Länderberichte

Schiermonnikoog | Nur die Ruhe

Sven Bremer
Geschrieben von Sven Bremer

Schiermonnikoog heißt Hollands kleinste Insel. Sie hat
einen der breitesten Strände Europas. In den Wiesen
dahinter und im Watt tummeln sich Hunderte Vögel,
Urlauber, die nicht viel mehr als Meer sehen wollen, sind
hier goldrichtig.

Schiermonnikoog ist ein Vogelparadies. Vielleicht sogar das schönste im Westen Europas. Damit das so bleibt, sind große Teile der Insel – Dünen, Salzwiesen, das Watt –  als Nationalpark deklariert. Silber- und Mantelmöwen bevölkern das Vordeichland auf der Wattseite. Löffler und Seeschwalben ziehen in den Salzwiesen ihre Jungen groß. Kiebitzregenpfeifer, Ringel- und Weißwangengänse sowie Wanderfalken legen hier Zwischenstopps auf ihrem Weg nach Süden ein.

15 Kilomete Strand. Wo gibt's denn sowas? Auf Schiermonnikoog!

15 Kilometer Strand. Wo gibt’s denn sowas? Auf Schiermonnikoog!

Wo Abertausende Brut- und Zugvögel ihre Heimat oder zumindest Wahlheimat haben, sind Ornithologen nicht weit. Aber Vogelkundler sind so eine Sache, das können ganz schön schräge Vögel sein. Diese Typen unter­halten sich fast nur über Vögel, von denen man noch nie etwas gehört hat. Und dann machen sie inbrünstig deren Stimmen nach. Das nervt mindestens genauso wie Handyklingeln. Egal, ich habe mein Mobiltelefon ausgemacht, nicht wegen der bösen Blicke; ich habe es ausgeschaltet, weil ich meine Ruhe haben will.

Pauschalangebote? Auf Schiermonnikoog Fehlanzeige!

Auf dem Lytje Pole, wie die knapp 1.000 Bewohner ihre Insel nennen, kommt man gut zur Ruhe. Seit Jahrzehnten hat sich auf Schiermonnikoog, der „Insel der grauen Mönche“, kaum etwas verändert. Das Eiland ist das Gegenteil von all diesen Bespaßungsmaschinerien für Pauschalurlauber, es ist geradezu eine Entschleunigungsmaschinerie. „Pauschalangebote? Gibt es hier gar nicht“, sagt Bert Korendijk, seines Zeichens Tourismuschef der Insel.

Lange bevor die Marketingstrategen den sanften Tourismus erfunden haben, wurde er hier praktiziert. „Und“, sagt Koendijk und grinst, nachdem er gerade den siebten vorbeifahrenden Radfahrer gegrüßt hat, „auf der Insel kennt jeder jeden. Es ist doch schön, wenn dann mal Gäste kommen.“

Als Gast sollte man sich schleunigst ein Fiets, also ein Fahrrad, besorgen. Es ist das pure Glück, mit einer „Gazelle“ über die zahlreichen Fietspade zu gondeln. Die Wege sind aus Muschelkalk; das sorgt für ein schönes Geräusch, wenn man drüber hinwegrollt. So ein bisschen wie eine Plattenspielernadel, die endlos auf der inneren Rille läuft.

Fietsen-Stau statt Blechlawine

Wie auf einer Naturachterbahn geht es durch die Dünen, weiter durch den Mischwald, den der ehemalige Inselbesitzer Graf Bernstorff einst angelegt hat, durch die Salzwiesen. Ich atme noch tiefer ein, ich rieche das Meer, kühle, würzige Waldluft – und die Schafkacke auf den Wegen. Und wenn man gegen den Wind ankämpfen muss, macht man halt häufiger Pause. Ich lasse mich rückwärts in die Dünen fallen.

Was dieser Typ aus der Werbung kann, kann ich schon längst. Und der Slogan passt sowieso: „Keine Staus. Keine Termi­ne. Keine Hektik. Kein Stress. Keine Kompromisse.“ Staus entstehen schon deshalb nicht, weil Schiermonnikoog quasi autofrei ist. Wobei es im Hochsommer im Inselzentrum schon mal zum „Fietsen-Stau“ mit Gästefahrrädern kommen kann.

Duenen

Sand, wohin man blickt! Schiermonnikoog kann sich rühmen, einen von Europas längsten Stränden zu haben

In der Hauptsaison sind beinahe 4.000 Gästebetten belegt, hinzu kommen bis zu 2.000 Tagesgäste. Einen Platz in den Cafés im netten Ortskern findet man dann gar nicht so leicht. „Aber sonst verläuft sich das, dazu ist die Insel zu groß“, beschwichtigt Korendijk.

15 Kilometer Strand nonstop

Am Strand jedenfalls herrscht nie Gedränge. Der Strand von Schiermonnikoog ist aber nicht einfach ein Strand. Er ist ein Naturereignis: rund 15 Kilometer lang, bei Ebbe mehr als einen Kilometer breit. Dort wird gebadet, im Sand gebuddelt, man sammelt Muscheln, spielt Fußball und schwingt sich mit dem Kite-Drachen in die Lüfte. Es wurden aber auch schon Verrückte gesichtet, die dort Golf spielten.

Robben macht die mit rund 18 Grad kühle Nordsee nichts aus

Robben machen die doch recht kühlen Temperaturen der Nordsee nichts aus

Die Kombination aus frischer Seeluft und Bewe­gung macht hungrig. Aber – kleiner Minuspunkt – kulinarisch hat das kleine Inselparadies nicht wirklich viel zu bieten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt selten. Gut, dass es den Schiermonnikooger Vishandel gibt.

Für wenig Geld gibt es in der Fischbude einen saftigen Matjes und frischen Fisch, der als Kibbeling (in frittierten Stückchen) oder als Lekkerbekje daherkommt. Ich genieße meinen Kibbeling, als am Nebentisch ein Handy klingelt. Ich blicke äußerst streng hinüber. Und bin mir ganz sicher, dass der „Übeltäter“ alsbald sein Mobiltelefon ausschalten wird.


Infos

Die „“ ist ein kleines Hotel mit einfachen Zimmern ohne Fernseher, aber mit schöner Außenanlage rund um das ehemalige Gutshaus der einstmaligen Inselbesitzerfamilie Bernstorff (DZ/F ab 90 Euro),

Generelle Infos zur Insel gibt es


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Über diesen Autor

Sven Bremer

Sven Bremer

Sven Bremer, Jahrgang 1963, lebt und arbeitet – kein Scherz, kein Pseudonym – in Bremen, wenn er nicht unter anderem für "gambleinfo" durch die Weltgeschichte reisen darf. Weil das mit dem Profifußball damals nichts geworden ist und man als ausgebildeter Tischler mit zwei linken Händen auch nicht gerade begehrt ist, wurde Sven Bremer zunächst Sportredakteur in seiner Heimatstadt, wo er für den "Weser Kurier" und die "Bremer Nachrichten" über Werder Bremen berichtet hat. Seit 2003 arbeitet er wieder als Freelancer für verschiedene Tageszeitungen und Magazine, schreibt Geschichten über Fußball, Reisereportagen und Reiseführer. Für den Verlag "Die Werkstatt" hat er mehrere Fußballbücher geschrieben, für "Delius Klasing" zwei Bücher über den Radsport.

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