb Detroit bei DJ-Musik zum Cocktail. Ungefähr so berauschend wie Margarita oder Pims Cup ist der Panoramablick über die Skyline mit Comerica Park, Ford Field und dem Detroit Opera House.

Lieblingsplatz

In zwischen Broadway und Library Street haben sich kleine Shops und Galerien angesiedelt. Es ist ein verstecktes Design-Mekka mit Murals und Installationen lokaler Künstler, in dem sich viele Entdeckungen machen lassen. Am Ende der Alley wartet die „Speakeasy-Bar“ (225 Gratiot Avenue) auf Fans perfekt gemixter Cocktails wie dem „Classic Man“ mit Scotch, Chartreuse, Moscatel Sherry und Zitronenbitter. Der Eingang zur versteckten Bar liegt neben einem riesigen Graffiti-Gesicht an der Mauer.

The Belt: Zwischen Broadway und Library Street haben sich kleine Shops und Galerien angesiedelt

Shopping

Das lässige Design von prägt die stylishe Entrepreneur-Energie der Metropole wie kein anderes Label. Detroits Vorzeigemarke hat sich längst in anderen Städten ausgebreitet. Der Store (441 West Canfield Street), mit dem alles begann, bleibt ein Muss. Wer kein Shinola-Fahrrad heimschleppen will: Auch die Notizbücher und Lederwaren sind grandios und natürlich „made in USA“.

Nightlife

(20510 Livernois Ave­nue) katapultiert einen zurück ins Jahr 1933, dem Eröffnungsjahr der gemütlichen Bar, in der Größen wie Ella Fitzgerald, Miles Davis oder Cab Calloway gespielt haben. Spätestens beim Bestellen eines „Old Fashion“ erkennt selbst ein Laie, dass sich hier alles um Jazz dreht: Die Bar-Oberfläche ist nämlich einer Klaviertastatur nachempfunden.

Schön schlafen

Das (250 W Larned Street) ist eine Hommage an Detroits Retro-Liebe. Anfang 2017 eröffnet, symbolisiert es den Hang zu Renovierung anstelle von Neubau. Wo heute 100 Zimmer sind, warteten einstmals die Feuerwehrmänner des Detroit Fire Department auf Großeinsätze. Relikte wie die riesigen roten Eingangstore oder die Rutschstangen im Apparatus Room – dem Restaurant mit Bar – kreieren den Old-World-Charme des Boutiquehotels. Kollaborationen mit Werken lokaler Künstler schaffen Akzente eines neuen, coolen Detroits. DZ ab 150 Euro.

„Foundation Hotel“: früher Sitz des Detroit Fire Department

Nicht verpassen

Die Vereinigung hübscht seit sechs Jahren die Nachbarschaft Eastern Market jeden September mit einem Mural-Festival auf, bei dem internationale Graffiti-Künstler riesige Wände bemalen. Ganzjährig gibt es zudem Block Parties, DJ-Nächte und Art-After-Dark-Events.

Raus aus der Stadt

Man sollte sich vom Label „Industrie-Stadt“ auf keinen Fall täuschen lassen: Detroit bietet Outdoor-Fans viel Spielraum! Dichte Wälder wechseln sich mit weitläufigen Parkanlagen ab. Zudem ist Michigans Metropole umgeben von Seen und Flüssen wie dem Detroit River, Lake St. Clair und Lake Erie. Angel-, Segel- und Bootfans werden hier also schnell einen ruhigen Spot finden. Zudem ist Detroit Geburtsort des ältesten der Nation, die Liebe zum Schippern ist allgegenwärtig.

Rund um Detroit werden Paddelfreunde glücklich

Der City-Buzz gerät in Sekundenschnelle während einer Kajak- oder Stand-up-Paddle-Tour auf dem in Vergessenheit. Ganz entspannt, wenn auch ein bisschen touristisch sind die Scenic-Cruises auf dem „“. Der perfekte Kurzausflug führt aber zum Belle Isle Park, einer Insel im Detroit River mit wunderschönen Panoramablicken, einem Aquarium sowie einem liebevoll gepflegten Gewächshaus. Die Siedlungsgeschichte an den Great Lakes breitet sich im aus (Eintritt frei).

Wer in Downtown-Detroit aktiv sein will, sollte ein Rad an einer der des neuen Bike-Share-Programms ausleihen und den Dequindre Cut entlangradeln. Landschaftlich schön ist ein Spaziergang am Detroit International River Walk mit Blick auf die Ambassador Bridge (die USA mit Kanada verbindet) und das GM Renaissance Center.

Wer mehr Zeit hat, sollte einen Abstecher ins 160 Meilen entfernte machen. Die zweitgrößte Stadt Michigans liegt am Grand River wurde mit mehr als 30 Craft-Brauereien zur Bierstadt der USA gewählt. Darunter die drittbeste Brauerei der Welt, die „“ und Amerikas beste Brauereischenke „“.

Sehenswert sind vor allem die Frederik Meijer Gardens mit einer Sammlung von über 100 Bronzestatuen  bekannter Künstler – darunter ein von Leonardo da Vinci entworfenes Bronzepferds von mehr als sieben Metern Höhe.

Mit solchen Pfunden kann auch das 145 Meilen nördlich von Grand Rapids gelegene wuchern: Neben tollen, großen Dünen warten dort lange Strände am Lake Michigan. Bekannt sind vor allem die im .

Traverse City hat kulinarisch einiges zu bieten: Das amerikanische Food- und Unterhaltungsmagazin „Bon Appétit“ hat Traverse City zu einer der fünf besten Foodie-Städte Amerikas gekürt. Bekannt ist die Stadt für ihren Obstanbau (sie ist der größte Sauerkirschproduzent der USA) und die Region gilt als bedeutendes Zentrum für Wein und Craftbeer. Auf den Halbinseln Leelanau und Old Mission gibt es rund 40 Weingüter und -kellereien.

Weitere lohnende Stationen einer Michigan-Rundreise sind das autofreie im Lake Huron mit breitem Wassersportangebot und die Sandsteinklippen an der .

 

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Über diesen Autor

Manuela Imre

Manuela Imre

Den Fuß in die Schreiberei bekam Manuela mit 15 bei der Lokalzeitung. Heute lebt sie in New York, reist aber am liebsten um die Welt. Luxus? Ist schön, muss aber nicht sein. Am spannendsten sind letztendlich immer die unerwarteten Entdeckungen in verwinkelten Seitenstraßen, die spontanen Gespräche mit Einheimischen und die atemraubenden Ausblicke auf den Spitzen kleiner Bergdörfer. Auf wuseligen Märkten, an Straßenständen und in versteckten Suppenküchen verbergen sich zudem oft die köstlichsten Gerichte – die dürfen gern scharf und würzig sein. Die besten Mitbringsel aus fernen Ländern sind sowieso lokale Rezepte wie Amok aus Kambodscha, Laksa aus Malaysia oder Tom Yum aus Thailand. Die schmecken nachgekocht zwar meist nicht ganz so perfekt wie auf Reisen, machen aber die schönsten Erinnerungen wieder lebendig. Wenn die Journalistin nicht gerade auf Booten, Fahrrädern oder in Flugzeugen unterwegs ist, lässt sie es mit Yoga etwas ruhiger und rückenschonender angehen...der nächste lange Flug kommt bestimmt.

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