Länderberichte

Kroatien | Hvar? Echt dufte!

Sven Bremer
Geschrieben von Sven Bremer

Hvar kommt auf mehr als 2.700 Sonnenstunden pro Jahr. Auch im Herbst verwöhnt es Besucher noch mit milden Temperaturen und blauem Himmel. Der Beiname „Sonneninsel“ ist so wohlverdient wie „Lavendelinsel“. Den duftenden Pflanzen begegnet man überall

Marie-Louise Mihovilčević genießt die ersten Sonnenstrahlen, während sie früh am Morgen in Hvar-Stadt ihren Stand aufbaut. In Düsseldorf, dem sie vor mehr als 40 Jahren der Liebe wegen den Rücken kehrte, regnet es gerade Bindfäden bei elf Grad. Da lassen sich die 23 Grad hier doch deutlich besser an. Mihovilčević verkauft Lavendelöl, kleine Säckchen mit Lavendelblüten – gut gegen Motten – und ein bisschen Kitsch mit Lavendelmotiven. Das Geschäft geht gut, da will sie sich nicht beklagen.

Hvar hat sowohl den Beinamen „Sonneninsel“ als auch „Lavendelinsel“

Hvar: Beliebt seit der Antike

Lavendelinsel nennt man Hvar, bisweilen auch Sonneninsel. In den Monaten Juni und Juli taucht der Lavendel das Eiland in ein Meer aus zarten Lilatönen. Mediterrane Kiefernwälder wechseln sich ab mit dem Wildwuchs der Macchia, der harzige Duft der Pinien konkurriert mit dem des Lavendels und anderer Wildkräuter. Palmen säumen die Uferpromenaden von hübsch herausgeputzten Hafenstädtchen wie Jelsa und Stari Grad.

Im Ager-Feld, einer Ebene im Inselzentrum, gedeihen Obst und Gemüse, Weinreben stehen dicht an dicht, silbrig schimmernde Olivenbäume glitzern in der Sonne zwischen uralten Mauern. Weil auf diesen Parzellen schon seit der Antike Landwirtschaft betrieben wird, setzte die Unesco das Ager-Feld auf die Welterbe-Liste. Eine Unesco-Badebuchten-Liste gibt es nicht, aber wenn, dann wäre die eine oder andere lauschige Bucht an Hvars gut 300 Kilometer langen Küsten durchaus ein Kandidat dafür!

Die Adriainsel Hvar mit seinen versteckten Badebuchten, langen Sand- oder Kiesstränden und schroffen Felsküsten ist bekannt für sein mildes Klima

Die Bucht: eine Wucht!

In Hvar-Stadt ist zu früher Stunde noch nicht allzu viel los. Kleine Lastenwägelchen rattern übers altehrwürdige Pflaster der Plätze und Gassen und versorgen die Cafés sowie die Jachten vor Anker. Ein paar Alte sortieren sich langsam an ihrem Lieblingsplatz auf der Kaimauer, später wechseln sie in den Schatten des historischen Arsenals, einstmals Lagerstätte für venezianische Kriegsgaleeren. Mehr als 2.700 Sonnenstunden jährlich werden auf Hvar gezählt. Früher sollen die Hoteliers ihren Gästen sogar die Hälfte der Kosten zurückerstattet haben, wenn die Sonne sich rar machte …

Lavendelfachfrau Mihovilčević liebt ihre Insel und Hvar-Stadt – eine einzigartige Lage in einer geschützten Bucht, garniert mit ein paar grünen Tupfern im Meer, den vorgelagerten Inseln Pakleniotoci. Dazu die venezianisch geprägte Altstadt, durchzogen von malerischen Gassen, überragt von einer trutzigen Festung namens Trdava Španjola, die eben jene Venezianer anno 1557 gemeinsam mit den Spaniern errichteten. Ein Traum.

Die trutzige Festung namens Trdava Španjola, die die Altstadt Hvar überragt, wurde anno 1557 von Venezianern und Spaniern errichtet

Während Mihovilčević ihre Lavendelsäckchen drapiert, wird sie nachdenklich: „Aber wenn man nicht gut aufpasst, dann wird die Stadt irgendwann zum ‚Ballermann‘ der Adria.“ In der Hochsaison schieben sich zunehmend Touristen, auch aus Asien, durch die Gassen und an den Abenden verwandeln sich viele Cafés in Discos …

Köstlicher Grand Cru

Dabei müssen stille Genießer keineswegs verzagen. Viel Freude dürften ihnen die Weine von Zlatan Plenković bereiten. An den steilen und besonders sonnenverwöhnten Hängen der Südküste kultiviert Hvars bekanntester Winzer seinen mehrfach preisgekrönten „Grand Cru“ Plavac, einen wuchtigen Roten, der dem Dingac von der Halbinsel Pelješac in nichts nachsteht. Die untersten Reben stehen mit den Füßen fast im kristallklaren Wasser der Adria, einige klettern hinauf bis zu den kargen Felsen des Sveti Nikola, dem mit 628 Metern höchsten Berg der Insel.

Wer Fisch und Meeresfrüchte mag, ist hier genau richtig

Zlatan Plenković fuhr einst als Fischer hinaus aufs Meer, wie sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater, ehe er vor rund 30 Jahren auf die Idee kam, die alten Weinstöcke bei seinem Heimatort, dem einstigen Piratennest Sveta Nedjelja, zu reaktivieren. Einem Ort, den man entweder durch einen recht abenteuerlichen Tunnel erreicht oder über eine noch abenteuerlichere Piste, die sich in Serpentinen nah am Abgrund der Steilküste entlangschlängelt. Fantastische Ausblicke inklusive, für die man am besten schwindelfrei ist …

Der Meister selbst ist gerade beschäftigt, reiche Amerikaner sind zu Besuch und wollen Wein kaufen. Deshalb übernimmt Plenkovićs Mitarbeiter Tino Paršić den Part des Patrons und serviert ein Glas des dunkelrot schimmernden Rotweins aus der Mali-Plavac-Traube. Aus der 14-prozentigen „Wuchtbrumme“ schmeckt der Kenner leichte Nuancen von getrockneten Pflaumen, von Kirschen und einen Hauch von Schokolade heraus.

Der Hvarer Platz mit der Stephanskathedrale ist der größte Platz Dalmatiens und Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens

Weinkeller mit Meerblick

„Zlatan“ hat der Winzer seinen besten roten Tropfen genannt, nicht nur nach seinem Vornamen. Übersetzt bedeutet Zlatan nämlich „Gold“. Die edlen, in Barrique ausgebauten Tropfen lagern überwiegend in einem Felsgewölbe rund 70 Meter unter der Erde – oder aber unter der Wasseroberfläche des Restaurants „Bilo Idro“ an der Marina von Sveta Nedjelja.

Von dem Weinkeller im Meer lassen sich durch eine Glasscheibe die Fische beobachten, die später auf den Tellern der Gäste landen. „Es ist mehr eine nette Spielerei. Besser wird der Wein durch die Unterwasserlagerung nicht, aber auch keinen Deut schlechter“, sagt Paršić. Die erstklassigen Fischgerichte im „Bilo Idro“ genießt man übrigens eher mit einem weißen Pošip oder einem Opol Rosé.

Darko Simunic aus dem Bergdorf Brusje fährt ab und an ins Fischrestaurant des Winzers. Noch lieber speist er im Strandrestaurant „Gostionica Mala Milna“ an der malerischen Bucht Mala Milna. Der Wirt versteht es nicht nur, seine Gäste in fünf Sprachen zu unterhalten, er serviert in urigem Ambiente ausschließlich frischen Fisch.

Tiefgekühltes kommt hier nicht auf den Tisch. Da ist der Patron konsequent. Aber auch seine Pašticada, ein typisch dalmatinisches Rindfleischgericht mit Speck, Lorbeer und Pflaumen, in Weißwein gekocht, ist ein Gedicht. Genauso wie die selbst produzierten Olivenöle.

Im Innenhafen von Hvar herrscht in der Saison großes Gedränge

Steiniger Weg ins Paradies

Nicht nur Simunic, der ursprünglich aus Zagreb stammt, auch Marie-Louise Mihovilčević lebt in Brusje an der alten Hauptstraße zwischen Hvar-Stadt und Stari Grad. Der Ort liegt inmitten der Lavendelfelder, viele der aus grauem Granitstein errichteten alten Häuser sind verlassen. Von hier aus genießt man einen unvergleichlichen Ausblick über die dalmatinische Inselwelt.

Auf die Idee, eines dieser Häuser in Traumlage zu kaufen, es als Altersruhesitz oder Ferienhaus zu nutzen, sind schon viele gekommen Nur konnte kaum einer die Idee umsetzen. Zunächst nämlich müssen in Kroatien von Gesetzes wegen zahlreiche potenzielle Erben gefragt werden. Das können 20 und mehr sein. Und die wohnen eben nicht ums Eck, sondern über die ganze Welt verteilt, in den USA, vorzugsweise in Australien. „Bis man die alle aufgetrieben hat und die Verhältnisse geklärt sind, ist man selber alt und grau“, sagt Mihovilčević.

Darko Simunic hatte Glück, er ist einer der wenigen, die ein Haus kaufen konnten. Er besitzt nun in Brusje einen herrlichen Logenplatz über der Adria. „Nenn es, wie du willst“, sagt Simunic und lässt den Blick hinüber über das gekräuselte Blau des Mittelmeers zur Nachbarinsel Brac schweifen, „ich nenne es mein Paradies.“


Info

Anreise fliegt in der Saison (März bis Oktober) in weniger als zwei Stunden von Deutschland direkt nach Split, ebenso , Ticket ab 200 Euro. Ab Split weiter beispielsweise mit dem in einer Stunde nach Stari Grad, Ticket 15 Euro (Hochsaison), alternativ mit der Fähre von Drvenik nach Sućuraj im Osten der Insel, Ticket zwei Euro

Übernachten


Modern, luxuriös und mit schönem Blick auf Hvar-Stadt, DZ ab 250 Euro.


Ein Geheimtipp. Die Pension liegt fantastisch auf Sveti Klement, der größten der vorgelagerten Inselgruppe Pakleni otoci. DZ/HP 65 Euro/Person.

Genießen


Hervorragende kroatische Küche in Milna, vor allem Fisch und Meeresfrüchte.


Weinkeller und Restaurant an der Marina von Sveta Nedjelja an der Südküste. Die Fische werden direkt aus dem „Freiluft-Aquarium Meer“ geholt und vor Ort verarbeitet, dazu gibt es die Weine von , die man hier auch kaufen kann. In der Hauptsaison sollte man unbedingt reservieren.


Wer gern feiert: Der Club in Hvar ist legendär für seine Partys.

Web



Ihr wollt diese Reportage ungekürzt oder weitere spannende Reportagen zu unseren Zielen lesen und von vielen reportergetesteten Tipps und Adressen in den Info-Guides profitieren? Dann empfiehlt sich unser  flexibles Zeitlos-Abo oder eines unserer attraktiven Prämienabos.

Über diesen Autor

Sven Bremer

Sven Bremer

Sven Bremer, Jahrgang 1963, lebt und arbeitet – kein Scherz, kein Pseudonym – in Bremen, wenn er nicht unter anderem für "gambleinfo" durch die Weltgeschichte reisen darf. Weil das mit dem Profifußball damals nichts geworden ist und man als ausgebildeter Tischler mit zwei linken Händen auch nicht gerade begehrt ist, wurde Sven Bremer zunächst Sportredakteur in seiner Heimatstadt, wo er für den "Weser Kurier" und die "Bremer Nachrichten" über Werder Bremen berichtet hat. Seit 2003 arbeitet er wieder als Freelancer für verschiedene Tageszeitungen und Magazine, schreibt Geschichten über Fußball, Reisereportagen und Reiseführer. Für den Verlag "Die Werkstatt" hat er mehrere Fußballbücher geschrieben, für "Delius Klasing" zwei Bücher über den Radsport.

Katalog-Service

Nice 'n' easy

Holen Sie sich für Ihre Reiseplanung die Kataloge renommierter Spezialveranstalter gratis ins Haus