Fliegen

Unterwegs getestet | Swiss Business Class

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Swiss setzt das „neue Flaggschiff“ Boeing 777-300 auf Flügen nach San Francisco, São Paulo, Los Angeles, Miami, Bangkok und Singapur ein. Wir haben die Swiss Business Class auf dem Flug nach Hongkong getestet und uns die neue Lounge in Zürich angesehen

Swiss Business Class: Erster Eindruck

Geschmackvolles Understatement: schnörkellos, elegant und praktisch. Ein wenig nüchtern fast. Ungewöhnlich: Die Fensterplätze haben Reihe für Reihe abwechselnd Einzel- oder Doppelsitze. Da gilt es, bei der Platzreservierung schnell zu sein. Wer auf einem  Doppelsitz am Fenster landet, muss auf dem Weg zum WC über die Beine des Nebenmanns klettern. Aber diese Sitzanordnung ist wohl die ökonomisch effizienteste.

Swiss zeigt bereits vor dem Flug Qualität: übersichtliche, stabil laufende Website, klare Menüführung und automatischer Check-in, bei dem die Boardingpässe per SMS oder Mail aufs Smartphone flattern.

So sieht sie aus, die Business-Class-Kabine

Sitzprobe

Die neuen, 52 Zentimeter breiten Sitze lassen sich zu einem zwei Meter langen Bett ausfahren. Zum Vordersitz sind es großzügige 201 Zentimeter Abstand, mehr als bei der Konzernmutter Lufthansa, die über 163 Zentimeter nicht hinauskommt. Zwei starke Mitbewerber auf den Asien-Strecken haben in der 777-300 ER übrigens Business-Sitze montiert, die 20 bzw. 23 Zentimeter breiter sind…

Durch die Sitzbreite wird es im Schulterbereich für athletische Reisende beim Schlafen eventuell eng. Dafür kann man die Beine entspannt ausstrecken, ohne sie anwinkeln oder irgendwo hineinzirkeln zu müssen.

Solange man sitzt, sitzt man wie auf Wolken. Statt Polster haben die Sitze Luftkissen, deren Härtegrad und Einsinktiefe sich stufenlos fein justieren lassen. Geschmacksache ist die Massagefunktion der Sitze. Ich persönlich finde sie angenehm, andere sprechen von Spielerei. Dazu nützliche Gadgets wie Kopfhörer- und Wasserflaschenhalterung.

Hier ist die wechselnde Anordnung von 2er- und 1-er-Plätzen am Fenster zu sehen

Schmeckt’s?

Das vor 15 Jahren ins Leben gerufene Gastrokonzept hat schon viele Preise eingeheimst. Schweizer Spitzenköche bringen auf dem Flug in die Ferne mit saisonalen Gerichten aus diversen Kantonen eine geballte Portion kulinarisches Lokalkolorit auf die Teller. Auf unserem Flug waren es Baliklachs-Tartar mit Roter Bete und Ziegenkäse nach einem Rezept des Tessiners Andreas Schwab. Danach gab es Rinderfilet mit Kräuterkruste und Rotweinsoße nach einem Rezept von Jean-Marc Soldati aus dem Jura. Dazu einen wunderbaren Bündner Davaz Fläsch Pinot Noir.

Auf dem Rückflug verwöhnten Kreationen des Schweizer Chef de Cuisine im „Peninsula Hong Kong“ die Gaumen. Florian Trento ändert das Menü alle drei Monate. Wir hatten ein delikates Vitello Tonna­to und gegrillten Lachs mit Orangen-Rosmarin-Glasur. Auf Vorbestellung gibt es für Passagiere nicht nur in der First und Business, sondern auch der Economy insgesamt 18 Spezialmenüs, unter anderem laktose- und glutenfrei, für Kunden mit Nussallergie so­wie für Hindus, Muslime, Juden, Jain und Veganer.

Ein Highlight für alle Espresso-Liebhaber: Auf Wunsch bekommt man einen nicht nur frisch zubereiteten, son­dern auch richtig guten, heißen Espresso serviert.

Swissness zum Sitzen: Elegante Sessel von De Sede

Ablenkung?

Großer, bildstarker 16-Zoll-Touchscreen und eine ordentliche Auswahl von mehr als 140 Filmen und vielen TV-Programmen, von neuen Kinohits über Serien bis zu Dokus. Dazu kommen über 400 Alben und Musikkanäle. Wem dies nicht genügt, der kann im Internet surfen. Dann wer­den für das 50-MB-Datenpaket 17 Euro fällig.

So speziell … mit Swissness

Wie sollte es anders sein: Service, Hardware und Verpflegung sind wie die besten Positilischees zur Schweiz – proper, sauber, sehr präzise, pünktlich, strukturiert, freund­lich-unaufgeregt. Dies gilt auch für das Amenity-Kit: ein textiles Täschchen respektive eine Blechdose von Victorinox anstatt Kunstleder-Ramsch.

Swiss hält im Terminal E drei Lounges für Business-Class-, First-Class- und Senator-Gäste bereit

Stopover in der Lounge

Swiss hält an ihrem , der seit Jahren immer wieder zum führenden Airport Europas und unter die zehn besten der Welt gewählt wird und zuletzt auf 29,3 Millionen Passagiere pro Jahr kam, im Terminal E drei Lounges für Business-Class-, First-Class- und Senator-Gäste bereit.

Die Business Lounge bietet auf 1.200 beidseits raumhoch und voll verglasten Quadratmetern Platz für gut und gern 200 Passagiere. Warme, natürliche Farben sowie schöne Oberflächen herrschen vor – und man sitzt sehr bequem in Möbeln der Edelhersteller Vitra und De Sede. Das sorgt für Swissness unterm Hinterteil. Lose platziert gewähren die Sessel schon reichlich Privacy.

Wer noch ungestörter ein größeres Pensum an Arbeit erledigen will, zieht sich an einen der sechs Plätze in der „Work Area“ zurück, danach locken Liegen im Ruheraum zu einem Power Nap oder Front Cooking mit vier Gerichten zur Wahl.

Whisky Club – für Gäste der Senator Lounge. Cheers!

Die große Terrasse entlang der Längsfront sorgt für ein hautnahes Airport-Flair. Für Plane Spotter, die alles noch genauer sehen wol­len, stehen gute Ferngläser parat.

Gäste mit Senator-Status dürfen sich in der gesonderten Lounge im Whisky Club an einer  Auswahl von mehr als 200 Whiskysorten delektieren, darunter Klassiker und Raritäten aus Schottland, Irland, Japan, den USA und Deutschland. Dazu gibt es in Blickrichtung Süden ein grandioses Bergpanorama. So vergeht die Wartezeit wie im Flug.

Senator Lounge: Über 200 Whiskys zur kostenlosen Auswahl, darunter echte Preziosen

Infos und Preisbeispiele

Von Zürich mit in der Business Class ab 2.020 Euro nach Hongkong, Economy ab 409 Euro; ab Frankfurt via Zürich in der Business Class zu bestimmten Terminen ab 2.100 Euro, in Economy ab 600 Euro.



Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „gambleinfo“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.

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