Länderberichte

Oman | Stefan Glowacz im Höllenloch

Christian Haas
Geschrieben von Christian Haas

Stefan Glowacz und Chris Sharma meisterten im Oman
als erste das längste bislang ungekletterte Höhlendach ohne
technische Hilfsmittel. Projektname: Thron der Dämonen!

Im Hochland Omans schlummert unter einem unscheinbaren Erdloch eine der weltgrößten Höhlenkammern: die 310 Meter breite und 120 Meter hohe Majlis al-Jinn. Erst 1983 entdeckt, war die „Geisterhöhle“ 2007 Schauplatz eines Basejumps von Felix Baumgartner. Und 2014 der einer unerhört schweren Kletter-Premiere.

Majlis al-Jinn: basejumptaugliche Riesenhöhle

Zweit-, fünft- oder neuntgrößte Höhlenkammer der Welt – welchen Top-Ten-Platz die im Hadschar-Gebirge gelegene Majlis al-Jinn genau einnimmt, ist eine Frage der Vermessung. So oder so sind die Dimensionen riesig: 58.000 Quadratmeter misst allein der Höhlenboden, das Volumen beträgt vier Millionen Kubikmeter. Eine Besonderheit stellen die drei eingestürzten Krater dar, durch die Tageslicht dringt – andere XXL-Höhlen liegen ausschließlich im Dunkeln. Die Erdlöcher ermöglichen zudem einen vergleichsweise einfachen Zugang, indem man sich abseilt.

So wie 1983 der Geologe Don Davidson, der, auf der Suche nach unterirdischen Wasservorräten, als Erster die Höhle betrat. Der Stratosphärenspringer Felix Baumgartner wählte 2007 einen anderen Weg: Er sprang mit dem Fallschirm in die Höhle. Da sein Basejump jedoch ungebetene Nachahmer fand, ließen die Behörden die Höhle sperren und gewährten nur Wissenschaftlern den Zutritt. Für den deutschen Expeditionsprofi Stefan Glowacz und den Erstbegehungs-Experten Chris Sharma aus den USA machten sie eine Ausnahme. Drei andere Kletterprojekte lehnten sie ab.

Ein Sturz markiert das Ende für Glowacz

Wie schwierig das Unternehmen ist, zeigt nicht nur die einjährige Vorbereitungszeit. Zwölf Tage verbringen Sharma und Stefan Glowacz in der unterirdischen Kathedrale, um die „Wand unter Tage“ als Erste zu durchsteigen. 300 Klettermeter mögen harmlos klingen, doch das größte Kletterdach der Welt hat es in sich: Die Passagen sind fast durchgehend überhängend, mit mindestens 45 Grad Neigung, ferner weisen die 13 Seillängen Schwierigkeiten zwischen 7c+ und 8b+ auf.

Die beiden Sportler bewegen Tonnen von Seilen, Karabinern und Klemmkeilen, schlafen im Portaledge und sind mit Hürden und Hindernissen, Stürzen und Verletzungen konfrontiert. Bitter: Bei einem Sturz verletzt sich Stefan Glowacz beide Hände so sehr, dass er nicht mehr vorklettern kann.

Über diesen Autor

Christian Haas

Christian Haas

Christian Haas – Jahrgang 1974, Wirkungsstätte München – liebt seit jeher die Kombination Reisen und Schreiben. Naheliegende Konsequenz: Studium der Geographie und Kommunikationswissenschaften in Eichstätt und München. Diplomarbeit in Venezuela, Nationalparkpraktikum in Puerto Rico, Redakteursanstellung in München. Seit 2002 als Reisejournalist und Autor selbstständig, Schwerpunkt Outdoor, Familie, Kurioses. Seit 2013 gehört Christian Haas zum Redaktionsteam von abenteuer und reisen.

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