Länderberichte

Taiwan |Taipeh und Sonne-Mond-See

Frank Heuer
Geschrieben von Frank Heuer

Taiwan ist ganz anders als der große Nachbar, die Volksrepublik. Taipeh, die Hauptstadt, ist Dreh- und Angelpunkt der Wirtschaft – und Ausgangspunkt aller Rundreisen. Wir haben uns dort und am Sonne-Mond-See umgesehen.

Unentwegt tippt Felix Chen mit flinken Fingern auf seinen zwei Smartphones herum. Aber es tut sich nichts. „Wir sind einfach zu schnell fürs Internet“, analysiert der feingliedrige Asiate, verstaut Samsung & Co. in der Umhängetasche und lehnt sich zurück in den türkisen Stoffsitz des Taiwan High Speed Rail.

Schnellzug im 18-Minuten-Takt

Der ultramoderne Hochgeschwindigkeitszug, der die acht großen Städte an der dicht besiedelten Westküste Taiwans im 18-Minuten-Takt miteinander verbindet, rast mit 260 Sachen durch die weite Ebene. Gehöfte, lehmbraune Flüsse, Starkstromleitungen, Felder, Fabriken und mehrstöckige Wohnhäuser rauschen an uns vorbei, in einiger Entfernung auch grüne, wild gezackte Berge.

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang kommen wir am berühmten Sonne-Mond-See an. Im ruhigen Wasser des mit acht Quadratkilometern größten Sees von Taiwan spiegeln sich postkartenanmutig die bewaldeten Berge und die fast kitschig-schöne 46 Meter hohe Ci-En-Pagode. Den besten Blick auf die Szenerie ermöglicht das Luxushotel „The Lalu“, dessen 60 Meter langer Infinity-Pool direkt über dem See zu schweben scheint.

Danke, Tschiang Kai Schek

Die traumhafte Lage in vorderster Reihe verdankt das Hotel seiner Vergangenheit als Sommerresidenz des diktatorisch regierenden Staatschefs Tschiang Kai Schek. Dahinter, im Ort Shueishe, buhlen immer höher emporragende, moderne Hotelneubauten um den begehrten Seeblick, für den chinesische und japanische Flitterwöchner bereit sind, richtig viel Geld hinzublättern.

WenWu-Tempel: Liegt großartig am Nordufer des Sonne-Mond See

Wen-Wu-Tempel: Liegt großartig am Nordufer des Sonne-Mond See

Unbezahlbar ist hingegen das Schwimmen im recht kalten Sonne-Mond-See – es gilt aus Sicherheitsgründen absolutes Badeverbot. Nur im September findet jedes Jahr ein Wettbewerb statt, bei dem bis zu 25.000 Schwimmer in stündlich startenden Gruppen den See zwischen Shueishe und dem Dorf Ita Thao durchqueren.

Rückblende: Start in Taipeh

Besuchen wir zuerst einen Tempel – wir haben hier buddhistische und Konsum-Tempel“, so empfing mich Felix, mein Guide, vor einigen Tagen. Wir entscheiden uns für die traditionelle Version und lotsen den Fahrer zum Longshan, dem wohl prunkvollsten Gebetshaus der Stadt. Betritt man diesen von steinernen Drachen beschützten Ort, lässt man den Rest der Welt hinter sich. Das liegt an der meditativen Stille und dem betörenden Duft der Räucherstäbchen, mit denen jeder Gläubige seinen Rundgang absolviert.

An der Gottheit Bodhisattva Guanyin führt dabei kein Weg vorbei. Andächtig schicken Gläubige Gebete gen Himmel, werfen halbrunde Holzorakel zu Boden und stecken Räucherstäbchen in vergoldete Kessel. Entzündet sich dabei versehentlich eine Flamme und lodert auf, gilt dies als gutes Zeichen göttlicher Vorsehung.

Rekord-Turm a.D.

Taipeh ist eine vergleichsweise junge Metropole. Wo vor rund 300 Jahren noch Schilf am Zusammenfluss dreier Flüsse im Wind wogte, schießen heutzutage die Hochhäuser nur so aus dem Boden. Dichter Verkehr sorgt für volle Straßen, zahlreiche Garküchen für volle Nachtmärkte wie den von Shillin. Und dennoch wirkt die Drei-Millionen-City überraschenderweise nicht hektisch, was nicht zuletzt an den vielen grünen Oasen inmitten der Stadt liegt.

taiwan teigtaschen

Den alles überragenden Höhepunkt von Taipeh stellt der im Pagodenstil erbaute Wolkenkratzer Taipei 101 dar, mit 508 Meter Höhe derzeit das fünft­höchste Gebäude der Welt. Das Interieur des Turms setzte der chinesische Architekt C. Y. Lee elegant in Szene. Unter einer futuristischen Lichtkuppel entstand eine schillernde Einkaufswelt mit Boutiquen global agierender Designer.

21 Gramm, 18 Falten, 1 Michelinstern

Im Restaurant Din Tai Fung, ein Mekka für Fans des Nudelkloßes Xiao Long Bao, trifft Knödelfalte auf Michelin-Stern. Lohnenswert ist nicht nur der Genuss der köstlich gefüllten Teigtäschchen, sondern auch ein Blick in die verglaste Küche. Um die Arbeitsplatten rotieren dort ganz in Weiß vermummte Köche wie Chirurgen. Sie kneten, wiegen und formen akribisch die runde Delikatesse, die genau 21 Gramm wiegen soll und mit 18 leicht verdrehten Falten verschlossen sein muss.


Sie wollen jeden Monat informative, reich bebilderte Reportagen aus aller Welt lesen und von vielen vor Ort recherchierten Tipps profitieren? Dann  jederzeit kündbares Zeitlos-Abo abschließen, eine ältere   nachbestellen  oder auf dem Tablet-PC lesen

INFOS

An- und Einreise

Mit fünfmal pro Wo­che ab Frankfurt direkt nach Taipeh; auch EVA Air fliegt direkt, ab Paris. Ticket ab circa 550 Euro (mit einem Stopp). Reisepass (mindestens sechs Monate gültig) genügt, kein Visum für bis zu 90 Tagen Aufenthalt erforderlich.

Hotel-Tipp Taiwan

Zu Fuß ist der Taipei 101 von diesem Haus in der 4160,  Ren Ai Road gut zu er­rei­chen, komfortable Zimmer und Suiten mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. DZ/F ab 155 Euro.

 



Über diesen Autor

Frank Heuer

Frank Heuer

ist freier Fotograf und Autor. Er lebt mit seiner Familie in Dießen am Ammersee. Ausgebildet wurde er an der Fachakademie für Fotodesign in München. Zunächst arbeitete er als freischaffender Künstler, bis er Mitte der 90er Jahre auf zwei längeren Südamerikareisen die Reisefotografie für sich entdeckte. Die erste Auftragsarbeit für unser Magazin führte ihn 1996 nach Baja California. Es folgten Werbeaufträge aus der Outdoor- und Hotelbranche. In den letzten 20 Jahren bereiste er weltweit nahezu 70 Länder. Mit seiner ausdrucksstarken Reisefotografie wurde er 2001 Mitglied der renommierten Kölner Bildagentur laif. Heute werden seine Fotos und Reportagen in zahlreichen namhaften deutschen und internationalen Zeitschriften und Magazinen publiziert.

Katalog-Service

Nice 'n' easy

Holen Sie sich für Ihre Reiseplanung die Kataloge renommierter Spezialveranstalter gratis ins Haus