Länderberichte

Laos | Wasser marsch!

Dietmar Denger
Geschrieben von Dietmar Denger

Laos zum Ende der Regenzeit: Der Dschungel dampft, der Mekong schwillt, die Wasserfälle brüllen und Luang Prabang, die schönste Stadt des Landes, glitzert im Licht Tausender Laternen. In den Bergen testen Besucher derweil beim Wandern und Ziplining die eigenen Grenzen aus

Mit leerem Magen bastelt es sich nicht gut. Und mit Höhenangst in Schlappen auf einer Bambusleiter zu balancieren ist für Somchai auch nicht das Wahre. Der jüngste Mönch des Wat-Xieng-Thong-Tempels hat das Vergnügen, als Vorbereitung auf das Fest Boun Ok Phansa Lichterketten über die Spitze der steinernen Stupa zu ziehen und die großen, bunten Papierlaternen in die uralten Ficus-Bäume zu knoten, die das Tempelareal flankieren. Dabei bildet er zusammen mit seinen Ordensbrüdern, die ihm unermüdlich Werkzeug hochreichen, eine Menschenpyramide aus leuchtenden Roben.

„Ich freue mich total auf das Fest morgen, aber fast noch mehr auf die Freiheit danach“, strahlt der junge Mönch in einer Pause und atmet abgekämpft tief aus in den warmen Dunst, den das letzte starke Nachmittagsgewitter über Luang Prabang hinterlassen hat. „Zum Glück nimmt das jetzt ab mit dem Regen. In der Monsunzeit verbringen wir die meiste Zeit in den Tempeln und mit Beten und Fasten, ab morgen dürfen wir wieder raus.“ Zur Sonne, zur Freiheit.

Luang Prabang bei Nacht: Ausblick vom Hausberg Phou Si

Laos feiert das Ende der Regenzeit

Nicht nur im ältesten Tempel von Luang Prabang bereitet man sich emsig vor auf Boun Ok Phansa, das Laternenfest zum symbolischen Ende der Regenzeit. Das ganze, knapp 50.000 Einwohner zählende Städtchen am Zusammenfluss vom kleinen Nam Khan und dem großen Mekong ist buchstäblich aus dem Häuschen. Was aufgeregter klingt, als es ist. Überall in den Straßen und Gässchen wird an riesigen Laternen in Form von Tierfiguren gewerkelt – Drachen, Schmetterlinge, Vögel. Filigrane Kunstwerke aus Papier, die in ihrer Farbenfülle an den Karneval in Rio denken lassen. Halbnackte Tänzerinnen sind allerdings nicht zu erwarten, Bouk Ok Phansa ist ein zutiefst religiöses Fest in der vielleicht religiösesten Stadt im frommen Laos.

Feim Fest Boun Ok Phansa tauchen tausende von Laternen Luang Prabangs Tempel in zauberhaftes Licht

In den Tempelanlagen baut man vor allem die mehrere Meter langen Schiffe, mit dicken Kerzen als Passagiere, die am folgenden Tag ihre Fahrt den Mekong hinab antreten werden. Niemand lässt sich hier aus der Ruhe bringen. Es scheint, als gebe der träge, trübe Mekong, der sich am Fuß weißer Treppen gemütlich an den Kolonialfassaden und an der Skyline aus goldfarbenen Tempeln vorbeischiebt, den Rhythmus vor. Wer den wuseligen Straßen Vietnams oder Thailands auf einer Südostasien-Reise vielleicht gerade erst entkommen ist, dem mag Laos wie Wellness für alle Sinne erscheinen.

Hochzeit auf die laotische Art: Brautpaar in Tracht

Die Spiritualität der ehemaligen Königsstadt ist an jeder Ecke zu erschnuppern: Dem allgegenwärtigen Räucherstäbchenduft der 35 Tempel entkommt man in Luang Prabang nicht. Den Charme komplett machen die Kolonialfassaden, welche die Franzosen vor rund 100 Jahren hinterließen und die zum Teil liebevoll gepflegt werden. Das ist auch dringend nötig, schließlich fängt der Dschungel gleich jenseits der beiden Flüsse an, die die Stadt umschließen. Ließe man die gierige Flora gewähren, dann hätte der Regenwald Luang Prabang zweifellos nach wenigen Jahren verschlungen.

Buddhas Augen am großen Fluss

Tropische Blumen und blühende Rankgewächse werden in den kleinen Vorgärten dabei reichlich gehegt, daneben hat es aber auch so manche Waldfauna längst in die historische Altstadt geschafft: Bunte Geckos flitzen die Hauswände entlang und in den Tempeln turnen freche Affen durch das Geäst. Neben klassischen Backpacker-Herbergen und Cafés für Dreadlock- und Batikhosen-Träger sind im sehr romantischen und ungemein historischen Luang Prabang in den vergangenen Jahren auch schicke Restaurants und Boutiquehotels entstanden. Gerade noch im Designersofa, ist man nach nur wenigen Metern zu Fuß umgeben vom Sound der Glöckchen und Trommeln, die in den Tempeln zum Gebet rufen.

Heilige Kalksteinhöhlen: Die Pak-Ou-Höhlen mit ihren 4.000 Buddhas am Zusammenfluss von Mekong und Nam Ou zählen zu den wichtigsten Pilgerorten des Landes

Bevor morgens die Vögel Luang Prabangs aktiv werden, kommen ihnen in der Dunkelheit die Gongs der Tempel zuvor und wecken mit dumpfen Schlägen zum Dag Bat, dem Almosengang der Mönche. Gähnend und noch etwas unrund tippeln Hunderte von ihnen durch die Straßen, wo sie von zahlreichen frommen Spendern erwartet werden, die sich der Reihe nach am Straßenrand niedergelassen haben. Die Opfergaben – Unmengen von Klebreis, Gemüse, Obst, aber auch Süßes und sogar Bares – werfen sie den Mönchen in riesige Sammelgefäße, die an Vasen erinnern und lässig an Riemen über die Schulter getragen werden. Was auffällt: Bedankt wird sich dabei nicht, der Spender wird nicht einmal mit einem Segen oder Gebet bedacht, es ist ein eher stilles Geben und Nehmen.

Wasser im Überfluss

Der Schlussakt der Regenzeit bedeutet Wasser buchstäblich im Überfluss. Das wird bei den täglichen Regengüssen deutlich, die sich anfühlen, als werde einem eine Badewanne mit angenehm temperiertem Wasser über den Kopf gekippt. Die Folgen zeigen sich vor allem bei einem Mekong-Törn: Der Fluss ist dermaßen voll, dass er den Bauern schon ins Reisfeld schwappt. Gelegenheit zum üppigen Anschwellen hatte er auf seiner Reise nach Luang Prabang schließlich genug. Wasser aus den Mekong-Quellen im tibetischen Hochland hat bis hier im Norden von Laos bereits 2.000 Kilometer hinter sich – und damit nicht einmal die Hälfte des Wegs bis zur Mündung ins Südchinesische Meer.

Zu den Höhepunkten der jahrhundertealten Anlage gehört die Begräbniskapelle

Wir nehmen uns nur 25 Kilometer stromaufwärts vor. Auf der Fahrt im überdachten langen Mekong-Holzboot, das an überdimensionierte Gondeln erinnert, kommen uns riesige Baumstämme im schlammig-gelben Wasser entgegen. In Ufernähe müssen die Kapitäne der schnellen Langboote zudem aufpassen, beim hohen Wasserstand nicht geradewegs in Wasserbüffel oder Elefanten zu krachen, die keine Gelegenheit zum Baden ungenutzt lassen. Die Berglandschaft, durch die wir mäandern, ist grandios schön.

Strom aus Licht

Zwischen hohen Bambuswäldern verteidigen kleine Siedlungen ihren Platz gegen den wild um sich greifenden Dschungel, der hier selbst noch die höchsten Gipfel überwuchert, die hoch über dem Fluss zur Mittagszeit bereits die nächsten weißbäuschigen Monsunwolken unterm blauen Himmel festhalten. Nach zwei Stunden sind die Pak-Ou-Höhlen am Zufluss des Nam Ou erreicht, eines der wichtigsten Pilger- und beliebtesten Touristenziele im Land.

Die Höhlen, die sich unter einer hohen Felswand am Steilufer verstecken, beherbergen mehr als 4.000 kleine und große Buddhas der verschiedensten Stilepochen. Die ältesten von ihnen sind im Wachs der vielen Opferkerzen fast ertrunken. Der Erleuchtete schaut hier tausendfach und tiefenentspannt dem Fluss zu. Reisende, so will es der Brauch, hinter­las­sen kleine Räucherstäbchen, beten und setzen anschließend beschützt ihre Reise fort. Und sei es nur beim Halbtagestrip von Luang Prabang aus.

Kuang Si Wasserfaelle

Bei Einbruch der Dunkelheit startet in Luang Prabang mit der Lichterprozession der Höhepunkt von Boun Ok Phansa. Die Stadt ist zu dieser Zeit ein einziges Lichtermeer aus Tausenden von Laternen. Vor allem die Wege in den Tempelanlagen sind gesäumt von kleinen Lichtern und erinnern an die nächtlichen Landebahnen von Großflughäfen. Bei der Prozession durch die Hauptstraße wird es dann laut und voll, als die Parade der Lichterschiffe und Drachen anrückt.

Trommeln, Glöckchen und Pauken kündigen jedes Bambusboot der Klöster an, das zum Mekong getragen wird. Ziel des frommen Auflaufs ist das Flussufer am Wat-Xieng-Thong-Tempel, wo die Flotte zum Stapellauf antritt. Dann treiben die Boote den Mekong hinab, im Verband mit unzähligen kleinen Gebinden aus Blumen und Bananenblättern, in deren Mitte eine Kerze brennt. Der Mekong wird zum Strom aus Licht. Wasser ohne Ende in einem Land ohne Küste, aber voller Berge: beste Voraussetzungen für eine erstaunliche Wasserfall-Dichte!

Kuang-Si-Wasserfälle: Mit den Eintrittsgeldern werden Kragenbären vor Wilderern geschützt

Die Kuang-Si-Fälle bei Luang Prabang sind dabei sehr speziell. Zum einen rauscht das Wasser so glasklar über die Kaskaden im Tropenwald, dass man sich in der künstlichen Erlebniswelt eines Freizeitparks wähnt. Dazu passen auch die Kragenbären, die am Fuß der Fälle in einem großen Freigehege dösen und sich auch nicht von den vielen chinesischen Touristengruppen aus der Ruhe bringen lassen.


INFO

Anreise

fliegt zweimal/Tag ab Frankfurt, einmal/Tag ab München sowie vier Mal wöchentlich ab Düsseldorf nach Singapur (Tipp: dort stopover ab 25 Euro mit Übernachtung und Hop-on-Bus). Tickets ab 900 Euro. Von Singapur drei Mal/Woche Flüge mit nach Luang Prabang sowie Vientiane. Mit in 14,5 Stunden und Stopp in Bangkok nach Luang Prabang, mit in 15 Stunden via Hanoi nach Vientiane.

Übernachten


In der Altstadt von Luang Prabang mit Blick über den Nam Khan River. In traditionellem Stil errichteter Neubau mit Holzböden, modernen Zimmern und einem Café. Nur eine Minute Fußweg entfernt vom Wat Xieng Thong, dem ältesten Tempel der Stadt. DZ/F ab 40 Euro


Eines der schönsten Beispiele für den liebevoll restaurierten Kolonialstil in Luang Prabang. Dazu passen auch die beiden Mercedes-Oldtimer der Besitzer vor der Tür. An der Uferstraße des Nam Khan River im Zentrum gelegen. Wunderbar ist es, im Hotelrestaurant „The Terrace“ direkt über dem Fluss am Abend die raffinierte franko-laotische Fusionküche zu genießen. Sensationell sind die hausgemachten Bambus-Chips, die es auch in Tüten abgepackt zu kaufen gibt! DZ ab 75 Euro


An der Spitze der Altstadt-Halbinsel von Luang Prabang und am Zusammenfluss von Mekong und Nam Khan River, deshalb von vielen Zimmern Blick aufs Wasser. Ruhig und mit stilvollmoderner Einrichtung. Schwedischer Besitzer. Spa und Garten. DZ/F ab 140 Euro

Gut essen


Hervorragende Adresse in Luang Prabang, um laotische Küche kennenzulernen. Man sitzt in offenen Pavillons in einem Bambushain. Per Ruderboot-Shuttle oder über eine Brücke zu erreichen.


Das schicke Lokal in Luang Prabang serviert eigene Kreationen moderner laotischer Küche am Nam-Khan-Ufer. Am besten reservieren. Es werden auch Kochkurse veranstaltet, mindestens einen Tag vorher anmelden.


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Über diesen Autor

Dietmar Denger

Dietmar Denger

Zuhause in beiden Welten – Bild und Text – und bietet Fotoreportagen aus einer Hand: unkompliziert in der Umsetzung vor Ort, stimmig und intensiv im Zusammenspiel von Text und Bildern. Fotografieren und gutes Schreiben lernte er schon früh als freier Mitarbeiter bei Zeitungen und der dpa. Mit Fotos und Texten finanzierte er sich das Studium der Medienwissenschaften und Tourismus-Geographie. Danach folgte ein Volontariat bei „Max“, ehemals das Magazin schlechthin für Foto-, Design- und Popkultur. Später war er Redakteur bei „gambleinfo“ und leitender Redakteur beim „ADAC reisemagazin Traveller“. Mit Reportagen aus aller Welt lebt er seine Begeisterung fürs Reisen, mag bei der Fotografie Menschen ganz nah ebenso wie Stadtporträts, grandiose Naturlandschaften genauso wie Lifestyle, Design und Architektur. Zeitgemäße Themen und Motive für seine zweite Leidenschaft Berge findet der gebürtige Westfale zwischendurch immer wieder gern rund um seine Wahlheimat in den Bayrischen Alpen.

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