Länderberichte

Toronto | Einfach cool!

Manuela Imre
Geschrieben von Manuela Imre

Szene oder Holzfäller-Flair? Ontario, Kanadas zweitgrößte Provinz kann alles. Auf jeden Fall einen längeren Besuch wert ist Toronto, die Boomtown. Zur Zeit wachsen dort mehr Wolkenkratzer in den Himmel als in New York.

Lässig und unkompliziert – das sind die ersten Begriffe, die meinem Guide Morgan bei der Frage nach typischen Charaktereigenschaften der Einwohner Torontos in den Sinn kommen. Aber nicht zu verwechseln mit dem häufig plakatierten kanadischen Holzfäller-Charme!

Den finde ich in der Metropole mit knapp drei Millionen Einwohnern nirgendwo, schon gar nicht im angesagten Distillery District, dem ersten Gastro-Spot des Tages. Das historische Industrieviertel mit Kopfsteinpflaster und alten, modern umgebauten Fabrikhäusern ist ein beliebtes Ausgeh-Revier unweit des St. Lawrence Market, Torontos schönstem Markt in einem 1850 gebauten Backsteingebäude.

So cool, so unkompliziert

Statt Holzfällerhemden sehe ich um mich herum eher Bohemian-Schick. In Stadtteilen wie High Park, direkt an der gleichnamigen grünen Parkanlage, der Second-Hand-Hochburg Kensington und vor allem im coolen Ossington ist die Hipster-Dichte noch höher. Im Westen der Queen Street gedeiht seit einigen Jahren eine vielseitige Kunst- und Restaurantszene, die es locker mit New Yorks Williamsburg aufnehmen kann.

Distillery District: Dieser Teil Torontos hat sich zum beliebten Ausgeh-Revier entwickelt

Distillery District: Beliebtes Ausgeh-Revier in einem historisches Industrieviertel knapp zwei Kilometer von Torontos Financial District

Neben zahllosen Graffiti an den Mauern warten Designershops und Galerien. Die Kunstszene der Stadt hat auch echte Schwergewichte zu bieten, allen voran das Royal Ontario Museum. Es ist mit sechs Millionen Exponaten eines der größten Museen Nordamerikas. Die Art Gallery of Ontario zeigt neben der weltweit umfassendsten Sammlung des britischen Bildhauers Henry Moore etliche zeitgenössische kanadische Künstler.

Über die King Street

Ernst schauende Banker und Damen in gefährlich hohen Stilettos und schicken Kostümen eilen über die weite King Street. Abends wiederum verwandeln sich King und Front Street zum Entertainment District der Stadt. Neben dem hübschen Princess of Wales Theatre, der großen Roy Thomson Hall, dem Zuhause des Toronto Symphony Orchestra, gibt es Musicals, Theater, Clubs und Restaurants. Und die Bell Lightbox, einen schicken Kino-Glaskasten, in dem jährlich das Toronto International Film Festival stattfindet.

Egal, wo man steht: Den CN Tower, Wahrzeichen der Metropole, sieht man immer. Kein Wunder, bei 553 Metern! Bevor ich den Lift zur Aussichtsplattform, dem SkyPod auf 447 Metern, nehme, erkunde ich die Waterfront am Lake Ontario – mit Hafen, Restaurants und Cafés. Dann geht es in Windeseile hinauf zur 360-Grad-Aussicht. An klaren Tagen reicht der Blick bis zu den Niagarafällen und zum Lake Erie.

Und, wer traut sich? Mal gepflegt abhängen – und das 350 Meter über der City. Der CN Tower macht's möglich

Gepflegt abhängen – und das 350 Meter über der City. Der CN Tower macht’s möglich

Purer Nervenkitzel

Adrenalinjunkies haben wohl nur Augen für den Edge Walk, auf dem sie mit Seilen verankert 356 Metern über dem Boden an der Außenkante des Turmes entlangspazieren. Für mich ist das nichts: Meine latente Höhenangst meldet sich schon beim ersten, vorsichtigen Tritt auf den Glasboden.

Keine Frage, der Blick von oben berauscht, doch die Skyline ist im Falle Torontos aus der Ferne noch schöner. Morgans Tipp: Fahr nach Toronto Island. Eine Fähre bringt mich nachmittags in knapp 15 Minuten auf die vorgelagerte Insel. Neben einem kleinen Vergnügungspark für Kinder im Zentrum gibt es  dort malerische Gartenanlagen, Cafés, einen Leuchtturm und, bei gutem Wetter unschlagbar, sogar einen Sandstrand.


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Kanada | Nova Scotia
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Kanada | Die Rockys rocken!
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Toronto | Einfach cool!
Vancouver | Hallo, Huxwhukw!


INFO

An- und Einreise

Ab Mai bietet die Strecke Berlin–Toronto und zurück mit Zwi­schenstopp in Island ab 300 Euro an.Für die Ein­reise nach Kanada genügt ein gültiger Reisepass, ab 15. März 2016 ist eine ver­pflichtend, Kosten: 7 Canada-Dollar (rund 5 Euro).

Auskünfte

In Deutschland unter Tel. 01805/52 62 32 oder online unter und auf der


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Über diesen Autor

Manuela Imre

Manuela Imre

Den Fuß in die Schreiberei bekam Manuela mit 15 bei der Lokalzeitung. Heute lebt sie in New York, reist aber am liebsten um die Welt. Luxus? Ist schön, muss aber nicht sein. Am spannendsten sind letztendlich immer die unerwarteten Entdeckungen in verwinkelten Seitenstraßen, die spontanen Gespräche mit Einheimischen und die atemraubenden Ausblicke auf den Spitzen kleiner Bergdörfer. Auf wuseligen Märkten, an Straßenständen und in versteckten Suppenküchen verbergen sich zudem oft die köstlichsten Gerichte – die dürfen gern scharf und würzig sein. Die besten Mitbringsel aus fernen Ländern sind sowieso lokale Rezepte wie Amok aus Kambodscha, Laksa aus Malaysia oder Tom Yum aus Thailand. Die schmecken nachgekocht zwar meist nicht ganz so perfekt wie auf Reisen, machen aber die schönsten Erinnerungen wieder lebendig. Wenn die Journalistin nicht gerade auf Booten, Fahrrädern oder in Flugzeugen unterwegs ist, lässt sie es mit Yoga etwas ruhiger und rückenschonender angehen...der nächste lange Flug kommt bestimmt.