Länderberichte

Iran | Blaues Wunder Isfahan

Dietmar Denger
Geschrieben von Dietmar Denger

Kaum ein Reiseziel hatte lange Jahre so einen schlechten politischen Ruf wie der Iran. Wir wollten wissen, wie das Land und seine Menschen so sind. Isfahan hat uns extrem positiv überrascht.

Isfahan muss man an einem Freitag erleben, dem „Sonntag der muslimischen Welt“, wenn das Leben leicht ist und Iraner fast nur noch Picknick im Kopf haben. Die halbe Einwohnerschaft von Isfahan zieht es dann in die Gärten und Parks, an die Pavillons, Paläste und glitzernden Wasservorhänge der Brunnen. Das Image als eine der schönsten Städte der muslimischen Welt hat sich die Stadt bis heute erhalten. Und pflegt offensichtlich sorgfältig das Erbe, ist doch seine Altstadt Unesco-Weltkulturerbe.

Als einziger Ausländer weit und breit habe ich an diesem Nachmittag das Gefühl, der erste Besucher aus Europa zu sein. Oder gleich Popstar: Im Iran müssen die wenigen Touristen ständig und überall für Schnappschüsse posieren, erst recht auf dem Meidan-e Imam, dem nach Pekings Tiananmen zweitgrößten Platz der Erde.

Der zweitgrößte Platz der Welt

Dort ist der Besucher aus dem Abendland schon von Weitem als solcher zu erkennen. Zugleich ist der Platz, von den Arkaden des Basars eingerahmt wie ein gigantischer Bilderrahmen, eine der schönsten Gelegenheiten im Land, um sein Iran-Bild endgültig zu revidieren: Mit Kindern, die sich zur Wasserschlacht im Riesenbrunnen treffen; mit jungen Männern, die sich ausgelassen in Volleyballduellen messen; mit lachenden Eltern, den Nachwuchs auf der Schultern; mit Frauen-Cliquen, die wie Prinzessinnen in vornehmen Kutschen unterwegs sind; mit dem leuchtenden Blau der Moscheen, das am Abend durch die Displays Hunderter Handys überstrahlt wird – Iraner checken immer und überall ihr Handy, sogar auf dem fahrenden Motorrad!

Die alte Stadt der schönen Künste und der Wissenschaft, der Paläste und Brücken hat nur einen Schönheitsfehler: Dem Fluss Zayandeh Rud hat man durch ein groß angelegtes Projekt das Wasser abgegraben. Mit deutscher Unterstützung soll es in den Bergen gestaut, besser gemanagt und dann, irgendwann, wieder als Lebensader durch das Flussbett fließen.

Die ewige Baustelle des Iran

„Vielleicht in zwei Jahren, vielleicht in 20. Inschallah“, lächelt Guide Arash. So um den Dreh – und so Gott will – ist dann auch die neue Riesenmoschee fertig, deren blaue Kuppel sich wie ein Raumschiff über der Stadt erhebt. „Dann wird es hoffentlich auch die noch viel dringender benötigten Hotels im Land geben“ und die Besucher aus aller Welt könnten sich endlich ihr eigenes Bild machen vom Iran. „Inschallah“, wiederholt Arash in einem feierlich singenden Tonfall. Dabei ahmt er mit seinen spitzen Fingern den Rhythmus nach, so als wolle er die Zeile in die warme Abendluft über Isfahan kalligrafieren.


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INFOS

Hotel-Tipp

Sheykhbahaei-Hotel: Kleines, modernes Hotel in Isfahan, der Eingang liegt etwas versteckt in einem Hinterhof. Große und saubere Zimmer. Perfekt gelegen, um die Paläste, Gärten und Moscheen Isfahans zu Fuß zu erkunden. DZ ab 40 Euro.

 

Veranstalter

Wüste, Steppen und Oasen“: 17-tägige Rundreise von Hauser Exkursionen, bei der neben Teheran, Isfahan und Shiraz auch die Wüste Dasht-e Kavir bereist wird, ab 3.890 Euro.

 

 

Über diesen Autor

Dietmar Denger

Dietmar Denger

Zuhause in beiden Welten – Bild und Text – und bietet Fotoreportagen aus einer Hand: unkompliziert in der Umsetzung vor Ort, stimmig und intensiv im Zusammenspiel von Text und Bildern. Fotografieren und gutes Schreiben lernte er schon früh als freier Mitarbeiter bei Zeitungen und der dpa. Mit Fotos und Texten finanzierte er sich das Studium der Medienwissenschaften und Tourismus-Geographie. Danach folgte ein Volontariat bei „Max“, ehemals das Magazin schlechthin für Foto-, Design- und Popkultur. Später war er Redakteur bei „abenteuer und reisen“ und leitender Redakteur beim „ADAC reisemagazin Traveller“. Mit Reportagen aus aller Welt lebt er seine Begeisterung fürs Reisen, mag bei der Fotografie Menschen ganz nah ebenso wie Stadtporträts, grandiose Naturlandschaften genauso wie Lifestyle, Design und Architektur. Zeitgemäße Themen und Motive für seine zweite Leidenschaft Berge findet der gebürtige Westfale zwischendurch immer wieder gern rund um seine Wahlheimat in den Bayrischen Alpen.

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