Länderberichte

Wandern in Südafrika | Ganz großes Kino!

Wandern in Südafrika
Dietmar Denger
Geschrieben von Dietmar Denger

Verlassen Sie die Safari-Jeeps und Luxuslodges – und versuchen Sie mal Wandern in Südafrika! Wir pirschten zu den Big Five im Kruger National Park, wanderten im gewaltigen Blyde River Canyon und marschierten über die Gipfel der Drakensberge

Vom Bett im Wohnzelt aus lässt sich das Löwengebrüll genießen wie eine Tierdoku. Bei den ersten Schritten draußen hofft man dann, dass die Chefs im Busch sich bereits die Mägen vollgeschlagen haben. Als wir zur spannendsten Version von „Wandern in Südafrika“, einer Walking Safari, aufbrechen, taucht der Morgen die Buschsavanne von Letaba in ein mattes Licht. Das tierische Schnauben, Schreien und Rascheln, das eine afrikanische Nacht zum Hörspiel macht, ist weitgehend verstummt. Die meisten Bewohner sind in der Nacht aktiv, um der Hitze zu entgehen, die jetzt vor Ende der Trockenzeit das Land tagsüber zum Glutofen macht.

Letaba Reserve: Zu Fuß zum Hippo-Pool

„Kurz vor Sonnenaufgang sind die Tiere noch recht munter, darum ist das die beste Zeit für Beobachtungen“, weiß Guide James. Zur Sicherheit hat er ein altersschwaches Gewehr dabei. Plötzlich duckt sich James, im leisen Trippelschritt schleichen wir uns an einem Büffel vorbei. „Vergesst Löwen und Krokodile“, flüs­tert James, „Büffel und Flusspferde sind die gefährlichsten Tiere im Busch.“

Doch das riesige Exemplar, das hinterm Akaziendickicht entspannt mit den Ohren wackelt, nimmt uns offensichtlich nicht ernst und lässt uns weiterziehen. Auch den Flusspferden am Groot Letaba River ist um diesen Uhrzeit eher nach Chillen zumute. Auch uns wird es langsam zu warm. Es ist erst acht Uhr, als wir zurück im Camp sind, doch die Sonne glüht bereits am Himmel.

Wandern in Südafrika: Das Löw*innen-Dasein kostet enorm viel Kraft ...

Verdientes Nickerchen: Das Löw*innen-Dasein kostet enorm viel Kraft …

Kruger National Park bei 40 Grad: Chillen mit Löwen

Bei brütender Hitze lässt sich der nahe Kruger National Park am besten im klimatisierten Auto genießen. Wobei man es bei den Temperaturen erst einmal eher mit einer Tierwelt im Standby-Modus zu tun bekommt. Mit eher gelangweilt dreinschauenden Büffeln oder den beiden Löwendamen, die nahe des „Satara Camp“ mit kugelrunden Bäuchen das Gnu verdauen, das sie in der Nacht verputzt haben. Gleich nebenan scheuert ein junger Elefantenbulle seinen Po am harten Holz einer Akazie.

Etwas Hektik kehrt erst am Abend zurück, als dunkle Wolkenberge Schauer über dem „Satara Camp“ abkippen und für einen Temperatursturz sorgen. Vor dem abgezäunten Areal mit seinen hübschen Wohnhütten lungern Löwen und beobachten den seltsa­men Menschenzoo. Und Zebras starren auf Hyänen, die aufgeregt um eine Schildkröte herumschwänzeln.

Wandern in Südafrika, aktiv: Zebras im Krüger-Nationalpark

Zebras im Krüger-Nationalpark – die Fellzeichnung schützt vor Tsetse-Fliegen, vermuten Forscher

Blyde River Canyon: Wandern auf dem Leopard Trail

Südlich des Nationalparks zeichnen sich am nächs­ten Tag die Ausläufer der Drakensberge am Horizont ab. Bald steigt die Straße an und windet sich auf eine baumlose Hochebene. Über dem weitläufigen Areal des „Forever Resort“ stapeln sich die Wolken wie Wattebäusche, als wir in den Blyde River Canyon abstei­gen.

Das Riesenloch ist eines der schönsten der Welt, 26 Kilometer lang und bis zu 800 Meter tief hat die Erosion des Flusses Blyde ein Meisterwerk aus dem roten Sandstein gefräst. Der Leopard Trail ist eine der beliebtesten Wanderungen dort. Als wir schwit­zend die Canyonkante erreichen, ergießt sich ein Gewitterschauer in den Canyon, und die letzten Sonnenstrahlen bringen die schroffen Gipfel zum Leuchten.

Wandern in Südafrika, aktiv: Graskoop Gorge

Nach dem Wandern in Südafrika ist Zeit für eine Erfrischung am Wasserfall Graskoop Gorge

Graskop-Lift: Fahrstuhl in den Regenwald

Bevor es richtig hoch hinaus geht auf die Drakensberge, tauchen wir an der Graskop Gorge noch mal ab: In der Grabenbruchregion nahe Pilgrim’s Rest gibt es eine ganz neue, spektakuläre Attraktion: Mit dem gläsernen Graskop-Lift schweben Besucher innerhalb von Sekunden 60 Meter hinab in den dich­testen südafrikanischen Regenwald, wo bunten Schmet­terlingen im Blütenmeer ganz blümerant wird, ein Wasserfall den Wald einnebelt und ein pfiffig konstruierter hölzerner Rundweg und Hängebrücken durch eine eigentümliche Welt führen.

Initiator und Manager Campbell Scott ist mächtig stolz auf diese innovative Form des Tourismus: „Bevor wir hier anfingen, konnte man den Talboden nur über steile Wege erreichen und die Besucher sorgten für jede Menge Erosion und Schäden in der sensiblen Talflora“, sagt der Öko-Investor. Schon träumt er von einem Fernwanderweg über die mehr als 1.000 Kilometer langen Drakensberge.

Wandern in Südafrika, aktiv: Buschwanderung im Letaba Wildlife Reserve

Morgendliche Buschwanderung nahe dem „Mtomeni Safari Camp“ am Groot Letaba River

Wandern in Südafrika: Höhepunkt Drakensberge

Wir begnügen uns mit Tageswanderungen, die bereits spektakulär sind. Im Royal Natal National Park springen wir in die Felsengumpen der Cascades und begeben uns auf den Tugela Gorge Trail. Durch ein grünes Flusstal windet sich der Weg zwischen Farnen hindurch, taucht ab in kleine Urwäldchen und mündet in eine knapp drei Meter breite Schlucht. Über dem Tal ragen die Felswände des sogenannten Amphitheaters in den Himmel.

Das Gebirge mit tiefen Schluchten und über 3.000 Meter hohen Tafelbergen durchzieht ein Netz aus Hirtenpfaden. Auch bei der 15-tägigen Traverse verlässt man sich besser auf erfahrene Guides. Auf die Zulu-Bergführerin Zee Ndaba etwa, die wir an der Kneipe im Dorf Amazizi am Rand des Royal Natal National Park treffen.

Wandern in Südafrika, aktiv: Unterwegs im Royal National Park

Wandern in Südafrika: Der Rücken der Drakensberge erinnert an den eines Dra­chen

Sentinel Peak: Hochplateau für Hochgefühle

Am nächsten Tag geht es mit Zee zusammen aufs Dach Südafrikas. Auf der Ladefläche von Toyota-Pick-ups schaukeln wir hinauf bis an den Fuß des 3.165 Meter ho­hen Sentinel Peak. Durch Grasland führt der Wanderweg an den steilen Flanken entlang und ermöglicht immer wieder Fernblicke ins Tiefland. „Heute müssen wir uns beeilen, am Nachmittag gibt es ganz sicher Regen“, spornt uns Zee am Einstieg zur Schlüsselstelle an, wo 20 Meter hohe Kettenleitern durch senkrechten Fels führen.

Oben fegen Nebelfetzen über die kalte Hochebene, die an die Tun­dra im Norden Skandinaviens erinnert. Und zwischendrin stehen vier junge Ziegenhirten, in dicke Wolldecken gehüllt. Wir folgen einem Bachlauf, bevor er an der Abbruchkante als Wasserfall endet. Vis-à-vis sind die 950 Meter hohen Tugela Falls zu erkennen. Das Amphitheater liegt direkt vor uns. Über die Buckelgipfel hinweg, an der Kante entlang, führt der bekannteste Weg der Traverse über die Drakensberge. „Das nehmen wir uns vor, wenn ihr das nächste Mal kommt“, lacht Zee!

 

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Info Wandern in Südafrika

Reiseangebote rund ums Thema Wandern in Südafrika

Expeditionsveranstalter Hauser Exkursionen bietet mehrere Reisen zum Thema Wandern in Südafrika an: „Durch König­reiche nach Kapstadt“ führt 22 Tage lang (ab 3.598 Euro mit Flug) zu vielen Südafrika-Highlights, auch mit leichten Wanderungen. Beim Angebot „Wandern im Wilden Norden“ sind an 17 Tagen (ab 3.298 Euro) Bergwanderungen und Walking-Safaris vorgesehen. Wer bergerfahren ist, kann sich auch an die 15-tägige „Überquerung der Drakensberge“ (ab 3.159 Euro) wagen. Henkalaya Reisen hat eine 18-tägige Wandereise (2.120 Euro ohne Flüge) im Programm, auf deren Route sich unter anderem der Kruger National Park, der Blyde River Canyon und die Drakensberge befinden. |

Lodges

Blyde River – A Forever Resort Weitläufiges Resort oberhalb des Blyde River Canyon. Die komfortablen Cottages sind der ideale Ausgangspunkt für Wanderungen im Canyon. Am beliebtesten: der Leopard Trail. DZ/F ab 80 Euro.

Sungubala Eco Camp Eine der spektakulärsten Lodges Südafrikas. Am Südhang der Dra­kensberge gelegen, bietet die Anlage atemberaubende Blicke auf das weite Sungubala Valley, sogar vom Bett in den kleinen Selbstversorger-Bungalows aus. Idealer Ausgangs­punkt für Tageswanderungen im Royal Natal National Park. DZ ab 55 Euro.

Web

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Über diesen Autor

Dietmar Denger

Dietmar Denger

Zuhause in beiden Welten – Bild und Text – und bietet Fotoreportagen aus einer Hand: unkompliziert in der Umsetzung vor Ort, stimmig und intensiv im Zusammenspiel von Text und Bildern. Fotografieren und gutes Schreiben lernte er schon früh als freier Mitarbeiter bei Zeitungen und der dpa. Mit Fotos und Texten finanzierte er sich das Studium der Medienwissenschaften und Tourismus-Geographie. Danach folgte ein Volontariat bei „Max“, ehemals das Magazin schlechthin für Foto-, Design- und Popkultur. Später war er Redakteur bei „gambleinfo“ und leitender Redakteur beim „ADAC reisemagazin Traveller“. Mit Reportagen aus aller Welt lebt er seine Begeisterung fürs Reisen, mag bei der Fotografie Menschen ganz nah ebenso wie Stadtporträts, grandiose Naturlandschaften genauso wie Lifestyle, Design und Architektur. Zeitgemäße Themen und Motive für seine zweite Leidenschaft Berge findet der gebürtige Westfale zwischendurch immer wieder gern rund um seine Wahlheimat in den Bayrischen Alpen.