Länderberichte

Uganda | Gorilla-Trekking im Nebelwald

Andreas Hub
Geschrieben von Andreas Hub

In Uganda sind die dunklen Jahre der Diktatur vorbei. Aufbruchsstimmung herrscht in der quirligen Hauptstadt Kampala. Das abenteuerliche Kontrastprogramm? Gorilla-Trekking in den Berg- und Seenlandschaften  im Westen. Eine Plackerei, die sich lohnt. Andreas Hub war dort und berichtet. Außerdem gibt es Fotos aus dem Queen Elizabeth National Park und Baumlöwen.

Die Fahrt in den Bwindi Impenetrable Forest, die Heimat der Berggorillas, dauert einen Tag im Geländewagen. Die hoch gelegene „Silverback Lodge“ empfängt uns mit Panoramablick auf den dampfenden Regenwald, Wolkenfetzen ziehen durchs Tal. Großartig!

 

Abends suchen wir einen kleinen Pub im Ort Buhoma auf, Lehmfußboden, eine nackte Glühlampe brennt oder brennt nicht. Das Bier schmeckt auch im Dunkeln, auch die Kühlung geht manchmal, manchmal nicht. Das macht nichts. Mit allen kommen wir ins Gespräch. Der Lehrer der Dorfschule ist Feuer und Flamme für bessere Bildung, der Leiter der örtlichen Gesundheitsstation berichtet von den Plänen für eine Krankenversicherung im kommunalen Rahmen: 10.000 Schilling, also knapp drei Euro, sollen die Menschen pro Jahr einzahlen, um Gesundheitsstationen, Ärzte und Pfleger zu finanzieren. Die eigentliche medizinische Versorgung ist kostenfrei. Menschen zu überzeugen, die denken: Wofür zahlen, wenn man doch gar nicht krank ist – eine hohe Hürde.

600 Dollar für ein „Hallo, Affe!“

Welch krasser Gegensatz ist dazu das Gorilla-Trekking, das sich Uganda mit 600 Dollar pro Gast fürstlich bezahlen lässt (in Ruanda sind es sogar 800 Dollar). Dafür stehen wir auch gern sehr früh auf. Als wir nach zwei Stunden Marterstrecke in den Bergen sind, herrscht gelinde Enttäuschung, weil Wildhüter Steven bei der Einweisung sagt: „Wir fahren ein Stück mit dem Jeep, dann sind wir näher dran.“ Alle wollten wir zünftige Primaten-Pirscher sein, nicht langweilig mit dem Auto vorgefahren werden. Von unten am Hang hören wir die anderen Ranger rufen, sie haben die Gorillas bereits gefunden. Was dann folgt, sind die anstrengendsten zwei Stunden der gesamten Reise.

Silverback Lodge: Blick auf den Bwindi Impenetrable Forest National Park

Silverback Lodge: Blick auf den Bwindi Impenetrable Forest National Park

Der Wald verdient seinen Namen

Wie naiv von uns: Wo Gorillas geschmeidig von Baum zu Baum turnen, finden Dschungel-Deppen überhaupt keinen Weg. Und was heißt noch mal „impenetrable“? Ach so, undurchdringlich. Steven hackt mit der Machete schmale Schneisen in Schlingpflanzen und Unterholz am rutschigen Steilhang. Wahllos greifen unsere (wenigstens behandschuhten) Hände nach allem, was Halt geben könnte, Dornen finden trotzdem ihren Weg, fiese, schwarze Wespen stechen uns genüsslich ab. Um nach ihnen zu schlagen, fehlt eine dritte Hand. Gibt es hier nicht jede Menge Giftschlangen? Aber vermutlich haben die meisten Waldbewohner längst die Flucht ergriffen vor der Horde vor sich hin torkelnder zweibeiniger Waldelefanten. Für die echten Waldelefanten geht Nulu mit dem russischen Sturmgewehr hinter uns her. Zum Erschrecken. Aus Dickhäuterperspektive sind Kalaschnikows allenfalls Spielzeug.

Schließlich sehen wir die Oruzogo-Gruppe vor uns, eine von zehn Gorilla-Familien, die in Uganda besucht werden dürfen, meistens nur einzelne Körperteile, Köpfe, Hände, alles andere wird durch Gras verdeckt. Die Guides geben wortlos Handzeichen, dass wir uns setzen sollen, exakt eine Stunde Zeit, nie näher als sieben Meter ran, die Ära seligen Affenbaby-Streichelns ist lange vorbei. Bei 98-prozentiger DNA-Übereinstimmung nehmen Krankheiten beide Richtungen – neuerdings leiden Gorillas auch an Krätze.

Bahn frei, hier kommt der Chef

Es raschelt nur ganz kurz hinter uns im hohen Gras, dann tritt, springt, rutscht, stolpert ein riesiger Silberrücken auf einen der Fährtensucher zu. Den täglichen Umgang mit Berggorillas gewohnt, kann er gerade noch mit einem Warnruf zur Seite springen. Unwahrscheinlich, dass der über zwei Meter große Affe uns angreifen will, er will sich nur seinen Weg bahnen. Aber der Schrecken, der allen in die Knochen fährt, sagt: Wir haben hier gar nichts zu melden. Sanfte Riesen, in deren Augen man wie in einem Spiegel die eigenen Ahnen erblicken kann und was der blumigen Bilder mehr sind – irgendwelche philosophisch-spirituellen Anwandlungen kann ich weder bei mir noch einem der fünf Mitwanderer ausmachen. Dafür ist es zu anstrengend.

Wen interessieren schon Menschen?

Und? Interessieren sich die Tiere, unsere Verwandten, überhaupt für uns? Keine Ahnung, sie gehen ihrem Tagwerk nach, die Jungen klettern und springen in den Bäumen herum, die Großen liegen auf der faulen Haut im Busch und zupfen Blätter, die sie genüsslich zwischen großen, schwarzen Lippen verschwinden lassen. Nur der Silberrücken, der Chef der 23-köpfigen Familie, schickt ab und zu einen kurzen Blick zu herüber. Beim Abschied bekommt jeder noch sein „Gorilla Certificate“. Falls wir zuhause nachschauen wollen, ob alles nur ein Traum war.


 


INFOS

An- und Einreise

Ab 600 Euro mit von Frankfurt über Addis Abeba nach Entebbe. Touristenvisum wird bei der Einreise am Flughafen Entebbe ausgestellt (50 $) oder vor der Reise bei dem von der ugandischen Botschaft beauftragten Unternehmen beantragt.

Buchungstipp

14-tägige Adventure Budget Tour „Uganda und Berggorillas erleben“ von inklusive Fluganreise, zuzüglich Permit (600 $).

Gorillatrekking

Das Permit für einen Tag im Bwindi Forest National Park beziehungsweise eine Stunde (so lange nur darf man den Gorillas nahe kommen) kostet 600 $.

ACHTUNG, MALARIA

Medikamentöser Schutz mit Malarone und Lariam

Beim Schutz vor Malaria tropica hat man die Wahl zwischen Medikamenten mit dem Wirkstoff Mefloquin wie Lariam und solchen mit dem Wirkstoff Atovaquon-Proguanil (Malarone; Dosierung: 1 Tablette à 250 mg tägl., 48 Stunden. vor Betreten des Malariagebiets und die ersten 7 Tage nach Verlassen).

Dem teureren Malarone wird gern bessere Verträglichkeit nachgesagt, die von vielen Anwendern bestätigt wurde. Häufige Nebenwirkungen von Lariam sind u. a. Magen- und Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Man sollte 3 Wochen vor Reisebeginn mit der Einnahme beginnen, um zu sehen, ob man es verträgt. So kann man notfalls zur Alternative greifen. Freunde der Stand-by-Behandlung sollten sich klarmachen, dass bei einer Reisedauer von 2 Wo. max. 9 Tabletten über 9 Wochen verteilt eingenommen werden. Bei einer Akutbehandlung schluckt man diese Menge binnen 12 Stunden.

Schutz durch entsprechende Kleidung

Schutz vor Moskitostichen in der Dämmerung und nachts – dann sind die Mückenweibchen aktiv – bietet helle körperbedeckende Kleidung. Doch das genügt  nicht: Untersuchungen haben gezeigt, dass 40 Prozent der Insektenstiche durch die Kleidung hindurch erfolgen. So sind Hemden und Hosen sinnvoll, die durch spezielle Webtechnik über einen mechanischen Moskitobiss-Schutz verfügen. Diese atmungsaktiven sowie wasser- und schmutzabweisenden Stoffe schützen vor Mückenstichen. Schlafen nur unter Moskitonetzen.

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Über diesen Autor

Andreas Hub

Andreas Hub

Am 8. Juli 2016 ist unser Freund und langjähriger Reporter Andreas Hub nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Andreas war ein ausgezeichneter Fotograf und Texter und ein sehr warmherziger Mensch. Er hat seine schwere Krankheit bewundernswert ertragen.

Andreas hinterlässt neben seiner Ehefrau drei Töchter. Die Familie bekommt nur eine sehr kleine Witwen- und Waisenrente und es wird noch einige Jahre dauern, bis seine Frau Ina wieder voll arbeiten kann.

FREELENS und die Agentur laif, die Andreas vertreten hat, unternehmen einen Benefizverkauf einiger von Andreas' Fotos. Die Einnahmen des Printverkaufs werden unmittelbar und komplett Andreas’ Familie zugutekommen.

Die Prints werden auf Hahnemühle Baryta hergestellt und von Ina Hub autorisiert und signiert. Sie sind unter Passepartout (30 x 40 cm bzw. 40 x 50 cm) auf Rückkarton in Pergaminhülle in zwei Größen erhältlich:
https://www.freelens.com/news/ein-foto-fuer-andreas/

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