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Thailand | Thai-Törn

Thomas Linkel
Geschrieben von Thomas Linkel

Entschleunigen de luxe: Mit dem Viermaster „Star Clipper“ zwischen Thailand und Malaysia durch die Andamanensee? Unser Reporter Thomas Linkel hat das ausprobiert und würde es jederzeit wiederholen

Als mich der Wecker um halb sechs aus dem Schlaf holt, ist es vor meinem Bullauge noch dunkel. Das Waschen und Zähneputzen erledige ich mit halb geschlossenen Augen, dann steige ich zum Deck hin­auf. Eine kühle Brise empfängt mich und ein Anflug von Dunkelblau, der das Schiff überspannt.

Thailand Ahoi!

Steuermann und Erster Offizier stehen am Ruder der „Star Clipper“, eines 115 Meter langen Viermasters, auf dem 80 Passagiere seit einer Woche durch die Andamanensee zwischen Thailand und Malaysia fahren. Ich nehme auf einem Liegestuhl Platz, atme die frische Morgenluft ein und blicke nach oben, in die vom Wind geblähten Segel, zwi­schen denen noch die Mondsichel schimmert. Das Knarren der Wan­ten und Knirschen der Rigg im Ohr, habe ich Zeit, mich der Eindrücke der vergangenen Tage zu erinnern.

An einem Vormonsunnachmittag setzten wir vor Phuket Segel und verließen das touristische Chaos der Patong Bay Richtung Süden. Drei Tage später erreichten wir das malaysische Penang, des­sen Küste sich am Morgen steuerbords langsam aus dem Dunst schälte. Um dem Trubel von George Town zu entgehen, sollte man das nur eine Autostunde entfernte Taiping besuchen, 250.000 Einwohner groß und einige Jahrzehnte Hauptstadt der Region Perak.

Landgang im feinen Sand der Insel Ko Rok Nok

Elefant als Glücksbringer

Taipings Bedeutung wuchs ab 1848, als der örtliche Clanführer Che Long Jaa­far in der Gegend Zinn entdeckte. Laut Legende klebte das Metall an den Bei­nen seines ausgebüchsten Lieblingselefanten, als ihn Che Long Jaafar Tage später im Dschungel fand. Er organisierte chinesische Finanziers aus Penang und begann, Zinnminen mit Arbeitern aus China zu betreiben. Zunächst wurde der Rohstoff für die Herstellung von silber gestempeltem Joss-Papier nach China verkauft, das im Ahnenkult des Daoismus, aber auch im Buddhismus als Brandopfer verwendet wird.

Touristen im Selfiemodus auf Ko Miang

Der Rest der Pracht

Viel ist von der silbernen Zeit nicht übrig, dafür ist es unfassbar schwül, heiß und stickig. Die meisten der früheren Kolonialbauten verschwinden hinter großen Werbeschildern. Wer nicht raus muss, bleibt tagsüber in klimatisierten Gebäuden oder hetzt un­ter schattigen Arkaden von Geschäft zu Geschäft.

Die Hausfassaden präsentieren sich farbenfroh, einige sind frisch renoviert, manche grau-grün mit Flechten bewachsen. In der Hauptstraße finden sich Baustile aus den vergangenen 130 Jahren. Chinesische, malaiische und lateinische Schriftzeichen konkurrieren miteinander, das „Vistana Micasa Hotel“ liegt zwischen dem „Hafiz Restaurant“ und der „Hongkong Noodle Bar“. Taiping, das ist südostasiatisches Klima und ungeschminktes Leben pur.

Badespaß in der Phang-Nga-Bucht

Zeit für den Friesennerz!

Am nächsten Morgen, es war ein Dienstag, empfing uns die Andamanensee mit strömendem Regen, das Wasser rauschte nur so vom Himmel, und außer den in Friesennerz gekleideten Matrosen war niemand an Deck. Auch der Ausflug zur Insel Ko Adang im Tarutao National Marine Park fand wenig Zuspruch, obwohl es trotz Regen ein tolles Erlebnis war, in der 27 Grad warmen Lagune zu baden und dabei den Wolken zuzusehen, wie sie sich in immer neuen Formationen um den 690 Meter hohen Inselgipfel drängten.

Vermutlich dachten die meisten schon an die kommenden Sonnentage, die wir zwischen Phang Nga Bay, Ko Hong und den Similan-Inseln zubringen sollten. Aber ich verbrachte den Tag am Strand und im Wasser.

In den folgenden Tagen bewegte sich der Viermaster in einer Traumkulisse, die manchmal zu kitschig war, um wahr zu sein: weißes Schiff vor steil aus dem Meer aufragenden Kalksandstein-Felsen, um die Seevögel kreisten. Türkises Wasser in Buchten mit feinstem Sand. Dazu knalligste Sonnenuntergänge an Deck, die Kameras und Smartphones glü­hen ließen. Unterwasserwelten mit bunten Fischen, die an Korallen knabberten. Zodiac-Ausflüge zu unbewohnten Inseln.

Die „Star Clipper“ ist das einzige Kreuzfahrt­schiff, das in den verschiedenen Marine National Parks von Thailand fahren darf – ein Privileg, das es möglich macht, früher, später oder länger als alle Ausflugsboote an den schönsten Orten zu verweilen.

In der Bord-Bibliothek der „Star Clipper“

In Puderzucker waten

Auf Ko Hong schaute ein Zwei-Meter-Waran vorbei und war überrascht, dass so spät noch jemand in „seinem“ Revier unterwegs war. Auf Ko Rok Yai wa­ren die Strände so feinsandig, als ob man über Puderzucker wandelte.

Und Ko Miang? Da war der Strand so voll, dass man sich in der Nanjing Road im Herzen von Shanghai wähnte. Keine Überraschung: Ko Miang ist total „mable“ und aus diesem Grund in sozialen Netzwerken als „die Trauminsel“ omnipräsent. Da muss hin, wer was auf sich hält. Mit dem Ergebnis, dass jeden Tag zwischen 10 und 15 Uhr eine ganze Armada hochgerüsteter Schnellboote Tausende von Touristen an Land bringt.

Traumstrand auf der Insel Ko Rok Yai

Nach der Touristenflut wird’s gut

Doch gegen Abend haben wir die Insel für uns. So klar ist das Wasser, dass der sandige Grund sogar vom Sail Rock aus zu sehen ist. Es ist, als reibe Ko Miang sich die Augen und prüfe, ob das Realität oder nur ein Albtraum gewesen war. Und der helle Klecks draußen auf dem Meer? Die „Star Clipper“ in tiefem Blau …

Die Wanten knarren, die Riggs knirschen. Ich sit­ze auf dem Deck und lasse den Blick in den Himmel wandern. Sterne und Sonne haben die Plätze getauscht. Es duftet nach Meer. Die Wellen rauschen – und die Segel blähen sich im Wind.

 

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Info

Auf der beschriebenen „südlichen Route Phuket – Phuket“ segelt die „Star Clipper“ Ende 2018 und 2019 an mehreren Terminen, darunter zweimal im April.


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Über diesen Autor

Thomas Linkel

Thomas Linkel

„Meine Neugier ist unstillbar.“
Nach einer fotografischen Ausbildung im Stilllife-Studio und dem Abschluss zum Diplomwirtschaftsgeograf arbeitet Thomas seit 15 Jahren für internationale Magazine in den Bereichen Reise, Reportage, Portrait und Architektur sowie für die Unternehmenskommunikation internationaler Kunden. Für seine Produktionen hat er über 100 Länder bereist.

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