Cruises

Seychellen | Segeln statt Hotelurlaub

Thomas Linkel
Geschrieben von Thomas Linkel

Zu Traumstränden segeln! Die Seychellen umfassen über 110 Inseln. Wer davon nicht nur eine sehen und erleben will, geht am besten auf Kreuzfahrt. Das klingt spontan unbezahlbar und nach Massenveranstaltung. Das Gegenteil ist aber wahr: An Bord des Vintage-Seglers „Sea Pearl“ kostet die Woche mit VP knapp über 1.200 Euro – Landgänge an den Traumstränden wie Grande Anse oder Ance Source d’Argent inklusive

Ein Beiboot bringt mich zur „Sea Pearl“. Der beinahe 100 Jahre alte Zweimast-Topsail-Schoner ankert vor Praslin und wird uns in den nächsten Tagen durch die Gewässer rund um die Tropeninseln und zu den schönsten Stränden bringen. Kurz nach dem Einschiffen auf dem alten Segler stellt sich schon ein Gefühl der Vertrautheit ein, man fühlt sich sofort wohl.

 

Das liegt nicht nur an der kleinen, aber gemütlichen, holzverkleideten Kabine, sondern auch an der entspannten und gastfreundlichen neunköpfigen Crew. Die Gäste an Bord? Sind alle entweder urlaubsreif, in freudiger Vorhochzeitsstimmung oder in den Flitterwochen. Wie sich später in einem Gespräch mit Kapitän Ron herausstellt, ist das ein durchaus repräsentativer Gästequerschnitt.

Ab ins Wasser, schnorcheln!

Kurz nachdem alle ihr gemütliches Plätzchen an Deck gefunden haben, lässt er die Segel setzen und eine Stunde später in einer kleinen Bucht den Anker werfen. Am Ufer wedeln die Palmen, das Meer schimmert unverschämt türkis. Wellen plätschern um mehrere aus dem Wasser ragende Granitblöcke. Ron findet, wir sollten nun die Schnorchelausrüstung packen und endlich ins Wasser gehen. Schlafen könnten wir schließlich auch nachts. Tagsüber seien Abenteuer angesagt. Bitte schön! Wer so freundlich von Bord gejagt wird, der springt eben in den 28 Grad warmen Indischen Ozean. Bald bin ich Ron dankbar, dass er uns ins Wasser getrieben hat.

Ich paddle über ziemlich hässliche Seegurken, die rund um die Felsen auf dem sandigen Meeresgrund liegen, und folge gelb-schwarz gemusterten Mondsichel-Falterfischen. Ich lasse mich von neugierigen Seychellen-Anemonenfischen anknabbern und treibe schwerelos in der Strömung. Plötzlich sehe ich einen ovalen Schatten tief unter mir. Beim Näherkommen stellt er sich als Meeresschildkröte heraus.

Tête-à-tête mit Schildkröte

Dass ich bereits beim allerersten Schnorchelgang eine Schildkröte gesehen habe, wird mir später an Bord niemand glauben, weil ich in der Aufregung vergesse, ein Foto zu knipsen. Dafür folge ich ihr einige Minuten, beobachte, wie sie knapp unter der Wasseroberfläche durch das Wasser schwebt und das Sonnenlicht bunte Lichtflecken auf ihren stromlinienförmigen Panzer wirft. Näher als fünf Meter lässt sie mich aber nicht an sich heran. Dann schnappt sie kurz nach Luft, um mit wenigen Flossenschlägen in die Tiefe zu entschwinden.

Ein Strand der Privatinsel North Island, hier darf die "Sea Pearl" nicht festmachen

Am Strand der Privatinsel North Island darf die Sea Pearl nicht festmachen

Touristen statt Heringe

Die 37 Meter lange Sea Pearl hat acht Kabinen, 520 Quadratmeter Segelfläche, einen Motor – und eine lange Geschichte. 1915 in den Niederlanden gebaut, diente sie unter dem Namen „Dirk“ zum Fischfang und war 1930 das letzte Segelschiff der holländischen Heringsflotte. Nach be­wegten Jahren als Transporter, Fischtraw­ler und Schulungsschiff in der Nordsee segelte sie in der Karibik und nun im Indischen Ozean.

Das erzählt uns Käpt’n Ron, als wir am späten Nachmittag von Praslin aus Kurs Nordwest in Richtung Curieuse nehmen. Ron lehnt am Steuerrad, wir Gäste haben es uns unter dem Sonnensegel bequem gemacht, lesen oder beobachten einfach nur das Meer. Zwar sind wir erst kurze Zeit unterwegs, aber schon lasse ich die Hektik des Alltags hinter mir und lebe im leicht schwankenden Rhythmus des Schiffs. Die letzten Sonnenstrahlen tauchen unsere Segel in orangefarbenes Licht. 20 Minuten später ist es dunkel, wir gehen in einer Bucht vor Anker, während Koch Hensley in der Kombüse an einem grünen Jobfish hantiert.

Logenplatz im Bugnetz

Die Schiffsglocke ruft uns ans Buffet mit Salat, Gemüse, Jobfish und Grillfleisch. Wie Hensley es geschafft hat, den armlangen Fisch in dem kleinen Ofen der Kombüse zuzubereiten, bleibt ein Rätsel, jedenfalls schmeckt er wahnsinnig gut. Wir unterhalten uns in einem Mix aus Englisch, Französisch und Deutsch. Nach dem Abendessen erklärt Ron Route und Aktivitäten des nächsten Tages. Mein Lieblingsplatz ist das Bugnetz. Dort strecke ich mich lang aus und höre auf das satte Schlagen und Klatschen der Wellen. Über meinem Kopf ragt der Bugspriet in den dunkelblauen Nachthimmel, schwache Lichtpunkte glimmen vom Land herüber. Dazu leises Lachen von Deck, das Knarren aus den Wanten – die Zeit scheint stillzustehen. Ein Traum! Das ist Chillen in seiner schönsten Form.

La Digue, die Strandschönheit

Steuerbords taucht eine kleine Felsinsel auf und Tauchlehrer Cedric macht die Ausrüstung fertig. Der Ave Maria Rock gilt als gutes Tauchrevier, um Rochen und Haie zu sehen. Während ein Teil der Gäste abtaucht, fährt die Sea Pearl einige Kilometer weiter bis zur Seychellen-Insel La Digue.

Touristen besuchen sie vor allem wegen ihrer Traumstrände. Aber welchen Strand besuchen, wenn man nur einen Tag auf La Digue hat? Drei „Traumstrände“ liegen nebeneinander auf der östlichen Seite der Insel. Vom Hafen La Passe radelt man 20 Minuten über einen kleinen Berg bis zur Bucht Grande Anse. Dort empfängt einen eine große, knallweiße Sandsichel mit Palmen und Strandlokal. Geparkte Räder, Picknickkörbe, spielende Kinder, entspannte Stimmung.

Modelmaße: Petite Anse

Aber ich will weiter, wandere barfuß am Strand entlang und schließlich über eine Anhöhe zur zweiten Bucht. Diese schweißtreibende Viertelstunde lohnt sich, die Petite Anse ist deutlich weniger besucht. Hierher zieht es vor allem verliebte Pärchen, die gerne Händchen haltend in der Brandung stehen – mit den typischen Granitfelsen als Kulisse.

Ein Marsch von weiteren 20 Minuten bringt mich nach einem kurzen Bad auf sandigen Pfaden über einen Hügel weiter zur Anse Cocos. Die 1.000 Meter gleißenden Sandstrand teile ich mir nur mit Krebsen, Eidechsen und drei Strandwanderern. Besser geht es nicht.

Seychellen, wie man es aus der Werbung kennt

Der berühmteste Strand von La Digue ist natürlich die Anse Source d’Argent. Hier wurden berühmte Schoko- und Rumwerbespots etwa für Raffaello und Bacardi gedreht, die den Strand zum Sehnsuchtsort für Millionen machten. Die Anse Source d’Argent mag vielleicht nicht wirklich der schönste Strand der Welt sein, der meistfotografierte aber ist die „Silberquellen-Bucht“ auf jeden Fall. Der Eintritt ins Paradies kostet. Fünf Euro!

Luxusinsel North Island aus der Luft

Luxusinsel North Island aus der Luft

 

 

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Cruisen an Bord der Sea Pearl

Die sechstägige Route an Bord der kostet ab 1.000 Euro pro Person (Mai bis Oktober ab/bis Praslin) beziehungsweise ab 1.200 Euro (November bis April, ab/bis Mahé) für die siebentägige Reise (Preise exklusive Fluganreise). Alle Kabinen mit Klimaanlage, Waschbecken, Regal, Oberlicht sowie Doppel- oder Stock­­bett. Den Gästen stehen drei Du­schen und vier WCs bei den Kabinen, eine Dusche an Deck und ein Aufenthaltsraum mit Bar zur Verfügung. VP und alle Ausflüge sind inklu­sive. Die Segel-Kreuzfahrten starten jeweils am Samstag. Bei Veranstalter  kosten beispielsweise sieben Nächte ab 1.300 Euro inklusive VP und Ausflug sowie Hafen- und Landegebühren, aber ohne Anreise.


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Über diesen Autor

Thomas Linkel

Thomas Linkel

„Meine Neugier ist unstillbar.“
Nach einer fotografischen Ausbildung im Stilllife-Studio und dem Abschluss zum Diplomwirtschaftsgeograf arbeitet Thomas seit 15 Jahren für internationale Magazine in den Bereichen Reise, Reportage, Portrait und Architektur sowie für die Unternehmenskommunikation internationaler Kunden. Für seine Produktionen hat er über 100 Länder bereist.

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